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Eurostat übernimmt aktuelle Daten von Destatis

(05. Juli) Das Statistikamt der EU (Eurostat) vermeldete gestern zwar keine neue, so doch eine für Deutschland und das Bundesfamilienministerium unangenehme Nachricht. Die Geburtenziffer der Bundesrepublik sei wieder einmal geschrumpft, von 8,3 auf 8,2 Neugeborene je 1.000 Einwohner. Damit hätte es 2008 675.000 Babys in der Bundesrepublik gegeben. Dem nicht genug, bilde Deutschland nach 2007 weiterhin das Schlusslicht aller EU-Staaten.
Das Bundesfamilienministerium protestierte daraufhin: die Zahlen vom Eurostat für die Bundesrepublik seien veraltet und falsch. Und tatsächlich, Eurostat hat die vorläufigen Geburtenkennziffern des Statistischen Bundesamtes (Destatis) von April 2009 als Grundlage verwendet. Mittlerweile gibt es allerdings eine aktuelle Berechnung, heißt es aus Wiesbaden. Die zweite sei von Juli 2009 und gehe von deutschlandweit 682.000 Neugeborenen für 2008 aus – 7.000 mehr als noch im April.

Weiter zum Themenschwerpunkt Demographischer Wandel - Hier Klicken.Die Daten von Eurostat seien daher nicht falsch, aber eben nicht mehr aktuell, sagte eine Sprecherin von Destatis. Die endgültige Geburtenstatistik gebe es ohnehin erst Anfang September – die  Angaben von Juli kämen den endgültigen Ergebnissen aber schon sehr nahe. Indes wisse man in Wiesbaden bereits, dass Eurostat die Zahlen im Laufe des Tages aktualisieren und die Angaben von Juli 2009 verwenden werde.

Weniger gebärfähige Frauen

Grund zur Freude bietet Ursula von der Leyen diese aktuelle Zahl noch nicht. Denn selbst durch die Verwendung der günstigeren Zahlen steht Deutschland nach wie vor am Ende der EU-Geburtenskala. Die durchschnittlichen Geburten in allen 27 Staaten sind laut Eurostat-Erhebung im Zeitraum 2007 bis 2008 von 10,6 auf 10,9 gestiegen. Deutschland ist das einzige Land, das auch nach der neuen Datengrundlage bestenfalls stagnieren wird.

  Weil in den vergangenen Jahrzehnten schon zu wenige Kinder zur Welt kamen, sinkt heute die Zahl der gebärfähigen Frauen. (Foto: BS/Dkay/www.aboutpixel.de)

Weil in den vergangenen Jahrzehnten schon zu wenige Kinder zur Welt kamen, sinkt  heute die Zahl der gebärfähigen Frauen.

(Foto: BS/Dkay/ www.aboutpixel.de)

Eurostat stellt Statistiken für die Länder der EU zusammen, die von den nationalen statistischen Ämtern der Mitgliedstaaten erhoben und zur Verfügung gestellt werden. (Foto: BS/wikipedia)

Eurostat stellt Statistiken für die Länder der EU zusammen, die von den nationalen statistischen Ämtern der Mitgliedstaaten erhoben und zur Verfügung gestellt werden.

(Foto: BS/wikipedia)

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Für das Familienministerium ist die Geburtenstagnation ein positiver Effekt der aktuellen Regierungspolitik. Im Morgenmagazin sagte von der Leyen, dass die Frauen, die überhaupt Kinder bekommen könnten, alleine seit ihrem Amtsantritt um 500.000 weniger geworden seien. "Wenn weniger Frauen da sind und die Geburtenzahlen stabil bleiben, dann ist das schon ein Erfolg", so die Ministerin.

Qualitative Daten zur Kinderlosigkeit

Studien haben unlängst ergeben, dass die Deutschen einfach immer weniger Kinder wollen und sich europaweit am wenigsten Lebensfreude durch selbige erhoffen. Aus dem Mikrozensus konnten erstmals ausführlichere Angaben zur Kinderlosigkeit gewonnen werden. Grundlage dafür war, dass 2008 sämtliche Frauen zwischen 15 und 75 Jahren gefragt wurden, ob und wie viele Kinder sie geboren haben.

Aus der Befragung geht hervor, dass immer mehr Frauen gänzlich ohne Kinder bleiben. Während vor 20 Jahren noch zwölf Prozent und vor zehn Jahren 16 Prozent der 40- bis 44-jährigen Frauen kinderlos geblieben wären, seien dies heute bereits 21 Prozent. Unter den 35 bis 39-jährigen Frauen hätten 2008 gar 26 Prozent noch keine Kinder gehabt

Es gebe allerdings eine große Diskrepanz zwischen Ost und West: In den neuen Bundesländern seien lediglich 16 Prozent, in den alten Ländern 28 Prozent der 35- bis 39-Jährigen kinderlos. Außerdem gelte, allerdings nur für Westdeutschland: je höher der Bildungsstand, desto häufiger gibt es kinderlose Frauen. 26 Prozent der Frauen ab 40 Jahre mit hoher Bildung hätten demnach keine Kinder. Dieser Anteil sei wesentlich größer als bei den Frauen mit mittlerer Bildung (16 Prozent). Frauen mit niedriger Bildung seien nur zu 11 Prozent kinderlos, heißt es im Bericht.

Westdeutsche Akademikerinnen zwischen 40 und 75 Jahren seien häufiger kinderlos als im Osten und hätten außerdem auch deutlich häufiger keine Kinder als der Durchschnitt aller Frauen in ihrem Alter.

Auch Herkunft und kulturelle Sozialisation scheinen eine Rolle zu spielen. So haben von den 35- bis 44-jährigen Frauen mit Migrationshintergrund 13 Prozent keine Kinder, bei den in Deutschland geborenen Frauen sind es dagegen 25 Prozent. Unter den jüngeren ist dieser Unterschied gleichwohl sichtbar: während 61 Prozent der in der BRD geborenen Frauen zwischen 25 und 34 Jahren kinderlos sind, haben 39 Prozent derselben mit Migrationshintergrund noch keine Kinder.

www.bmfsfj.de

www.destatis.de

www.forschungsdatenzentrum.de/bestand/Mikrozensus/index.asp

 

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