http://www.behoerdenspiegel.de
Anzeige
 

Berlin 2030

(10. Juli) Gestern stellte der Berliner Senat auf einer Konferenz sein Demographiekonzept der Öffentlichkeit vor. Es gab Lob, sogar von Safter Çinar, Sprecher des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg. Kritik kam aber von der Landesseniorenvertretung und von Demographen.
Im Jahr 2030 werden in Berlin knapp 3,5 Millionen Menschen leben, rund 60.000 mehr als jetzt, Weiter zum Themenschwerpunkt Demographischer Wandel - Hier Klicken.50 Prozent der Berliner stammen 2030 nicht von "Ur-Berlinern, 50 Prozent der Haushalte werden Ein-Personen-Haushalte sein, und das Durchschnittsalter steigt von 42,4 auf 45,3 Jahre, dies erläuterte Ingeborg Junge-Reyer, Berliner Senatorin für Stadtentwicklung. Unter der Federführung ihrer Senatsverwaltung erarbeiteten die Senatsverwaltungen für Wirtschaft, Technologie und Frauen, für Bildung, Wissenschaft und Forschung und für Integration, Arbeit und Soziales in den letzten zwei Jahren das Demographiekonzept. Das Institut für Landes- und Stadtentwicklung Dortmund begleitete die Erstellung wissenschaftlich und Experten des Deutsche Instituts für Urbanistik, der Universitäten Bremen und Oldenburg sowie der Bertelsmann Stiftung waren eingebunden.

"Wir möchten, dass Menschen die nach Berlin kommen, die Stadt so attraktiv finden, dass sie hier bleiben", sagte Junge-Reyer. Daher schlägt das Konzept "Bleibepolitikern" vor. Dies soll vor allem durch das Nutzen der wirtschaftlichen Wachstumschancen geschehen. So werde zum Beispiel die Gesundheitswirtschaft in Zukunft für die Stadt eine große Rolle spielen, erläuterte die Stadtentwicklungssenatorin. Aber auch die Betriebe müssen sich mit dem Wandel auseinandersetzen, müssten stärker in die wirtschaftsnahe Ausbildung investieren und sich auf alternde Belegschaften einstellen, forderte Junge-Reyer.

  Berlin ist auf Einwanderung angewiesen, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer bei der Vorstellung des Berliner Demographie-Konzeptes. (Foto: BS/Köppl)

Berlin ist auf Einwanderung angewiesen, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer bei der Vorstellung des Berliner Demographie-Konzeptes.

(Foto: BS/Köppl)

Willkommenskultur

Berlin sei auf "Einwanderung angewiesen", daher brauche die Stadt nicht nur Toleranz gegenüber fremden Kulturen sondern müsse Zuzug auch als eine Bereicherung empfinden, sagte die Senatorin. Berlin müsse dafür eine "Willkommenskultur" entwickeln – ein wichtiger Baustein dafür sei der 2006 begonnene Ausbau der Ausländerbehörden zu Serviceeinrichtungen, wodurch die Beratung für Zugewanderte verbessert werde. Auch soll der Anteil der Arbeitnehmer und Auszubildenden mit Migrationshintergrund im Öffentlichen Dienst weiter erhöht werden. "In den Jahren, in denen viel im Öffentlichen Dienst in Berlin eingestellt wurde, waren keine Migranten mit entsprechenden Qualifikationen da", sagte dazu Safter Çinar, Sprecher des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg. Und jetzt werde sowieso kaum noch eingestellt. Çinar lobte aber die Verwaltung für ihre stärkere Anerkennung von Sprachkenntnissen als Qualifikation bei der Einstellung – "da sind wir auf einen guten Weg".

Nicht alle Themen und Demographen-Abstinenz

Kritik an dem Konzept kam von Helga Walter von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesseniorenvertretungen: "Wenn man das Konzept liest, hat man das Gefühl, Berlin habe schon alles." So sei die Versorgung mit Ärzten teilweise "katastrophal". Gesundheitsversorgung wird im Konzept gar nicht thematisiert, was auch daran liegt, das die Senatsverwaltung für Gesundheit nicht an dem Konzept beteiligt war.

Dass das Konzept keine ausführliche Problemanalyse mit der Ist-Situation voranstelle, kritisierte ein Demographieexperte gegenüber Behörden Spiegel Online. Daran merke man eben, dass Berlin keinen einzigen Demographen an der Erstellung des Konzeptes beteiligt habe und sich die kommenden Probleme immer noch schönrede.

Mehr zum Thema Demographie auf Behörden Spiegel Online:

Zum Themenschwerpunkt Demographischer Wandel


- Anzeigen -

Banner HUK

Banner DBV

Anzeigen

 
Partner
Logo der ICT AG