E-Energy Leuchturmprojekt: Mannheim testet Energiebutler
Die Modellstadt Mannheim testet ein neues Steuerungssystem für die Stromversorgung der Zukunft. Sie ist eines von sechs Leuchtturm-Projekten des Förderprogramms E-Energy der Bundesregierung, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie initiiert wurde und in ressortübergreifender Partnerschaft mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit durchgeführt wird. (06.02.2010)
Mit dem Projekt "Modellstadt Mannheim" (moma) untersucht ein Projektkonsortium unter der Führung des Mannheimer Energieversorgers MVV Energie Möglichkeiten, Erzeuger und Verbraucher von Energie mithilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologie näher zusammenzubringen.
Auf einem virtuellen "Marktplatz der Energie" werden Verbraucher, Erzeuger, Lieferanten, Händler, Netzbetreiber und Energiedienstleister zusammengeführt. Dieser Marktplatz basiert auf einer Serviceorientierten Softwarearchitektur. Voraussetzung hierfür ist eine echtzeitfähige Kommunikation, die in Mannheim auf der Grundlage des bestehenden Breitband-Powerline-Netzes aufgebaut wird. Die Verbindung des Energieversorgers mit seinen Endkunden, deren Zählern und Energiebutlern geschieht also direkt über das Stromnetz selbst.
Die Steuerung der Nachfrage erfolgt über variable Preise, die abhängig sind vom Nachfrageverlauf, und der Herkunft der Energie, insbesondere dem Angebot aus Erneuerbaren Energien. Für Privatkunden schwankt der Strompreis bisher nicht: Elektrische Energie kostet rund um die Uhr gleich viel. Wenn der Kunde jedoch einen Anreiz hätte, seinen Stromverbrauch auf Zeiten zu verlagern, in denen das Angebot groß und die Nachfrage klein sind, könnte der Energieversorger günstiger Strom einkaufen und diesen Preisvorteil an seine Kunden weitergeben.
Der Stromverbrauch der Teilnehmer am Projekt "moma" wird anhand eines Stromtarifes abgerechnet, bei dem der Preis über den Tag variiert. Somit kann der Kunde sparen, wenn er Strom zu günstigen Zeiten verbraucht. Dafür, dass diese Verlagerung von Stromverbräuchen so einfach und bequem wie möglich erfolgt, sorgt der "Energiebutler".
Der kleine Rechner schaltet automatisch große Stromverbraucher wie Trockner und Kühlgeräte nur dann ein, wenn Strom günstig ist. Dabei folgt er den Vorgaben, die der Kunde selbst macht. Außerdem erhalten die Kunden einmal pro Tag von MVV Energie die Information über den Preisverlauf des nächsten Tages. Aus diesem Preisverlauf und den Vorgaben des Kunden errechnet die zentrale Steuereinheit einen optimalen Einsatzplan für die angeschlossenen Geräte. Zum vorgegebenen Zeitpunkt gibt die zentrale Steuereinheit einen Funkimpuls an die entsprechende Schaltbox. Diese schaltet dann den Strom für das jeweils angeschlossene Gerät ein. Der Kunde hat aber auch jederzeit die Möglichkeit, die Automatik abzuschalten und wie gewohnt die Geräte manuell zu bedienen.
Um den Teilnehmern des Praxistests unmittelbar eine Rückmeldung über ihre Stromverbräuche geben zu können und eine Abrechnung auf Basis eines variablen Strompreises zu ermöglichen, ist ein intelligenter Zähler ("Smart Meter") Bestandteil des Systems. Für die verbrauchsscharfe Darstellung und Abrechnung wird der Stromverbrauch viertelstündlich ermittelt, angezeigt und monatlich in Rechnung gestellt. Der Zähler kann aus der Ferne vom Versorger automatisch abgelesen werden, sodass die Daten unverzüglich dem Kunden zur Verfügung gestellt werden können. Zusätzlich zeigt der Zähler Momentanwerte wie Spannung und Strom an und zeichnet diese in einem dafür vorgesehenen Register auf.
Weitere Informationen unter:
Der vollständige Gastbeitrag von Andreas Kießling, MVV Energie AG und Projektleiter Modellstadt Mannheim, findet sich auf Seite 35 in der Februar-Ausgabe des Behörden Spiegel.