|
|
Startseite
Leistungsorientierte Bezahlung (LOB) ist nicht totLeistungsorientierte Bezahlung (LOB) ist nicht tot – jedenfalls nicht bei denen, die seit Inkrafttreten des TVöD (2007) ausreichend Erfahrung mit diesem neuen Instrument gesammelt haben. Das belegen die Ergebnisse einer Befragung, die im Auftrag der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) von dem Institut für Strategie- und Organisationsentwicklung und dem Institut für Sozialforschung der PROSOZ GmbH durchgeführt wurde.
|
Kein Modernisierungsprojekt ist so umstritten wie LOB: Viel Aufwand, mangelnde Messbarkeit von Leistung ("das falsche Instrument für den Öffentlichen Dienst"), keine Motivation durch monetäre Anreize, Elitebonus, Widerstand bei Mitarbeitern und Personalräten etc. Verwunderlich ist das nicht: Seit dem neunzehnten Jahrhundert beherrscht das Alimentationsprinzip – ohne jeden Leistungsbezug – das Denken des Öffentlichen Dienstes. Die paar Beförderungsmöglichkeiten im Leben eines Verwaltungsmitarbeiters fallen als Motivationsfaktor dabei kaum ins Gewicht. So gering das Leistungsentgelt bei dem "1-Prozent-Topf" derzeit auch ausfallen mag, § 18 TVöD (Evaluation von Leistung Jahr für Jahr) verlangt einen Mentalitätswechsel um 180 Grad. Ein eklatanter Verstoß gegen den Grundsatz "das haben wir schon immer so gemacht", der die Gegnerschaft nicht nur bei vielen Arbeitnehmern, Gewerkschaftsfunktionären, Personalräten, sondern auch auf Seiten mancher Führungskräfte garantiert.
Weil LOB in der Wirklichkeit von Verwaltung vor Abschluss der TVöD kaum vorkam, reden viele Betroffene davon wie "der Blinde von der Farbe": Sie kennen dieses Instrument nur vom "Hörensagen" (Wirtschaft, Ausland etc.). Die Befragung der VKA soll die Diskussion versachlichen und auf die Erfahrung vor Ort stützen. Befragt wurden 38 Kommunalverwaltungen und kommunale Unternehmen, die bereits zwei volle Jahres-Zyklen LOB abgeschlossen haben (These: " Wer etwas über die Qualität eines Autos erfahren will, fragt nicht den, der nur die Prospekte gelesen hat, sondern den, der das Auto wirklich fährt"). Innerhalb dieser Institutionen wurden wiederum diejenigen befragt, die am besten mit dem System und dessen Wirkungen vertraut sind: Mitglieder der paritätisch besetzten Kommission gem. § 18 TVöD (i. d. R. drei Arbeitgeber- und drei Arbeitnehmervertreter mit der Aufgabe, das LOB-System konkret zu entwickeln und zu kontrollieren) und – wenn nicht bereits in der Kommission vertreten – Verwaltungs-/Unternehmenschefs und Vorsitzende der Arbeitnehmervertretung. Außerdem wurden viele statistische Daten über Teilhabe, eventuelle Diskriminierung, Einführungsprozess etc. abgefragt. Thema war: "Erreicht LOB die in § 18 TVöD genannten Ziele, wird LOB in den Belegschaften akzeptiert und welches sind die Erfolgsfaktoren für Leistungsverbesserung und Akzeptanz?"
|
|
Sind monetäre Anreize in der Lage, nachhaltig die Motivation von Mitarbeitern zu steigern?
(Foto: BS/Clemens Scheumann/ www.PIXELIO.de)
|
|

Dieser Artikel erschien in der Februar 2010 Ausgabe des Behörden Spiegel.
Der Behörden Spiegel im Abo |
|
Die Ergebnisse widerlegen viele Vorurteile: Elitesystem (im Durchschnitt erhalten 88 Prozent der Beschäftigten ein Leistungsentgelt, Teilhabe einerseits und Leistungsdifferenzierung andererseits werden erreicht, indem Differenzierung über unterschiedlich hohe Prämien praktiziert wird); Diskriminierung (zwischen Männern/Frauen, Alten/Jungen, Vollzeit-/Teilzeitbeschäftigten, Behinderten/Nichtbehinderten sind bei der Beteiligung an LOB keine signifikanten Unterschiede erkennbar); mangelnde Motivation durch monetäre Anreize (als Ursache für Leistungsverbesserung rangiert die derzeit geringe Prämie in der Tat auf Platz 13, aber bei den Erfolgsfaktoren für Akzeptanz von LOB durch die Mitarbeiterschaft nimmt die Möglichkeit, Leistungsträger zu belohnen, bereits Rang vier von 16 Nennungen ein). Überdies werden die immateriellen Anreize (Anerkennung, Kommunikation, Klarheit von Zielen und Aufgabeschwerpunkten, Delegation etc.), die untrennbar mit der Einführung von LOB verbunden sind, als Motivatoren sehr wirksam erlebt.
Was die Erfüllung der Ziele von § 18 TVöD betrifft, sind auch schon nach kurzen zwei Jahren LOB-Praxis deutliche Bewegungen in eine positive Richtung festzustellen. Nach Meinung der Befragten ( 82,9 Prozent) hat sich z. B. die Aufgabenerledigung insgesamt verbessert, bei der Wirtschaftlichkeit glauben das mehr als die Hälfte (52 Prozent), bei der Dienstleistungsqualität mehr als drei Viertel (77,3 Prozent), ebenso bei der Verbesserung der Führungskompetenz (79,4 Prozent). Die Befragten stellen zu 73,9 Prozent eine "teilweise" oder höhere Akzeptanz von LOB fest. Diejenigen, die keinerlei Verbesserungen der Verwaltungsleistung (17,1 Prozent) oder keinerlei Akzeptanz des Systems von LOB (4,1 Prozent) erkennen, sind bei allen Antworten in der Minderheit.
Zwar antworteten die Arbeitgebervertreter positiver als die Arbeitnehmervertreter. Dennoch sind auch bei den Arbeitnehmervertretern die positiven Antworten deutlich in der Mehrheit (Verbesserung der Aufgabenerledigung 72,9 Prozent; Verbesserung der Wirtschaftlichkeit 51,1 Prozent; Verbesserung der Dienstleistungsqualität 60,8 Prozent; Verbesserung der Führungskompetenz 67,6 Prozent; Akzeptanz von LOB 92,1 Prozent, dabei 60,5 Prozent mit den Antworten "teilweise", "ziemlich" und "sehr").
|
Das Ergebnis muss den Kritikern von LOB zu denken geben. An der Basis scheint sich LOB zu einem wirksamen Führungsinstrument zu entwickeln, das auch von den Mitarbeitern akzeptiert und sogar – wenn es nur richtig angewandt wird – gewünscht wird. Es steht nicht nur die Chance einer höheren Verwaltungseffizienz und damit der Erhalt vieler Arbeitsplätze, sondern auch die Erfüllung von Grundbedürfnissen der Beschäftigten (zielorientierte, erfolgreiche Arbeit, gute Führung, Anerkennung, Entgeltgerechtigkeit etc.) und damit deren Hoffnung auf eine zufriedenstellende Arbeitswelt auf dem Spiel.
Von Prof. Dr. Bernd Adamaschek (Honorarprofessor für Verwaltungsmanagement an der FH Osnabrück und Leiter des Instituts für Strategie- und Organisationsentwicklung. U. a. berät er öffentliche Verwaltungen bei der Einführung von LOB.)
Mehr auf Behörden Spiegel Online:

|
|  |
|
|  |
|
|