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Gehts ohne Atomkraft?

Bei der innerdeutschen Auseinandersetzung um die Frage, wann die Atomkraft denn abgeschaltet werden sollte, ob kurzfristig, mittelfristig oder langfristig, geht es mehr als nur um Nuancen. Ohne Atomkraft geht es ja derzeit ohnehin nicht, denn die Grundlast für die Stromproduktion beruht maßgeblich auf der Last auch der deutschen Atomkraftwerke und eben nicht nur dieser. (08.03.2010)
 
Längst wird aus Frankreich große Mengen Atomstrom importiert. Nicht nur um einer neuen Atomkraft-Debatte entgegenzutreten, hat Bundesumweltminister Norbert Röttgen eine äußerst populäre Wende vollzogen, nämlich die Formulierung von der bald endenden "Brückenfunktion" dieser Technologie. Ob dies nur populär sein soll oder gar ein Zeichen für eine Annäherung an die Grünen, um politischen Ballast für eine eventuelle schwarz-grüne Koalition in Nordrhein-Westfalen aus dem Weg zu räumen, bleibt dahingestellt. Tatsache ist, dass Atomkraftwerke auf längere Sicht zur Grundlast des Stromverbrauches beitragen werden müssen. Ob diese dann in Deutschland, Tschechien, Österreich oder Frankreich stehen, ist dem kritischen Verbraucher egal. Es fehlt an politischer Führung, denn neben aller jüngeren Pannen, die ja teilweise auch durch Aufsichtskontrollverluste herbeigeführt wurden, gilt nach wie vor, dass deutsche Atomkraftwerke sicherer als manch andere im Ausland sind.

Völlig illusionär dabei ist die Annahme, dass in den nächsten zehn oder 20 Jahren alternative Energien Atomkraft als Stromerzeuger völlig ersetzen könnten.

Es ist ja gerade die CO2-Diskussion, die dazu beiträgt weltweit zumindest Atomkraft wieder in den Mittelpunkt zu rücken. 60 Länder haben derzeit Interesse geäußert, neue Atomkraftwerke zu bauen. Auch die USA, die nach dem Vorfall in Harrisburg keine neuen Atomkraftwerke in Betrieb genommen haben, planen neue. Der Weltnuklearverband hat nun bekanntgegeben, dass bis zum Jahre 2030 weltweit mehr als 450 Atomkraftwerke neu errichtet werden würden. Dies ist ein Markt von mehreren Hundert Milliarden Euro. Dazu gehören auch Staaten wie Lybien und Syrien, also Länder die außenpolitisch als kritisch betrachtet werden.

  Kernkraftwerk (Foto: BS/H.-G. Oed/BMU)

Kernkraftwerk

(Foto: BS/H.-G. Oed/BMU)

Frankreich, das bisher ungebrochen auf den Ausbau von Atomenergie setzt, hat heute und morgen zu einer internationalen Konferenz zur Kernkraftnutzung eingeladen. Dabei soll es nicht nur um Technologie gehen, sondern auch um die Frage, welche Gesetzgebung, aufsichtsbehördlichen Funktionen und um welche Ausbildungsprogramme für Ingenieure sowie um Finanzierungspläne es in den Ländern gehen muss, die bisher mit der Atomkraft noch keine Erfahrung hatten. Frankreich bezieht fast 80 Prozent seines Strombedarfs aus Atomkraftwerken und liefert auch ins Ausland. Derzeit werden 58 Reaktoren dort betrieben. Der neue Europäische Druckwasserreaktor (EPR) gilt nicht nur in Frankreich selbst, sondern auch für den Export als zukunftsweisend. Der Siemens-Konzern hat diesen Reaktor mit entwickelt.

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