http://www.behoerdenspiegel.de
Anzeige
 

"Öffentlicher Dienst kann auch Spaß machen"

Großer Bahnhof gestern in Köln zur Verabschiedung des bereits Ende letzten Monats ausgeschiedenen Präsidenten einer der größten Bundesbehörden, des Bundesverwaltungsamtes, Dr. Jürgen Hensen. Gleichzeitig führte der Bundesminister des Inneren, Dr. Thomas de Maizière, dessen Nachfolger Christoph Verenkotte ins Amt ein. Der Amtsübergabe kam auch deswegen eine große Bedeutung zu, weil in den letzten Jahren das BVA zum "zentralen Dienstleister der Bundesverwaltung", so de Maizière geworden ist. Diese Entwicklung soll besonders im IT-Bereich noch weiter an Konturen gewinnen. (11.03.2010)
 
Der Amtsübergabe kam auch deswegen eine große Bedeutung zu, weil in den letzten Jahren das BVA zum "zentralen Dienstleister der Bundesverwaltung", so de Maizière geworden ist. Diese Entwicklung soll besonders im IT-Bereich noch weiter an Konturen gewinnen.

15 Jahre lang war Hensen Präsident des BVA. Der promovierte Jurist startete seine beamtete Karriere im Forschungsministerium, war dann persönlicher Referent des Chefs im Bundeskanzleramt, Leiter des Ministerbüros von Schäuble in dessen erster Zeit als Bundesinnenminister, wechselte in die Abteilungen O, Aufbau Ost, um dann nach Köln zu gehen. Das BVA konnte unter seiner Leitung zahlreiche Querschnittsaufgaben aus anderen Behörden des Innenressorts, aber auch aus anderen Ministerien, sogar aus Kommunen bündeln. Herausragend hierbei sicherlich die Abwicklung des BAföG, die Schadensabwicklung nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl sowie die Integration der Aussiedler. Drei Meilensteine kennzeichnen die jüngste Entwicklung des Amtes zu einem zentralen Dienstleister unter Dr. Hensen: 1998 wurde das Dienstleistungszentrum als Kern der Erledigung von Querschnittsaufgaben für andere gegründet. Es beschäftigt sich mit der Bearbeitung von Bezügen, Reisekosten, Beihilfe und anderen Standardvorgängen. 2002 wurde die Bundesstelle für Informationstechnik gegründet, die mittlerweile der zentrale IT-Ansprechpartner der Verwaltung des Bundes geworden ist und deutlich in dieser Funktion ausgebaut werden soll. Hinzugekommen ist das Verwaltungszentrum, das Tausende von Bewerbungen auf offene Stellen des Bundes für andere Behörden auswertet, das mit seinem Arbeitszeitmanagement ein erfolgreiches Produkt behördenintern platziert hat, das von 21.000 Mitarbeitern genutzt wird. "Erfolg kann man dann messen, wenn Behörden Aufgaben abgeben und gleichzeitig dadurch in der Lage sind sich auf ihre Kernaufgaben besser zu konzentrieren", so der Minister gestern Abend in Köln.

Die launig wie pointiert gehaltene Rede de Maizières umschiffte auch nicht das noch am Vortag auf der Behördenleitertagung im Innenministerium debattierte Thema der "geteilten Verantwortung", die in den letzten Wochen im Zusammenhang mit der Zentralisierung der IT-Komponenten des nachgeordneten Bereichs eben beim Bundesverwaltungsamt bzw. beim BIT geführt wurde. "Eine knifflige Frage", so de Maizière auf der Feierstunde in der Domstadt. Der Minister weiter: "Dienstleistungszentrum besteht aus drei gleichwertigen Buchstaben, nämlich Dienst, Leistung, Zentral!" Wie aus Teilnehmerkreisen der Behördenleitertagung zu erfahren war, hat der Bundesinnenminister die klare Erwartung geäußert bis Juni ein fertiges Konzept zur Verlagerung der allgemeinen IT- und Rechenkapazitäten bzw. Rechenzentren des nachgeordneten Innenbereiches auf den IT-Dienstleister Bundesverwaltungsamt/BIT vorgelegt zu bekommen.

  Viel Lob und gute Laune gab es gestern in Köln: Dr. Jürgen Hensen, Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Christoph Verenkotte bei der Amtsübergabe. (Foto: BS/BB)

Viel Lob und gute Laune gab es gestern in Köln: Dr. Jürgen Hensen, Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Christoph Verenkotte bei der Amtsübergabe.

Auch der Behörden Spiegel gratulierte gestern dem neuen BVA-Präsidenten Christoph Verenkotte (hier mit Behörden Spiegel-Chefredakteur R. Uwe Proll).

Auch der Behörden Spiegel gratulierte gestern dem neuen BVA-Präsidenten Christoph Verenkotte (hier mit Behörden Spiegel-Chefredakteur R. Uwe Proll).

(Foto: BS/BB)

 

Nach diesem Konzept werden dann wohl die meisten IT-Mitarbeiter auch der großen Ämter wie des BKA und des BAMF die Behörden wechseln und zum Bundesverwaltungsamt zugeordnet sein. Es hatte hierzu durchaus leidenschaftliche Kontroversen gegeben, da einige Präsidenten befürchteten durch Abgabe ihrer Rechenzentren die durch diese erbrachte Unterstützung für die Erledigung ihrer Kernaufgaben nicht mehr in dem gewünschten Umfange zu erfahren. Doch hier hat der Minister vorgestern auf der Behördenleitertagung in Berlin klar gesagt, dass die Verantwortung für die fachliche Erledigung von Aufgaben durch die IT bei der jeweiligen Fachbehörde verbleiben muss. Also soll auch hier dann die Entscheidung über Quantität, Priorität und gegebenenfalls auch Qualität der Erledigung der IT-Rechenleistung durch den Dienstleister getroffen werden. Die Behördenleitertagung hat somit klare Linien vorgegeben, die Erwartungshaltung des Ministers formuliert und eben einen Tag vor Amtsübergabe beim BVA dieser Behörde ihre zentrale Rolle bestätigt.

Christoph Verenkotte, der schon einmal als Referats- und später als Abteilungsleiter im BVA tätig war, kennt das Amt daher genau. Er leitete vier Jahre lang die Abteilung 8 mit 700 Mitarbeitern, war dann im Bundesinnenministerium seit Ende der 80er Jahre u.a. in der Polizeiabteilung tätig. Organisierte Kriminalität und Rauschgift waren Themen, die er auch international im Rahmen von Abkommen behandelte. Im Umfeld der politischen Leitung des Ministeriums sammelte er die notwendigen Erfahrungen sowohl mit der parlamentarischen Kontrolle wie auch im diplomatischen Umgang schwieriger innenpolitischer Themen. "Das BVA steht gut da!", so der Minister, der damit klarer seinen Auftrag an "den Neuen" nicht formulieren konnte, nämlich die qualitativ positive Entwicklung des Bundesverwaltungsamtes weiter voranzutreiben.

Deutlich nahm der Minister auch im Zusammenhang der Vorstellung des neuen Präsidenten Verenkotte, der dieses Amt bereits seit dem 1. März ausübt, zur Zukunft der Zentralfunktion des Amtes Stellung: "Die Bündelung von Verwaltungsaufgaben, ohne die Kompetenz der Fachbehörden dabei zu beschneiden, ist unter Hilfenahme der IT die zukünftige Aufgabe des BVA".

Reichlich Lob also für das Bundesverwaltungsamt und insbesondere seine Führungsspitze, gab es dann auch noch obendrein von Oberbürgermeister Jürgen Roters, dem Vorsitzenden des Gesamtpersonalrates des Bundesverwaltungsamtes, Christoph Hagemann, sowie dem Präsidenten des Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Verwaltung e.V., Dr. Winfried Materna. De Maizière lobte besonders Dr. Hensen und seinen bereits ausgeschiedenen Vizepräsidenten Giso Schütz als die Ideengeber für die Modernisierung der Bundesverwaltung. Tosenden Applaus erhielt der Minister dann für folgenden Satz: "Für wichtige Ideen braucht man nicht immer externe Berater, besonders wenn es sich um ehemalige Mitarbeiter von Ministerien handelt, die dann zu anderen Tagessätzen antreten."

- Anzeigen -

Banner HUK

Banner DBV

Anzeigen

 
Partner
Logo der ICT AG