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Gastbeitrag

Der Organisationsbereich CIR: "Pooling and Sharing"

Generalleutnant Ludwig Leinhos, Inspekteur Cyber- und Informationsraum (CIR) der Bundeswehr (Foto: Bundeswehr)
Generalleutnant Ludwig Leinhos, Inspekteur Cyber- und Informationsraum (CIR) der Bundeswehr (Foto: Bundeswehr)
Der Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum (CIR) der Bundeswehr bündelt vorhandene Fachexpertise und sucht den Austausch mit der nationalen und internationalen IT-Community. Die Digitalisierung hat die Welt grundlegend verändert. Staat, Wirtschaft und Gesellschaft profitieren zunehmend von der Vernetzung. Zugleich sind wir damit aber gegen Angriffe im Cyber- und Informationsraum verwundbarer geworden. Cyber-Angriffe auf Staaten und deren kritische Infrastrukturen sind schon lange keine Fiktion mehr, sondern Realität.(25.10.2017)

Angriffe kommen täglich, sind automatisiert oder hoch differenziert und maßgeschneidert. Die technische Weiterentwicklung von einfachen Viren hin zu komplexen, schwer erkennbaren Attacken stellt einen Qualitätssprung in der Bedrohungslage dar. Genauso vielfältig sind potentielle Tätergruppen und deren Motive. Und: Sie machen keinen Halt vor Ländergrenzen. Der Ausbau von Cyber-Fähigkeiten ist daher ein essentieller Beitrag zur gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge – national wie auch international.

Die Bundeswehr hat auf diese Entwicklungen reagiert und sich neu aufgestellt. Bereits existierende Einheiten mit entsprechender Expertise wurden in einem neuen, sechsten militärischen Organisationsbereich gebündelt: dem Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr. Im Rahmen dieser Strukturen bauen wir vorhandenes Know-how und Fachexpertise weiter aus, u.a. etablieren wir im Kommando CIR ein eigenes Lagezentrum für die Dimension CIR. Hier werden unter Nutzung modernster Technologien Erkenntnisse bereits bestehender Teillagen korreliert und dadurch Mehrwerte generiert. Das hieraus entstehende Lagebild stellen wir – bedarfsgerecht aufbereitet – Nutzern in der Bundeswehr, aber auch anderen Behörden zur Verfügung. Darüber hinaus werden wir das Zentrum Cyber-Sicherheit der Bundeswehr weiter stärken, 2018 das Zentrum Cyber-Operationen und 2019 das Zentrum Softwarekompetenz der Bundeswehr zusätzlich aufstellen.

Neu ist bei der Ausgestaltung des Organisationsbereichs CIR, dass wir nicht nur das Thema "Cyber-Sicherheit", sondern den gesamten, übergeordneten Komplex der Informationssicherheit betrachten und abdecken. Cyber-Sicherheit beinhaltet lediglich alle Aspekte der technischen und organisatorischen Datensicherheit in vernetzten Systemen. Informationssicherheit umfasst darüber hinaus auch andere Bestandteile des Daten- und Geheimschutzes, wie zum Beispiel die Nicht-Verkettbarkeit von personenbezogenen Daten. Unser Ziel ist es, den Cyber- und Informationsraum aus einer Hand heraus zu denken und kompetenter Ansprechpartner für alle anderen Bereiche sowohl innerhalb als auch außerhalb der Bundeswehr zu sein. Im nationalen Rahmen arbeiten angesichts der steigenden Bedrohungen im Cyber-Raum inzwischen die zuständigen Bundesbehörden eng zusammen. Bereits 2011 wurde unter Federführung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ein erstes Forum für die Zusammenarbeit staatlicher Stellen im Cyber- und Informationsraum geschaffen: das Nationale Cyber-Abwehrzentrum. Dieses soll künftig weiterentwickelt werden und muss aus unserer Sicht einen operationellen Charakter bekommen.

In einem Feld ohne Grenzen ist auch eine enge Zusammenarbeit auf internationaler Ebene mit staatlichen, aber auch mit nicht-staatlichen Akteuren und Entscheidungsträgern von hoher Bedeutung. Wir werden die Kooperationen und den Austausch mit Wirtschaftsunternehmen und Industrieverbänden suchen, aus "Best Practices" lernen und diese möglichst in unsere Prozesse adaptieren. Denn gerade die notwendige Beschleunigung von Planungs- und Umsetzungsprozessen in staatlichen Gebilden stellt im schnelllebigen Cyber- und Informationsraum eine große Herausforderung dar. Wir müssen hier neue Wege gehen und unkonventionelle Vorgehensweisen erschließen, um in einer digitalisierten Welt entsprechend agieren zu können. Ein Ansatz hierfür ist der "Cyber-Innovation-Hub", den wir in Berlin aufbauen. Dieses Team sucht regelmäßig den Dialog mit Start-Ups sowie mit Protagonisten aus Wirtschaft und Industrie. Die Bundeswehr geht aktiv auf junge und auch internationale Unternehmen zu, um neue, disruptive Technologien zu finden und so als Vorreiter zu agieren, wenn Lösungen und Überlegungen für die Bundeswehr interessant erscheinen. Immer mit dem Ziel, Deutschland im Cyber- und Informationsraum bestmöglich zu verteidigen!

General Leinhos leitet das Panel B5 "Cyber Security – how to build up a resilient European cyber and information domain?" auf der Berliner Sicherheitskonferenz, die am 28./29. November 2017 stattfindet.

      Mehr Informationen unter www.euro-defence.eu

Gastbeitrag von Generalleutnant Ludwig Leinhos, Inspekteur Cyber- und Informationsraum (CIR) der Bundeswehr


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