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E-Government

Wann kommt der Aufschwung?

Zukunftsbild "Digitales Bürgerkonto" aus den aktuellen e-GovernmentMONITOR. (Grafik/InitiativeD21/cc y 2.0/www.flickr.com)
Zukunftsbild "Digitales Bürgerkonto" aus den aktuellen e-GovernmentMONITOR. (Grafik/InitiativeD21/cc y 2.0/www.flickr.com)
Wenn man auf die Nutzer abstellt, durchläuft das deutsche E-Government derzeit eine Talsohle. Während der Wachstumstrend der E-Government-Nutzung in Österreich, der Schweiz und Schweden anhält, nehmen die Nutzungszahlen in Deutschland leicht ab. Dies zeigen die Ergebnisse des aktuellen “eGovernment MONITOR”, den die Initiative D21 e.V. und ipima Ende Juli veröffentlicht haben. (06.08.2015)

Die Studie liefert seit 2010 jährlich ein umfassendes Bild über die Nutzung und Akzeptanz von E-Government-Angeboten in Deutschland und vergleicht diese international mit Österreich, der Schweiz und Schweden.

Der Schwerpunkt der Studie liegt in diesem Jahr auf den Erwartungen, die die Bevölkerung an spezifische Online-Bürgerdienste stellt. Der beliebteste Bürgerdienst ist in Deutschland und Österreich die Fahrplanauskunft für den öffentlichen Nahverkehr, gefolgt von Informationen zu Öffnungszeiten und Kontaktdaten. Dorthin gelangen 57 Prozent der Nutzer über Suchmaschinen wie Google.

Die mit Abstand größte Nutzungsbarriere ist in allen vier Befragungsländern die fehlende Bekanntheit vieler Online-Angebote. Die tägliche Nutzung von integrierten und zunehmend individualisierten digitalen Serviceleistungen ist aus der Lebenswelt der meisten Bürger nicht weg zu denken. Eine einfache Bedienbarkeit und medienbruchfreie Angebote erwarten die Bürger auch von den Online-Bürgerdiensten einer modernen Verwaltung. 58 Prozent der Befragten in Deutschland möchten Dienste des digitalen Bürgerkontos gebündelt aus einer Hand erhalten und so wenig Aufwand wie möglich für das Ausfüllen von Formularen verwenden.

“Die Ergebnisse des eGovernment MONITOR 2015 können keinen Verantwortlichen im deutschen E-Government zufrieden stellen. Die Befragten der Studie zeigen deutlich auf, wo wir uns hinbewegen müssen. Wir brauchen eine bessere Auffindbarkeit der Angebote, mehr Transparenz in Sachen Datenschutz und Datensicherheit sowie mehr durchgehend elektronische Verwaltungsdienstleistungen. Mit dem Bundesprogramm Digitale Verwaltung 2020 leistet die Bundesregierung hierfür ihren Beitrag”, erklärte Cornelia Rogall-Grothe, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern und Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik, anlässlich der Vorstellung der Studie. 

Prof. Dr. Helmut Krcmar vom Institute for Public Information Management (ipima) an der Technischen Universität München ist wichtig: “E-Government in Deutschland muss als positiv besetzte Marke gestärkt und mit Kontinuität gepflegt werden. Die ständige Einführung neuer Begriffe ist dabei mehr schädlich als nützlich. Online-Transaktionen müssen einen sichtbaren Vorteil gegenüber der Papierversion bieten und mit einer gezielten und abgestimmten Kommunikation eingeführt werden. Die Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen den verschiedenen Akteuren des E-Government auf Bundes- und Länderebene ist dringend geboten, um die Unsicherheit und Skepsis hinsichtlich des Online-Angebots der Verwaltung in eine positive Erwartungshaltung zu wenden.”

Laut Catrin Hinkel, Geschäftsführerin des Bereichs Öffentliche Verwaltung und Gesundheitswesen bei Accenture, zeigt der eGovernment-MONITOR 2015 eine besorgniserregende Entwicklung auf. “Ein Rückgang der E-Government Nutzung im Vergleich zum Vorjahr zeigt, dass Deutschland den Anschluss verpasst und im internationalen Vergleich ins Hintertreffen zu geraten droht. Als moderne Industrienation muss Deutschland Spitzenreiter bei der Digitalisierung sein. Dazu gehören digitale Services der öffentlichen Verwaltung auf einem Spitzenniveau. Eine im Juni veröffentlichte Studie von Accenture zeigte bereits, dass 77 Prozent der Deutschen unzufrieden mit dem derzeitigen Angebot an digitalen Verwaltungsservices sind”, so Hinkel.

Nach Ansicht des Bitkom räche sich jetzt, dass nach der Einführung des neuen elektronischen Personalausweises nie ausreichend für dessen Möglichkeiten geworben wurde. Durch die sichere Identifikation mit dem Ausweis ließen sich viele Behördengänge auch online von zu Hause aus abwickeln. “Hinzu kommt, dass noch viel zu oft gesetzliche Bestimmungen dem E-Government entgegenstehen, indem zum Beispiel ein unterschriebenes Formular oder persönliches Erscheinen verlangt wird”, so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Deshalb sei es nicht verwunderlich, dass der Anteil der Deutschen, die digitale Bürgerdienste nutzen, seit Jahren stagniere und jetzt sogar rückläufig ist. Dem aktuellen eGovernment-MONITOR 2015 zufolge, verwenden gerade einmal 39 Prozent der deutschen Internet-Nutzer E-Government-Angebote. Vor einem Jahr waren es noch 45 Prozent. Nach Angaben der EU-Statistikbehörde Eurostat liegt der Anteil in anderen europäischen Ländern deutlich darüber, etwa in Dänemark (2013: 85 Prozent), den Niederlanden (79 Prozent) und Schweden (78 Prozent).

Geschäftsidee aus Verwaltungsdefiziten

In Berlin hat ein Start-up aus den Defiziten bei den Online-Verwaltungsdienstleistungen  bereits eine Geschäftsidee gemacht. Wer sich aktuell in Berlin ummelden möchte und dazu online einen Termin machen will, hat ein Problem: Frühestens am 24. September hat jemand auf einem Bürgeramt Zeit für ihn – obwohl die Ummeldung gesetzlich binnen zwei Wochen vorgeschrieben ist.

Das Start-up sucht automatisiert auf der Website der Bürgerämter nach kurzfristig freiwerdenden Terminen und vermittelt diese an seine Kunden – gegen eine Gebühr.

Der eGovernmentMONITOR 2015 steht unter www.initiatived21.de zum Download zur Verfügung.

lkm/gg




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