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Polizeiarbeit in der Informationsgesellschaft

Diskutierten über Polizeiarbeit in der Informationsgesellschaft: Simon Müller, Dr. Barbara Holtz, Dr. Jörg Kattein, Jens Naujeck, Karin Patenge, Carsten Schmidt, Moritz Aly und Nico Kaptein. (Foto. Behörden Spiegel/Dombrowsky)
Diskutierten über Polizeiarbeit in der Informationsgesellschaft: Simon Müller, Dr. Barbara Holtz, Dr. Jörg Kattein, Jens Naujeck, Karin Patenge, Carsten Schmidt, Moritz Aly und Nico Kaptein. (Foto. Behörden Spiegel/Dombrowsky)
"Noch vor fünf bis zehn Jahren war Informationssammlung der Kern der Polizeiarbeit", erzählte Simon Müller, vom Bundeskriminalamt. "Heute aber, haben wir sehr viele Informationen und der Umgang mit ihnen steht häufig im Fokus." Müller moderierte ein Panel zu polizeilichen Datenbanken auf dem Europäischen Polizeikongress, in dem viele gute Beispiele vom Umgang mit massenhaften Informationen gegeben wurden. (14.02.2012)

Eines dieser Beispiele ist die neue Anwendung IDA, Inhaltliche Datenträgerauswertung, die das BKA in Eigenregie entwickelt hat. Moritz Aly, IDA-Produktmanager vom BKA, stellte das neue Tool vor, mit dem große Datenmengen ausgewertet werden können. Von 2007 bis 2009 haben sich die Datenmengen jährlich verdoppelt, ab 2010 dann stieg das Aufkommen explosionsartig. "Am 06.02.2012 haben wir schon die Hälfte der Datenmenge erreicht wie im ganzen Jahr 2011", erläuterte der Polizeibeamte ohne eine genaue Mengenangabe zu machen. "Im Grunde geht es einfach darum, relevante von irrelevanten Daten zu trennen", erläutert Aly. Bei einem aktuellen Fall, seien gerade einmal 0,5 Prozent der Daten für das Verfahren relevant gewesen, erläuterte Aly. "Das heißt eben auch: 99,5 Prozent der Dateien, und das sind auch mal rund eine Million Textdateien, sind nicht relevant." IDA helfe nun dabei, die Daten auszuwerten, indem es beispielsweise Dupletten findet, die Dateien kategorisiert, Sprachen erkennt, Statistiken erhebt und vieles mehr."

Wenn die Daten einmal gesichtet und nach nützlichen Informationen gefiltert wurden, können die Analyse- und Visualisierungswerkzeuge von i2 weiterhelfen. Dr. Barbara Holtz stellte die Lösung vor, die Verbindungen, Muster und Trends in komplexen Datensätzen erkennen kann. In einer Fallstudie bei der Hertfordshire Police, einem County am Rande von London, konnte so die Effizienz und die Aufklärungsrate verbessert werden, erläuterte Dr. Holtz. i2 wurde im Sommer 2011 von IBM gekauft, die Akquisition wurde im Oktober beendet, eine Integration des Unternehmens in den Computergiganten IBM steht kurz bevor. "Wir sehen darin eine Stärke, weil sich i2 zukünftig noch weiter auf seine Stärken besinnen kann, während das drum herum von IBM gestellt wird", erläuterte Holtz.

Mit der Visualisierung von Daten beschäftigt sich auch das Unternehmen g.on experience. Carsten Schmidt demonstrierte am Beispiel von Berlin, wie Daten mit Geoinformationen auf einer entsprechenden Karten dargestellt werden können. So kann man sich die Deliktart straßengetreu anzeigen lassen, kann geografische Schwerpunkte identifizieren und auch weitere Informationen darüberlegen wie beispielsweise Arbeitslosigkeit und Ausländeranteil. "Auch eine mobile App ist in Planung und wird auf der Cebit vorgestellt. Dann können Delikte gleich mit GPS-Daten hochgeladen werden", erläuterte Schmidt.

Wie wichtig die Zusammenarbeit unterschiedlicher Polizeibehörden ist, zeigte sich an der "Zwickauer Zelle". "Viele Informationen waren vorhanden, aber eben nicht zusammengeführt", sagte Dr. Jörg Kattein, Geschäftsführer von rola Security Solutions. Katteins Unternehmen entwickelt Schnittstellen um die Interoperabilität von Polizeien zu gewährleisten. Gerade neu entwickelt ist die IMP-Schnittstelle, "die werden wir in zwei Monaten vorführen", erläuterte Kattein.

Auch die EU legt immer mal wieder Programme zur Verbesserung des Datenaustausches zwischen den Mitgliedstaaten auf. Eines davon erläuterte Nico Kaptein von Capgemini aus den Niederlanden. Das Projekt mit dem Namen Composite soll erkunden, welche gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und technologischen Veränderungsprozesse auf Polizeien in zehn europäischen Ländern einwirken und wie diese darauf reagieren. Das Projekt ist auf vier Jahre angelegt. "In einem ersten Schritt wollen wir Trends analysieren, dann Workshops mit Best Practice Beispielen durchführen um dann Erfolgsfaktoren für einen kulturellen und strukturellen Wandel zu identifizieren", erläuterte Kaptein. Bereits herausgearbeitete Trends im IT-Bereich seien u.a. die Integration von unterschiedlichen Systemen, die steigende Mobilität, digitale Biometrie und Social Media.

Datenbanken sind ein zentraler Erfolgsfaktor von Interpol. Jens Naujeck arbeitet im Büro des Sonderbeauftragten von Interpol bei der EU und erläuterte die Arbeitsweise der internationalen Organisation. Datenbanken hält Interpol u.a. für die Personenfahndung vor, zur Bekämpfung von Kinderpornographie, Kraftfahrzeug- und Kunstgegenständediebstahl und zu gestohlenen und verlorenen Reisedokumenten. Die letztgenannte Datenbank sei eine "Erfolgsgeschichte", so Naujeck. Mittlerweile umfasst sie 31 Millionen Datensätze mit 700 Millionen Abfragen im Jahr und 47.000 Treffern.




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