Demographie und Bürgerengagement
Zwölf Millionen Bürger weniger werden 2050 in Deutschland leben. Warum und wie freiwilliges Bürgerengagement die Probleme des demographischen Wandels zumindest mildern kann, zeigt eine neue Studie des Berlin-Instituts. (18.03.2011)
|
|
Veröffentlichung der Studie zur „demographischen Lage der Nation“:
(v.l.) Dr. Reiner Klingholz (Direktor Berlin-Institut), Dr. Steffen Kröhnert (Berlin-Institut), Loring Sittler (Leiter Generali Zukunftsfonds).
(Foto: BS/Köppl)
|
Etwa die Hälfte aller 413 deutschen Kreise verliert bereits an Bevölkerung, die Infrastruktur im ländlichen Raum verändert sich. Nicht nur die gestiegene Zahl hilfebedürftiger und älterer Menschen, sondern auch gestiegene Qualitätserwartungen stellen die öffentliche Hand vor schwierige Aufgaben. Freiwilliges Engagement der Bürger könnte hier helfen, die entstandenen Versorgungslücken zu schließen, resümiert die "Studie zur demographischen Lage der Nation".
Allerdings stagniert dem Berlin-Institut zufolge der Anteil an Freiwilligen in der Bundesrepublik seit zehn Jahren: Ein gutes Drittel aller Bürger engagiert sich ehrenamtlich, davon lediglich elf Prozent für ältere Menschen. Gerade mit dem Älterwerden der sogenannten Babyboomer-Generation in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren tue sich aber großes Potential auf. Immer mehr gut ausgebildete, gesunde und aktive Menschen würden in den kommenden Jahren in Rente gehen. Für deren Engagement müssten aber bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden, heißt es in der vom Generali Zukunftsfonds geförderten Studie.
In den untersuchten demographischen Problemregionen, darunter die Landkreise Wunsiedel und Holzminden sowie die Stadt Ludwigshafen, gibt es zwar zahlreiche gemeinnützige Projekte, diese sind aber häufig von befristeten Förderungsprogrammen abhängig. Nach deren Auslaufen sei eine Weiterführung häufig unsicher. Auch an einer übergreifenden Koordinierung der einzelnen Programme fehle es häufig.
Das Berlin-Institut schlägt daher die Einrichtung einer Stiftung für den besonders vom demographischen Wandel betroffenen ländlichen Raum vor, die geringe Hürden für ein dauerhaftes Engagement schafft. Zusätzlich soll der gemeinnützige Sektor transparenter gestaltet werden. Eine klare Offenlegung der Einnahmen und Ausgaben steuerbegünstigter Organisationen müsse u. a. sicherstellen, dass Freiwillige nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht würden.
Die vollständige Studie ist abrufbar unter http://www.berlin-institut.org
|