Konjunkturlage nutzen, Fachkräftemangel begegnen
"Es geht nicht darum, ob wir sie wollen, sondern ob sie zu uns kommen wollen": Ein Baustein der Begegnung des Fachkräftemangels in Deutschland liege darin, gut ausgebildetes Personal für die Bundesrepublik zu werben. (Foto: BS/Dombrowsky)
|
Um dem prognostizierten Fachkräftemangel zu begegnen, müsse schnell gehandelt werden, erklärte Gerd Hoofe, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Vor allem sei es notwendig, das Potenzial älterer Menschen, bislang nicht erwerbstätiger Frauen und der Migranten in Deutschland zu nutzen. Zudem brauche man die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte. (30.08.2011)
In Hinblick auf den Demographie-Bericht, den das Bundesinnenministerium federführend für die Bundesregierung erarbeitet, sagte Hoofe: "Wir sollten uns sputen und nicht bis zum Ende des Jahres warten. Es ist nicht so, dass wir noch neue Erkenntnisgewinne nutzen müssen, das meiste ist klar erfasst."
Demnach schrumpfe das Angebot an Arbeitskräften bereits heute, der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften vergrößere sich: "43 Prozent der Unternehmen erwarten Probleme bei der künftigen Fachkräftesuche." Zwischen 2008 und 2025 werde das Arbeitskräfteangebot in Deutschland um 6,7 Millionen sinken, bis 2050 sogar um insgesamt zwölf Millionen. Auch bei einer geregelten Zuwanderung von 200.000 Menschen pro Jahr würde das prognostizierte Defizit 2050 noch bei mehr als acht Millionen liegen. Auch im Öffentlichen Dienst sei ein Fachkräftemangel bereits zu spüren. "Selbst wenn alle Instrumente greifen, bleibt eine Lücke", erklärte Hoofe.
Gelegenheitsfenster nutzen
Bei der Frage, wer die Arbeit von morgen mache, gehe es nicht nur um die Bereitstellung harter Fakten: Wegen des tiefgreifenden Umbruchs in unserer Arbeitswelt, komme es darauf an, jetzt vorzusorgen, nicht zu verschlafen und hinterher zu laufen. Gerade die derzeit gute Konjunkturlage und die positiven Arbeitsmarktzahlen seien gute Voraussetzungen, um das Thema konsequent vorzubereiten. "Es reicht nicht aus, die Zukunft vorauszusagen", so Hoofe.
Um das inländische Potenzial zu aktivieren, müssten mehrere Hebel gleichzeitig umgelegt werden. "Die Aktivierung der älteren Menschen in unserem Land ist besonders wichtig", so Hoofe. Diese Gruppe stelle die größtmögliche Gruppe, die zu mobilisieren sei. "Das am schnellsten zu mobilisierende Potenzial liegt bei den Frauen, insbesondere bei Frauen mit Kindern." Trotz Fortschritten, sei man nicht nur bei der Quote der vollerwerbstätigen Frauen Schlusslicht in Europa. Auch liege man bei der durchschnittlichen Stundenzahl der weiblichen Teilzeitbeschäftigten mit rund 18,5 Stunden hinten.
Eine Million Mütter aktivieren
"Wenn in der Bundesrepublik ähnlich wie ín Dänemark nicht 69 Prozent, sondern 77 Prozent der Frauen arbeiteten, stünden 400.000 bis 900.000 Vollzeitäquivalente mehr zur Verfügung. Weitere 600.000 Vollzeitäquivalente könnte man dazu gewinnen, wenn die Teilzeitquote auf das dänische Niveau stiege. "Es geht um mehr als eine Million mehrheitlich gut qualifizierte Mütter", sagte Hoofe.
Darüber hinaus gelte es, die immer noch große Gruppe Jugendlicher ohne Bildungsabschluss zu verkleinern: "Ein Armutszeugnis für ein Industrieland wie Deutschland." Die Anstrengungen sowohl bei Bund als auch bei den Ländern seien dafür noch nicht ausreichend, Herausforderungen bestünden vor allem im Bereich qualifizierter Betreuungsangebote sowie in Qualifizierungsmaßnahmen von Arbeitslosen.
Bildungsabschlüsse anerkennen
Zur Aktivierung aller inländischen Potenziale gehöre es, die in Deutschland lebenden Einwanderer besser zu integrieren. "Viele Zugewanderte in anderen Ländern haben bereits gute Bildungsabschlüsse erworben, die hier aber nicht anerkannt werden." Von einer besseren Anerkennung könnten insgesamt 300.000 gut qualifizierte Migranten profitieren. Weil dies nicht reichen werde, gehe es künftig darum, die Türen für Fachkräfte aus Europa und Drittstaaten zu öffnen. Allerdings stünde gut ausgebildetes Personal aus dem Ausland bei uns nicht Schlange, wie oft postuliert wird. "Es geht nicht darum, ob wir sie wollen, sondern ob sie zu uns kommen wollen". Um als Arbeitsstandort attraktiver zu werden, werde man deshalb alle Berufe darauf überprüfen, ob die Vorrangmethode für Deutsche in einzelnen Bereichen hinfällig ist und sie ggf. umgehend aussetzen.
Alle Meldungen vom 6. Demographie Kongress des Behörden Spiegel:
 |
Konjunkturlage nutzen, Fachkräftemangel begegnen Um dem prognostizierten Fachkräftemangel zu begegnen, müsse schnell gehandelt werden, erklärte Gerd Hoofe, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Vor allem sei es notwendig, das Potenzial älterer Menschen, bislang nicht erwerbstätiger Frauen und >>> weiter lesen |
 |
Neuro-Neogenese auch im Alter "Der Mensch weiß nur das, was er anwenden kann", sagte Prof. Dr. Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg gestern auf dem 6. Demographie Kongress in Berlin. Entscheidend für die Bewahrung von Leistungsfähigkeit im Alter sei, dass der Geist gefordert werde und Wissen immer wieder eingesetzt und angewandt würde. >>> weiter lesen
|
 |
Demographie-Problemlöser Die Tarifpartner und die Sozialversicherungsträger müssten mehr gefordert werden. Dr. Alfons Schröer, Leiter der Abteilung Gesundheitsförderung im BKK Bundesverband, sprach auf dem Demographie-Kongress des Behörden Spiegel zum Thema "Gesund bis in die Rente – aber wie?". >>> weiter lesen |
 |
Zeit für Verantwortung "Wir brauchen eine neue Zeitkultur", sagte heute Dieter Hackler, Abteilungsleiter für den Bereich Ältere Menschen im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) auf dem 6. Demographie Kongress des Behörden Spiegel in Berlin. Nicht nur Erwerbsarbeitszeit, sondern auch >>> weiter lesen |
 |
Herausforderung: Zukunftssichere Personalpolitik Das kommunale Führungspersonal kam in der Diskussion nicht gut weg: "Die sitzen die demographischen Probleme doch nur aus und sagen sich: Ich kümmere mich nicht drum; ich selber bin ja nicht mehr lange dabei", bemerkte ein Teilnehmer des >>> weiter lesen |
 |
Wenn nötig, Leute aus Spanien Eine kleine Kommune stemmt sich gegen Einwohnerrückgang Das eigentliche Problem seiner Stadt sei nicht das Älterwerden, sondern die Abwanderung, sagte Karl Willi Beck, 1. Bürgermeister der Stadt Wunsiedel auf dem 6. Demographie Kongress gestern in Berlin. Seit 2004 hat die oberfränkische Kreisstadt 800 Bürger verloren, ein Minus von >>> weiter lesen |
www.best-age-conference.com/Kongress