http://www.behoerden-spiegel.de
Anzeige 
 

Gastkommentar

"Host Nation Support" in Europa

Generalleutnant Martin Schelleis (Foto: Bundeswehr)
Generalleutnant Martin Schelleis (Foto: Bundeswehr)
Die zunehmende Übungstätigkeit im ostwärtigen Bündnisgebiet der NATO geht mit einer wachsenden Zahl rascher, grenzüberschreitender Bewegungen von Großverbänden in Europa einher. Dadurch steigt auch der Bedarf an transnationaler Koordination und durch die betroffenen Aufnahme- bzw. Transitländer zu erbringender Unterstützungsleistungen, die teils kurzfristig nachgefragt werden. Diese als "Host Nation Support" (HNS) bezeichnete Unterstützung eines Aufnahme-/Transitlandes für verbündete Streitkräfte und Organisationen stellt sich daher quantitativ wie qualitativ zunehmend herausfordernder dar. (11.10.2017)

Die NATO-Mitglieder planen grundsätzlich keine militärischen Kräfte ausschließlich für die Unterstützung im Rahmen von HNS aus. Stattdessen wird im Bedarfsfall auf ungebundene militärische Ressourcen zurückgegriffen. Da deren Verfügbarkeit aber nicht immer gewährleistet ist, muss sich auch auf zivile Leistungserbringer abgestützt werden.

Dabei können gerade in Gebieten geringer Bedrohung militärische durch gewerbliche Leistungen gut ergänzt oder gar vollständig ersetzt werden. Für die Einbindung der gewerblichen Wirtschaft in HNS bieten sich Rahmenverträge an, um die benötigte Leistungserbringung (z.B. Transport, Verpflegung, Betriebsstoffe, Bereitstellung von Rasträumen und Unterkünften) im Komplettpaket oder modulweise auf Abruf zu gewährleisten.

Natürlich ergibt sich, abhängig von Aufenthaltszweck und -ort multinationaler Streitkräfte, unterschiedlicher Bedarf an HNS in Europa. In Transitgebieten aber werden vergleichbare Unterstützungsleistungen über die gesamte Transitstrecke und damit auch über Ländergrenzen hinweg benötigt. Z.T. gilt dies auch für grenzüberschreitende Operationsgebiete. Es bietet sich daher an, transnationale Truppenbewegungen oder Operationen in Europa multilateral zu koordinieren und gewerbliche Unterstützungsleistungen auch grenzüberschreitend bereitzustellen.

Weiterentwicklung zu einem "enhanced HNS" (eHNS)

Die Reaktionsfähigkeit der NATO auf krisenhafte Entwicklungen und damit die Glaubwürdigkeit ihrer Verteidigungsbereitschaft insbesondere am ostwärtigen Rand des Bündnisgebietes hängen entscheidend von zeit- und bedarfsgerecht verlässlich bereitgestellten Unterstützungsleistungen in Mitteleuropa ab.

Aufgrund seiner zentralen geographischen Lage kommt Deutschland dabei eine besondere Rolle zu. Im Kern des potenziellen Transit- und rückwärtigen Operationsgebietes der Allianz gelegen, wird Deutschland zur zentralen Drehscheibe für alliierte Streitkräfte und befreundete Nationen. Erster Ansprechpartner für die gesamtstaatliche Aufgabe HNS in Deutschland ist die Streitkräftebasis der Bundeswehr, die selbst tatkräftig unterstützt, darüber hinaus aber auch eine Koordinierungsfunktion übernimmt.

Die derzeitige Regelung der NATO sieht vor, dass der Bedarfsträger für HNS-Leistungen seine Forderungen separat an jede einzelne Gastgebernation richtet. Umgekehrt werden erforderliche Unterstützungsleistungen weitgehend national erbracht. Das erschwert die grenzüberschreitende Koordination.

Hingegen könnte die planvolle und standardisierte multilaterale Abstimmung der Unterstützungsbedarfe der unterschiedlichen Gaststreitkräfte mit den verschiedenen Bedarfsdeckungsmöglichkeiten die zeitkritischen HNS-Prozesse vereinfachen und beschleunigen.

Die deutsche Streitkräftebasis entwickelt das dazu erforderliche Instrumentarium für die Fälle, in denen Deutschland als Gastnation gefordert sein könnte. Da aber auch viele andere Nationen in Europa vor ähnlichen Aufgaben stehen, bietet sich von vornherein ein multinationaler Ansatz an.

Mit der Weiterentwicklung unserer Streitkräftebasis zu einem multinationalen "Combined Joint Support Service" (CJSS) auf der Basis des Rahmennationenkonzeptes streben wir einen Streitkräfteverbund souveräner Staaten für Unterstützungsleistungen in Europa an. Damit wäre dieser CJSS eine ideale Plattform, auch HNS – wo sinnvoll - multilateral zu koordinieren bzw. zu gewährleisten und zu einem "enhanced HNS" (eHNS) auszubauen. Der CJSS böte zudem die Verknüpfung von eHNS mit dem beabsichtigten europäischen Logistikknoten. Im CJSS würden damit Steuerungs- und Durchführungsaufgaben von der strategischen Verlegung bis hin zur Gewährleistung von Erst- und Folgeversorgung multinational erbracht.

(e)HNS ist eine unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Operationsführung. Immer kürzere Planungszeiten bei immer umfangreicherem Unterstützungsbedarf erfordern einen multilateralen Ansatz. Diesen zu entwickeln ist jetzt unsere Aufgabe.

Haben wir Ihr Interesse daran geweckt? Bitte wenden Sie sich an den "Point of Contact" im Kommando der SKB.

General Schelleis leitet das Panel A1 "Host Nation Support" auf der Berliner Sicherheitskonferenz, die am 28./29. November 2017 stattfindet.

Gastkommentar von Generalleutnant Martin Schelleis, Inspekteur Streitkräftebasis (SKB)




- Anzeigen -
Werbung
Advertisement  
 
Partner
Partner

Logo der ICT AG