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Interview

Auftrag für Kooperative Leitstelle soll gewonnen werden

Stephan Koch, Senior Manager Homeland Security bei Sopra Steria Consulting, stellte das neue Einsatzleitsystem seines Unternehmens vor. (Foto:Sopra Steria)
Stephan Koch, Senior Manager Homeland Security bei Sopra Steria Consulting, stellte das neue Einsatzleitsystem seines Unternehmens vor. (Foto:Sopra Steria)
Seit dem Jahr 2000 nutzt die Berliner Feuerwehr ein von Sopra Steria Consulting entwickeltes Einsatzleitsystem, das nun in erneuerter Form für die geplante "Kooperative Leitstelle Polizei Berlin und Berliner Feuerwehr" angeboten werden soll. Über das neue System sprach Stephan Koch mit dem Behörden Spiegel. Das Gespräch führte Benjamin Stiebel. (16.03.2017)

Behörden Spiegel: Herr Koch, welche Aufgaben deckt das Einsatzleitsystem der Berliner Berufsfeuerwehr ab?

Koch: An sich bilden wir die komplette Prozesskette ab. Also zuerst Notrufannahme, das Aufnehmen der wichtigen Informationen. Dann erscheint der Einsatz auf dem Bildschirm des sogenannten Disponenten. Das System erkennt per GPS, welche Fahrzeuge im Gebiet verfügbar sind, gibt Wegzeitprognosen aus und stellt die Flotte zusammen. Aus all diesen Prozessen, die im Hintergrund ablaufen, resultiert ein so genannter Aufgebotsvorschlag, den der Feuerwehrmann annehmen kann, wenn alles passt. Dann werden die Einsatzkräfte alarmiert und über eine Schnittstelle wird automatisch die entsprechende Kommunikation im Digitalfunk eingeleitet, sodass mit den Beteiligten die Anfahrt koordiniert werden kann. Außerdem werden Nachalarmierungen zum selben Einsatz intelligent behandelt und das System unterscheidet zwischen Doppelmeldungen und neuen Einsätzen, die vielleicht nur hundert Meter entfernt sind.

Behörden Spiegel: Worin unterscheidet sich die Neuentwicklung vom alten System?

Koch: Unser Einsatzleitsystem war im Ursprung eine Individualentwicklung. Jetzt haben wir unter der Haube das System völlig neu entwickelt. Es ist viel modularer geworden, das ist nicht nur sehr modern, sondern auch sehr flexibel, sodass wir in der Lage sind, neue Kunden zu fokussieren und Ansprüchen gerecht zu werden, die heute Betreiber einer Leitstelle haben. Man möchte auch mal angrenzende Systeme auswechseln, sei es um Alarmierungswege neu zu definieren, sei es, um eine zusätzliche Stabssoftware anzubinden, ein eigenes Geo-Informationssystem darunter zu legen oder vielleicht webbasierte Anwendungen anzuknüpfen. Vorher war alles monolithisch miteinander verbunden, jetzt eröffnet sich uns die Möglichkeit, das System im Baukastenprinzip für eine andere Organisation anzupassen.

Behörden Spiegel: Welche Neuerungen gibt es noch?

Koch: Wir profitieren auch sehr stark davon, dass wir uns technologisch auf einer Plattform befinden, die auch von unseren eigenen Kollegen in Großbritannien benutzt wird. Dort gibt es mit "STORM" ein Polizei-Einsatzleitsystem, das schon über 50 Mal in der ganzen Welt installiert ist, in Großbritannien, Skandinavien, aber auch zum Beispiel in Abu Dhabi. Da sind wir in Deutschland auf der gleichen technischen Basis, sodass wir uns da austauschen können.

Behörden Spiegel: Wie unterscheiden sich die Ansprüche von Feuerwehr und Polizei?

Koch: Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, die Berliner Berufsfeuerwehr ist die anspruchsvollste, die wir in Deutschland finden, was die Größe der Leitstelle und das Einsatzaufkommen angeht. Am 1. Mai oder Silvester hat man da locker das 10-fache Einsatzaufkommen, mitunter pro Stunde und nicht nur über den Tag verteilt. Diese Spitzen können wir souverän abdecken.

Behörden Spiegel: Und wie sieht es mit den Arbeitsweisen aus?

Koch: Ansonsten gibt es unterschiedliche Arbeitsweisen zwischen Polizei und Feuerwehr. Die Feuerwehr arbeitet unterstützt mit einer strukturierten Notrufabfrage, der Polizist sagt, aufgrund seiner Erfahrung weiß er, was er abzufragen hat. Die Polizei arbeitet auch weniger mit Einsatzvorschlägen, sondern schaut auf ihre Einsatzkräfteanzeige in ihrem Abschnitt und teilt verfügbare Kräfte direkt dem Einsatz zu. Aus unserer sonstigen Arbeit im Polizeimarkt wissen wir, dass eine Polizei bei der Einsatzführung anders arbeitet, als eine Feuerwehr. Aus diesem Grund haben wir vor drei Jahren begonnen, die Polizeiseite zu entwickeln. Da haben wir uns auch mit gestandenen Polizeitaktikern zusammengesetzt. Nun werden wir uns mit den beiden Seiten unseres Einsatzleitsystems für die Ausschreibung der Kooperativen Leitstelle in Berlin aufstellen.




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