http://www.behoerden-spiegel.de
Anzeige 
 

Stadtteilhabe und „Ingenieure auf Zeit“

Essen: Vorbildfunktion im Rahmen der „Grünen Hauptstadt Europas“

Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen sieht seine Stadt als Vorbild für andere Kommunen bei großflächiger Maßnahmen zur Renaturierung früherer von Bergbau und Industrie beanspruchten Öko-Systeme. Im Bild: der Essener Baldeneysee. (Foto: nafas/www.pixelio.de)
Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen sieht seine Stadt als Vorbild für andere Kommunen bei großflächiger Maßnahmen zur Renaturierung früherer von Bergbau und Industrie beanspruchten Öko-Systeme. Im Bild: der Essener Baldeneysee. (Foto: nafas/www.pixelio.de)
Bürger, Politik und Verwaltung – und Ingenieure: In Essen kamen vergangene Wochen rund 300 Menschen zusammen, um über ein Planungsexperiment zu diskutieren, an dem sie selbst teilgenommen haben. Im Rahmen der „Grünen Hauptstadt Europas“ arbeiteten seit Anfang des Jahres 14 Teams und rund 120 Teilnehmer daran, zwei verkehrliche Problemzonen in der Stadt zu verbessern. (19.09.2017)

Das Projekt „Stadtteilhabe“ hat die Akteure nicht wie bislang nacheinander, sondern gleichzeitig „und auf Augenhöhe“ beteiligt, wie die Organisatoren unterstreichen. Die Stadt Essen und die Ingenieurkammer-Bau in NRW wollten zeigen, dass auf diese Weise kreative Ergebnisse geschaffen werden können, die nah am Menschen und auf der Basis eines stabilen und zielorientieren Konsenses entstehen.

Das Projekt startete Mitte November 2016 und endete vergangene Woche mit einer Fachtagung, an deren Rande die 14 Gruppen (Planungsteams) ihre Ideen ausstellten. Von Schulkindern bis zu Senioren haben sich laut Veranstalter unterschiedlichste Bürger beteiligt, wurden zu Anfang mit   grundsätzlichen Kenntnissen vertraut gemacht und so zu „Ingenieuren auf Zeit“ geschult.

Über 200 Bürger-Projekte

“Die Grüne Hauptstadt Europas“ sei ein Mitmach-Projekt, sagte Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen. „Eines der über 200 Bürger-Projekte ist die Stadtteilhabe.“ Als ehemals größte Montan-Stadt Europas könne Essen mittlerweile auf viele erfolgreiche Projekte zur Renaturierung schauen: Schon seit Anfang der neunziger Jahre wird das Ökosystem der Emscher und ihrer Nebenflüsse wiederhergestellt. Ein immenses Infrastrukturprojekt mit über 4,5 Mrd. Euro, „das in Zeit und Kosten geblieben ist“, so der CDU-Politiker. Die Wasserqualität im Essener Baldeneysee erlaube es erstmals wieder, darin zu baden und auch eine lange verschwundene Fischart sei zurückgekehrt. Kufen sieht seine Stadt in einer Vorbildfunktion für Europa.

Neben Sicherheit treten Transparenz und Konsens auf

Für Ingenieure gehe es darum, mehr über die eigene Arbeit zu sprechen und sich nicht nur an den ausgetüftelten Dingen zu erfreuen, sagte Dr. Heinrich Bökamp, Präsident der Ingenieurkammer-Bau in Nordrhein-Westfalen. Neben das Ziel, sichere Bauwerke zu errichten, träten Transparenz und Konsens, so Bökamp. Es gelte, das eigene Wissen und die Motive viel stärker zu kommunizieren als früher. „Unsere Ingenieurleistung, die gerade für Laien oft kaum zu erkennen ist, sollte immer weniger als passiv dienend erlebt werden. Da bleibt sie ungesehen oder wird, wenn es ganz schlecht läuft, sogar als Regelsetzend, als aggressiv-dominant erlebt.“ Nutzungskonflikte müssen demnach gemeinsam gelöst werden. Weder Politik, Verwaltung, Ingenieure, Architekten oder Bürger sind allein in der Lage, die beste und gleichzeitig akzeptierteste Lösung zu finden. „Dazu brauchst es Respekt, Engagement, Vertrauen und Empathie auf allen Seiten.“

„In den nächsten zehn bis 20 Jahren müssen wir das regeln“

„Bei uns funktioniert die parlamentarische Demokratie am besten“, erklärte Gastredner Dr. Volker Hassemer. Trotzdem müssten Bürger und ihr Wissen künftig weit stärker und professioneller zur Vorbereitung und Umsetzung politischer Entscheidungen eingebunden werden. Volkentscheide sind für den Vorstandsvorsitzender der „Stiftung Zukunft Berlin“ dabei keine Alternative – am Ende entscheide das Parlament.  Vorher dürften Politik und Verwaltung die Bürger jedoch keinen Deut weniger ernst nehmen als sich selbst. Im Rahmen des Teilhabeprozess bedarf  es demnach einer „neuen Phase des Gemeinsinns“, in der Kooperation statt Konkurrenz vorherrsche. „Wir müssen mit dem Gemeinsamen beginnen. Erst danach sollte Gegensätzliches Auge in Auge, offen und nicht in irgendwelchen Hinterzimmern angesprochen werden.“ Aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen und neuen Anforderungen, müssten diese Teilhabeprozesse in den nächsten zehn  bis 20 Jahren geregelt werden, sagte der langjährige frühere Berliner Senator.

ein




- Anzeigen -
Werbung
Advertisement  
 
Partner
Partner

Logo der ICT AG