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Studie zu Flüchtlingsinitiativen: 37 Prozent nehmen Förderanspruch nicht wahr

Mehr als ein Drittel der Flüchtlingsinitiativen in Deutschland nimmt keine öffentlichen Fördermittel in Anspruch, obwohl 90 Prozent angeben, sie benötigen zusätzliche Finanzmittel. Dieses Phänomen wird mit den zu hohen Anforderungen der Fördermittelgeber begründet.

Das Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung die Studie “Fördermittel in der Flüchtlingshilfe“ durchgeführt. Im Rahmen dieser Forschung wurden in Bayern, Berlin, Niedersachsen und Thüringen Interviews mit Initiativen, Trägern und Fördermittelgebern geführt. Ungefähr die Hälfte der Befragten schätzt die Aussicht auf einen genehmigten Antrag aussichtslos ein, da die geforderten Bedingungen erst gar nicht erfüllt werden. Als weitere Herausforderungen bei der Antragsstellung werden zu hoher zeitlicher Aufwand (70 Prozent) und fehlender Zugang zu Informationen (48 Prozent) genannt. Serhat Karakayali vom BIM stellt fest: “Bemerkenswert ist, dass die öffentlichen Mittel vor allem bei den schon etablierten Trägern, also bestehenden Vereinen und Verbänden ankommen. Diese oft größeren Organisationen haben Erfahrung im Beantragen und Einwerben von solchen Geldern. Die vielen kleinen Willkommensinitiativen dagegen finanzieren sich haupt-sächlich durch private Spenden. Es ist bedauerlich, wenn gerade die spontan entstandenen, informell organisierten Initiativen nicht von der Förderung durch die öffentliche Hand profitieren.“

Fördermitte-Systeme müssen reformiert werden

Das bürgerschaftliche Engagement, welches zur Bildung vieler kleiner Flüchtlingsinitiativen geführt hat, sei laut Alexander Koop von der Bertelsmann Stiftung “in Zeiten der Überforderung unserer staatlichen Systeme […] “von besonderer Bedeutung gewesen. Das derzeitige Fördermittel-System würde diese Arbeit jedoch nicht positiv sanktionieren, weswegen es eine Veränderung benötigt. Koop sagt hierzu: “Für die Integration der Geflüchteten sind die Initiativen der freiwillig Engagierten unentbehrlich. Für ihre Arbeit brauchen sie aber auch finanzielle Unterstützung vom Staat. Fördernde Einrichtungen sollten daher ihre Programme ausbauen und anpassen, um diese wichtige Arbeit weiter zu unterstützen“.

Als konkrete Lösungsansätze für diese Krux schlagen die Autoren der Studie unter anderem vor, lokale Bedarfe besser zu identifizieren, geringere Vorgaben für die Vorgaben für die Vergabe von Fördermitteln anzusetzen und die Verfahren insgesamt zu vereinfachen.

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