Die Krux mit dem kostenlosen ÖPNV

0
593

Die Bundesregierung hat in einem Brief an den EU-Umweltkommissar Karmenu Vella Vorschläge zur Verbesserung der Luftqualität in Deutschland geäußert. Als einer davon gilt die Möglichkeit den ÖPNV kostenlos anzubieten. In den Städten Bonn, Essen, Herrenberg, Reutlingen sowie Mannheim könne das Vorhaben getestet werden. Aber es obliege eben diesen, es abzuwägen und durchzuführen. Mit diesen Vorschlägen möchte die Bundesregierung eine Klage der EU-Kommission abwenden.

Über den ÖPNV hinausdenken

Der Verband der Deutschen Verkehrsunternehmen ist skeptisch. Die Verkehrsvertriebe würden sich zur Hälfte aus dem Ticketverkauf finanzieren. Zusätzlich könnten die kostenlosen Transportmittel für ein erhöhtes Fahrgastaufkommen sorgen, wofür mehr Fahrzeuge sowie Personal nötig wären und dementsprechend die Kosten stiegen.

Auch der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) äußert Bedenken zum Vorhaben, nämlich, dass es ganzheitlich gedacht werden müsste. Die Verkehrsträger sollten systematisch vernetzt und die Verkehrsmittel miteinander kombiniert werden. “Fahrverbote und kostenloser ÖPNV sind zu kurz gedacht. Wir dürfen nicht vergessen, dass 60 Prozent aller Arbeitnehmer zur Arbeit pendeln”, so Ansgar Hinz, CEO des VDE. Hohen Mieten in den Ballungsräumen würden insbesondere Familien dazu zwingen, in das teilweise schlecht angebundene Umland zu ziehen. Wenn Pendler zur Arbeitsstätte mit dem Auto 30 Minuten und mit dem ÖPNV 90 Minuten bräuchten, dann sei dies in vielerlei Hinsicht kontraproduktiv und ineffizient. Mobilität sollte als ein Service betrachtet werden. Mit der Digitalisierung würde eine Verkehrswende einhergehen, die neue innovative Mobilitätskonzepte erfordere. “Die Mobilität der Zukunft muss sich sowohl in Energie- als auch in Kommunikationsinfrastruktur einbinden lassen”, betont Hinz.