Allein unter Männern

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Bei der Auswertung von Zeitungsberichten oder dem Verfolgen von Fernsehnachrichten aus aller Welt im Gebäude des Bonner Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist sie ausschließlich von männlichen Kollegen umgeben. Aber das stört Franziska Bauer nicht.

Sie arbeitet ungeachtet dieser Geschlechterverteilung, dem körperlich durchaus anstrengenden Schichtdienst und der großen Verantwortung, die sie trägt, sehr gerne seit zweieinhalb Jahren als Sachbearbeiterin im Gemeinsamen Melde- und Lagezentrum (GMLZ). Dort ist die Ledige, die in ihrer Freizeit viel Sport treibt, inzwischen im Früh-, Spät- oder Nachtdienst tätig. Ist sie tagsüber im Einsatz, arbeitet Bauer acht Stunden lang mit einem weiteren Kollegen zusammen. Dabei ist einer von ihnen der sogenannte Lagebearbeiter, während der andere als Schichtführer agiert.

Über die Aufgabenteilung sagt die studierte Ingenieurin: “Der Lagebearbeiter erstellt kontinuierlich ein weltweites Bevölkerungsschutz-Lagebild. Dabei stützt er sich neben Presseerzeugnissen vor allem auf die Analyse von behördlichen Informationen.” Diese kommen beispielsweise aus Lagebildern anderer Staaten, den Lagezentren des Bundesinnenministeriums (BMI) sowie der Länder, dem Deutschen Wetterdienst (DWD) oder anderer Bundesbehörden.

“Auf diesen Daten beruhend wird jeden Tag um 13 Uhr ein Lagebild für die Situation in Deutschland an unterschiedliche Ministerien und andere Behörden versendet.” Bei besonderen Lagen würden darüber hinaus anlassbezogene Sonderberichte verschickt. Das gelte etwa, wenn es zu länderübergreifenden Schadenslagen komme oder zu solchen im Ausland, bei denen deutsche Staatsbürger betroffen seien. Wichtige Aufgaben kommen dabei auch dem Schichtführer zu. Denn: “Er muss alles bearbeiten, was im Gemeinsamen Melde- und Lagezentrum aufläuft”, erklärt Bauer. Dazu gehörten vor allem zahllose E-Mails täglich. Außerdem müsse er den ständigen Kontakt mit anderen Behörden halten und diese über Erkenntnisse des GMLZ informieren.

Nachts muss einer alles machen

In der Nachtschicht, die zehn Stunden dauert, müsse ein Mitarbeiter die Funktionen von Schichtführer und Lagebearbeiter übernehmen. Grund dafür sei die knappe Personaldecke des GMLZ, meint die Sachbearbeiterin, die als Tarifbeschäftigte der Entgeltgruppe E 11 angehört. Grundsätzlich seien jedoch – egal, ob in den Tages- oder Nachtstunden – jeweils ein GMLZ-Mitarbeiter des gehobenen und einer des höheren Dienstes in Rufbereitschaft.

Dennoch seien die Nachtschichten sehr fordernd, erzählt Bauer. Denn: “Dann übernimmt das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum auch Aufgaben anderer Behörden.” Dazu gehörten u.a. das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und das Robert Koch-Institut (RKI).

Zudem gelte: “Das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum ist die nationale Kontaktstelle für verschiedene Melde- und Warnverfahren, zum Beispiel auf der Ebene der Weltgesundheitsorganisation.”

Mitarbeiter koordinieren Ressourcenmanagement

Werde etwa bei einer möglichen Cyber-Attacke ein bestimmter Schwellenwert überschritten, informierten die GMLZ-Mitarbeiter nachts die Kräfte der BSI-Rufbereitschaft. “Gleiches gilt für die Kollegen des Robert Koch-Instituts bei Informationen zu übertragbaren Krankheiten”, sagt Bauer, die den Austausch der verschiedenen Institutionen beziehungsweise Behörden lobt. Schließlich trage dieses “Geben und Nehmen” auch dazu bei, das vom GMLZ zu erstellende Bevölkerungsschutz-Lagebild mit noch mehr Informationen zu hinterlegen und so zu präzisieren.

Weitere Aufgaben des GMLZ, das 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag besetzt ist sowie zurzeit über 14 im Schichtdienst tätige Sachbearbeiter und außerhalb des Schichtdienstes einen Sachbearbeiter, einen Referenten und einen Referatsleiter verfügt, sind das nationale und internationale Ressourcenmanagement in Bevölkerungsschutzlagen auf Bitte der Bundesländer sowie die Bearbeitung von Unterstützungsersuchen der Europäischen Kommission. Dazu konstatiert Bauer: “Das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum ist im Inland eine Servicestelle für die Bundesländer. Es unterstützt diese, sofern sie es wünschen.” Und zu den für eine Arbeit im GMLZ erforderlichen Kompetenzen und Fähigkeiten sagt sie: “Meine Kollegen und ich müssen gut improvisieren können. Wir brauchen keine Spezialisten, sondern Generalisten.”

Zahlreiche Berufsfelder im GMLZ vertreten

Diese Ausrichtung spiegelt sich auch in den unterschiedlichen beruflichen Hintergründen der Mitarbeiter wider. Im GMLZ arbeiten neben Ingenieuren wie Bauer unter anderem Geografen und Politikwissenschaftler. Eines haben sie dabei alle gemeinsam: Von ihnen wird erwartet, dass sie operative Einsatz- und Führungserfahrungen bei Feuerwehr, Hilfsorganisationen, Technischem Hilfswerk, Polizei oder Bundeswehr gesammelt und dort mindestens die Ausbildung zum Gruppenführer erfolgreich absolviert haben.