E-Rechnungsportal – Eines für alle?

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Der Einführung der E-Rechnung in der öffentlichen Verwaltung und der Wirtschaft widmet sich aktuell der E-Rechnungs-Gipfel in Bonn. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei in diesem Jahr auf dem Bund, der für den Bereich der unmittelbaren Bundesverwaltung bis zum 27. November 2018 die E-Rechnung einführen wird. Die weiteren Bundesbehörden folgenden zwölf Monate später.

Für die Einreichung der elektronischen Rechnungen baut der Bund derzeit an einem zentralen E-Rechnungsportal. Dessen Testphase sei bereits abgeschlossen, berichtete Dr. Stefan Werres, Projektleiter E-Rechnung im Bundesinnenministerium (BMI). Im Juni/Juli solle nun die Pilotphase mit ausgewählten Behörden beginnen. Beim Aufbau des Portals werde das gemeinsam mit dem Bremen erarbeitete Architekturkonzept umgesetzt, wie Fred Kellermann erklärte, der als Projektleiter im Bundesfinanzministerium (BMF) gemeinsam mit Werres die E-Rechnung im Bund in einer Art “Doppelspitze” vorantreibt.

Integration in Verwaltungsportal des Bundes

Das E-Rechnungsportal solle dann zukünftig in das gegenwärtig ebenfalls im Aufbau befindliche Verwaltungsportal des Bundes integriert werden. Dem Rechnungssender sollen dabei mehrere Kanäle zur Verfügung stehen. Neben der Weberfassung und der De-Mail soll auch die Sendung per E-Mail möglich sein, perspektivisch auch die Verwendung eines Webservices auf der Grundlage von PEPPOL. Hinsichtlich letzterem habe der IT-Planungsrat einen Test-Auftrag an den Bund und Bremen erteilt. Dies sind auch die beiden ursprünglichen Federführer im Steuerungsprojekt E-Rechnung des Bund-Länder-Gremiums.

E-Mail “genügt

Mit der Einbindung der E-Mail gehe man seitens des Bundes über den Wortlaut der Rechtsverordnung aus dem vergangenen September hinaus, so Werres. Um eine rechtssichere Grundlage für den Umgang mit E-Mails als Rechnungszugang zu gewährleisten, aber auch um die Behandlung von hybriden Formaten wie ZUGFeRD zu regeln, sollen daher, zusätzlich zur Verordnung, auch noch Nutzungsbedingungen erarbeitet werden, erklärte der BMI-Projektleiter weiter.

Eine Lösung für alle?

Das Portal ist mandantenfähig und soll nicht nur die Plattform der unmittelbaren Bundesverwaltung sein, sondern auch ein Angebot an weitere Bundesbehörden, dieses zu nutzen – sogar kostenfrei. Dabei soll es aber nicht bleiben: “Wir führen gegenwärtig Gespräche mit Bundesländern, aber auch mit privatrechtlichen Institutionen” so Werres. Er lud alle Behörden bei Bund, Ländern und Kommunen ein, dass entstehende Portal zukünftig gemeinschaftlich zu nutzen. “Das wäre ein enormer Gewinn für die Wirtschaft, wenn es tatsächlich nur ein Portal für die Auftragnehmer gäbe”, begrüßte Stefan Groß, Vorstandsvorsitzender des Verbandes elektronische Rechnung (VeR) und Moderator der Veranstaltung diesen Vorschlag.

“Das Portal steht auch allen anderen offen”, unterstrich auch Klaus Vitt, Staatssekretär im Bundesinnenministerium und Beauftragter der Bundesregierung für Informationstechnik. Für ihn markiert die Einführung der E-Rechnung den Lückenschluss bei der Digitalisierung des gesamten Prozesses von der Bedarfsermittlung bis hin zur Bezahlung. Die verpflichtende Einreichung aller Rechnungen als E-Rechnungen ab November 2020 leiste einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung der Haushaltsprozesse durch die Etablierung von medienbruchfreien, automatisierten Verfahren. Mit “XRechnung” stehe zudem ein kostenloser Standard zur Verfügung, der bei der KoSIT (Koordinierungsstelle für IT-Standards) in Bremen abgerufen werden könne.

Ohnehin dankte Vitt, in diesem Jahr auch Vorsitzender des IT-Planungsrates, den Bremern (“Land der ersten Stunde”), aber auch den weiteren Kooperationspartnern Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen für deren Engagement im Rahmen des Steuerungsprojektes. Aber auch mit Blick nach Europa und die Tatsache, dass die Einführung der E-Rechnung auf eine entsprechende EU-Richtlinie aus dem Jahre 2014 zurückgeht (2014/55/EU), stellte er fest: “Die E-Rechnung ist ein gutes Beispiel für die grenzüberschreitende Digitalisierung.”