Teilhabe und Demenz

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Die Tradition der Pflege ist darauf ausgelegt, etwas für jemanden zu tun, nicht mit jemandem. Doch dadurch entsteht eine Art Parallelwelt. Am Beispiel Demenz lässt sich diese strukturelle Verankerung zeigen. So gibt es zahlreiche Freizeitangebote für demente Menschen, die allerdings anderen nicht offenstehen.

Das habe mit wirklicher Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht viel zu tun, moniert Peter Wißmann, Geschäftsführer der Demenz Support Stuttgart gGmbH Zentrum für Informationstransfer, auf dem zweiten Zukunftskongress Soziale Infrastrukturen des Behörden Spiegel. Der alleinige Fokus auf Versorgung dieser Bevölkerungsgruppe projiziere ein Bild von Abhängigkeit und ließe Demente als eine Sondergruppe erscheinen. Wißmann nennt drei Faktoren als Grundvoraussetzung für echte Teilhabe.

Erstens ein inklusives Design der Angebote, die für alle offen sein sollten und somit Integration versprechen. Zweitens die Selbst-Artikulation der Betroffenen. Dadurch würden Blickwinkel in Diskussionen aufgenommen, die sonst nicht zustande kämen. Und drittens das Mitgestalten der Angebote durch die Betroffenen, anstelle eines reinen “Beschäftigtwerdens”. Dies sei zwar “noch etwas exotisch, aber alles andere ist Augenwischerei”, betont der wissenschaftliche Leiter der Demenz Support.

Ein Beispiel für eine gelungene Umsetzung dieses Ansatzes stellt die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums in Duisburg dar. Deren stellvertretende Leiterin, Sybille Kastner, will Menschen mit Demenz als “Experten in eigener Sache” einbeziehen. Diese nehmen an den museumsinternen Schulungen für Kunstvermittler teil. Kastner bilanziert: “Was zunächst irritierend war, wurde am Ende als sehr hilfreich wahrgenommen.” Beim Projekt “ARTGenossen” engagieren sich ehrenamtliche Helferinnen und Helfer – oft Angehörige von Betroffenen -, die Führungen für Menschen mit Demenz unterstützen.

Im Rahmen des Bundesmodellprogramms „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ haben sich zahlreiche RuhrKunstMuseen mit Partnern aus dem Sozial- und Pflegebereich vernetzt, um weitere Kunstangebote für Betroffene und ihre Angehörigen im Ruhrgebiet zu schaffen. Ziel des Programms sei es, ein bundesweites Netzwerk zu schaffen, erläutert Stefanie Adler von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO).

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