Auf die eigenen Stärken besinnen

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Der Start-up Monday der CEBIT stand ganz im Zeichen einer neuen Risikobereitschaft beim Thema Digitalisierung. Um weiterhin in der ersten Liga des Fortschritts mitzuspielen, müsse das Land mutiger werden und sich gleichzeitig auf seine Stärken besinnen und diese in der digitalen Welt ausbauen und forcieren, forderte Prof. Dr. Reimund Neugebauer, der Präsident der Fraunhofer-Institute: “Bei der digitalen Sensorik sind wir schon ganz vorne dabei, und genau diese Verbindung zwischen der digitalen und der physischen Welt ist eine tolle Grundlage für den digitalen Erfolg unseres Landes.”

Der nächste Schritt auf diesem Weg sei nun, vom Thema Big Data den Übergang zu Smart Data zu schaffen, also der intelligenten Vernetzung dieser vielen gesammelten Daten. Dabei muss sich das Land laut Frank Riemensberger von Accenture Deutschland jedoch endlich ambitionierte Ziele setzen, um international nicht abgehängt zu werden: “Bisher werden die neuen Geschäftsmodelle in Deutschland nicht richtig verstanden. Die Nutzer wollen neue Leistungsversprechen und neue Erfahrungen. Aber wir können das alles in diesem Land!” Riemensberger nannte beispielsweise einen digitalen TÜV als Beispiel für etwas, wo ein deutsches Erfolgsrezept problemlos auch in der digitalen Welt funktionieren könne.

Neuer Datenschutz notwendig

Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung dieser Vorhaben sollen laut Dieter Kempf, dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e.V. (BDI) klare gesetzliche Rahmenbedingungen für aktuelle digitale Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz und die dazugehörigen ethischen Fragen sein: “Wir haben ein aktuelles Datenschutzgesetz aus den Sechzigern, in dem Datensparsamkeit als wichtigste Grundregel eingefordert wird. Stattdessen sollte es endlich eine moderne Gesetzgebung mit Fokus auf einen souveränen Datenumgang geben”, forderte der BDI-Präsident im Executive Talk auf der CEBIT.

Politik gelobt Besserung

Neben einer gesetzlichen Grundlage benötigt eine erfolgreiche Digitalisierung aber auch eine entsprechende Infrastruktur. Stefan Schnorr, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, gesteht in dieser Hinsicht Defizite ein, im internationalen Vergleich, aber auch bei der Verteilung der Digitalisierung zwischen Stadt und Land. Zusätzlich müsse der Staat endlich ordentliche E-Government-Angebote auf den Markt bringen, denn bisher seien fast alle Versuche in diesem Bereich qualitativ nicht ausgereift.

Trotz allem sieht er für Deutschland aber weiterhin “Top-Voraussetzungen, um bei der Digitalisierung vorne mitzuspielen.” Damit man diese Voraussetzungen in Zukunft auch entsprechend nutzen kann, hatte Schnorr eine Liste an konkreten Versprechen für die Zukunft mitgebracht, die den Planungen aus dem Koalitionsvertrag entnommen waren: “Der Vertrag trägt der Entschlossenheit der Regierung Rechnung, die Digitalisierung voranzutreiben.” Dabei wiederholte er die Ankündigung der Kanzlerin einen Gigabit-Investitionsfonds einzurichten, und kündigte zudem unter anderem eine Weiterbildungsstrategie für digitale Berufe sowie einen angepassten Rechtsrahmen für die Digitalisierung an.

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