Pannen beim EU-Vorzeigeprojekt

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Die Gemeinden, die von der EU geförderte WLAN-Hotspots im Rahmen des Projekts “WiFi4EU” einrichten wollen, müssen sich noch gedulden. Die EU-Kommission wollte 15.000 Gutscheine für jeweils 15.000 Euro an Kommunen und öffentliche Einrichtungen verschenken, damit diese für mindestens drei Jahre einen kostenfreien Hotspot für mobile Internetnutzer errichten. Diese wiederum könnten sich nach einmaliger Registrierung überall in Europa in das Datennetz einwählen.

Die Bons sollten ab einem festgesetzten Termin nach dem sogenannten Windhundverfahren vergeben werden (“Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.”). Allerdings seien in den ersten fünf Sekunden nach Eröffnung der ersten Runde bereits 3.500 Anträge eingegangen, so EU-Digitalkommissarin Mariya Gabriel. Der Server sei unter dem Ansturm zusammengebrochen. Inzwischen lägen 18.000 Anträge vor, die nun analysiert werden müssen.

Die Website, die eine Stunde nach Beginn gesperrt wurde ist seither nicht mehr erreichbar. Anscheinend hat eine Fehlprogrammierung im System dafür gesorgt, dass Anträge nicht mit dem Zeitstempel des Eingangsrechners versehen wurden. Anstelle dessen wiesen sie die Uhrzeit des Computers auf, von dem aus sich der Bewerber eingeloggt hatte – bei unterschiedlichen Zeitzonen eine schwerwiegende Verzerrung.
In einem Schreiben der Generaldirektion Kommunikationsnetzwerke, Inhalt und Technologie (GD Connect) an den Juristischen Dienst der EU-Verwaltung geht es des Weiteren auch um den Vorwurf, die Website habe sich als “verwundbar” erwiesen. Nun müsse geprüft werden, ob Daten rechtswidrig behandelt wurden. Das Ergebnis können die interessierten Kommunen und öffentlichen Stellen nur abwarten.
“Die Kommission versucht, Technologien des 21. Jahrhunderts voranzutreiben und wendet dabei Methoden des 19. Jahrhunderts an”, beklagt der Europa-Abgeordnete Markus Ferber (CSU), der den Vorfall öffentlich machte. “Die technische Ausgestaltung des Bewerbungsverfahrens ist nur als dilettantisch zu bezeichnen.” Laut Gabriel sollen im Herbst die Zuschläge erfolgen, dann könne es schnell gehen.

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