Das ethische Dilemma beim autonomen Fahren

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Autonomes Fahren wird mittlerweile inflationär verwendet, obwohl Deutschland davon noch weit entfernt ist. Bis es soweit ist, könnten ethische Frage beantwortet werden, abseits von den gängigen Dilemmata. Beispielsweise: Lassen wir unterschiedliche Fahrstile in autonomen Autos zu und wozu braucht es die Philosophen?

In fünf Abstufungen wird das Autofahren in der Automobilbranche dargestellt, wobei “wir uns heutzutage zwischen Stufe zwei und drei bewegen”, erläutert Michael Mörike, Vorstand der Integrata-Stiftung für humane Nutzung der Informationstechnologie und Physiker, auf der Cebit 2018. Stufe zwei entspricht dabei dem teilautomatisierten Fahren mittels Einparkhilfen und Stauassistent. Stufe drei ist das hochautomatisierte Fahren, der Autopilot. Stufe vier ist das vollautomatisierte Fahren, in dem das Auto alles macht, nur nicht ungelernte Situation und die letzte Stufe bedeutet: Der Mensch lehnt sich zurück und muss nur noch das Start sowie Ziel angeben.

Chancen und Risiken

Die gängigen Chancen sind weniger Unfälle, weniger Verkehrstote und ein effizienterer Verkehr. Wenn autonome Lkws dichter fahren können, dann braucht es ebenso weniger Straßenplatzbedarf. Aber auch eine bessere sowie individuellere Anbindung des ländlichen Raums gilt als mögliches Benefits.
Wohingegen auf der anderen Seite der Medaille die steigende Arbeitslosigkeit von Bus-, Lkw- und Taxifahrer stehen sowie wie die ethischen Dilemmata gelöst werden können.

Die Oma oder das Kind?

Auch ohne die autonom fahrenden Autos werden bereits unterschiedliche Dilemmata ausgemacht. Eines davon ist jenes, bei dem das autonome Auto auf einen Gegenstand zufährt, der plötzlich auftaucht und ausweichen muss: Auf beiden Seiten steht eine Person, einmal ein Kind und einmal eine ältere Dame, wen fährt es um? “Zum einen fährt ein Auto nicht ungebremst auf einen Gegenstand zu und zum anderen können keine Leben gegeneinander abgewogen werden. Denn in unserer Gesellschaft herrscht Einigkeit, dass jedes Leben gleich viel wert ist”, so Mörike. Diese Erkenntnis basiere auf unterschiedlichen ethischen Experimenten und Gedankenspielen. Auch müsse sich bewusst gemacht werden, dass bei einem gemischten Verkehr von autonom und normal fahrenden Autos Unfälle nicht ausgeschlossen werden könnten. Interessanter wird es bei den alltäglichen Begebenheiten: “Sie fahren einen Berg hoch oder eine Landstraße entlang. Vor ihnen fährt ein Radfahrer und nach einer Weile würden sie als Mensch überholen. Aber eine weiße Linie auf der Straße zeigt an, dass es verboten ist. Wie handhaben wir dies?”, diese Frage warf der Physiker auf. Es könnten unterschiedliche Fahrstile einprogrammiert werden, so Mörike. Aber inwieweit die Hersteller dies zulassen oder aus Haftungsgründen eine eins-zu-eins Umsetzung der Straßenverkehrsordnung implementieren, sei ungeklärt. Dann müsste auch der langsame Radfahrer vor dem Autofahrer akzeptiert werden.

Die Philosophen mit ins Boot

Aber neben der Programmierung müssen die zukünftigen Autos selbstlernend sein, weshalb er darauf plädiert sich bereits jetzt Gedanken über die Ethik der autonomen Autos bzw. der zugrunde liegenden künstlichen Intelligenz zu machen. “Die Künstliche Intelligenz, die wir in diese Maschinen einbauen, ist nicht menschenähnlich, sondern wir beeinflussen ihren Moralkompass”, betont Mörike.

Die Philosophie sei wichtig, um sich über eben diesen Gedanken zu machen. “Wir müssen den Ingenieuren die Philosophen zur Seite stellen, und gemeinsam eine Ethik entwickeln und es nicht den großen Weltfirmen überlassen. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe”, so sein Resümee.

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