EU-Parlament rät von der Nutzung von Kaspersky-Produkten ab

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In einem öffentlichen Entwurf einer Entschließung zur Cyber-Abwehr bezeichnet das EU-Parlament den Hersteller von IT-Sicherheitslösungen Kaspersky Lab als “böswillig” und rät EU-Behörden von der Nutzung ab. Im Abschnitt zu Öffentlich-privaten Partnerschaften (ÖPP) heißt es, das Parlament fordere die EU auf, Soft- und Hardware sowie Infrastrukturen, die in den Organen eingesetzt werden, “einer umfassenden Überprüfung zu unterziehen, um die Verwendung potenziell gefährlicher Programme und Geräte auszuschließen und die Verwendung als böswillig eingestufter Programme und Geräte wie Kaspersky Lab zu verbieten.”

In einer Stellungnahme des Unternehmens heißt es, der Hinweis auf Kaspersky Lab basiere auf unwahren Aussagen und zeuge von einem Mangel an Respekt. Der Gründer Eugene Kaspersky ergänzte via Twitter: “Wir beschützen die EU seit 20 Jahren und arbeiten mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen. Angesichts der Entscheidung des EU-Parlaments sehen wir uns gezwungen, die Zusammenarbeit mit Organisationen wie EuroPol und dem “No More Ransom”-Projekt auf Eis zu legen.” Ziel des Projekts, an dem außer Europol und Kaspersky Lab auch die niederländische Polizei und das Cyber-Security-Unternehmen McAfee beteiligt sind, ist es Ransomware-Infektionen vorzubeugen und Betroffene bei der Entschlüsselung ihrer Daten zu unterstützen.

Kaspersky im Kreuzfeuer

Kaspsky Lab steht wegen seiner russischen Herkunft schon seit längerem unter Druck. So hatte das US-Heimatministerium im letzten Jahr US-Behörden die Verwendung von dessen Produkten. Das Unternehmen unterliege russischen Gesetzen, die es der Regierung erlauben, von russischen Firmen Unterstützung zu erzwingen. Auch ein unwissentlicher Missbrauch der Produkte zur nachrichtendienstlichen Spionage in ausländischen IT-Systemen sei denkbar. Auch Großbritannien, Litauen und die Niederlande verbannen Kaspersky Lab aufgrund des Risikos von Cyber-Spionage aus der öffentlichen Verwaltung. Ein gerichtliches Vorgehen seitens Kaspersky Lab gegen das Verbot in den USA blieb bisher erfolglos.

In Deutschland sind bisher keine Warnungen oder Verbote in dem Zusammenhang ausgesprochen worden. Anlässlich der Verbannung in den USA hatte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik im letzten Jahr Kaspersky Lab das Vertrauen ausgesprochen. Es lägen keine Belege für ein Fehlverhalten des Unternehmens oder Schwachstellen in den Produkten vor. Im Austausch mit weiteren Sicherheitsbehörden werde der Sachverhalt beobachtet, hieß es.