Ade, du vielfältige Stadt?

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Die Langzeitstudie “Wie brüchig ist die soziale Architektur unserer Städte?” des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) zeigt auf, dass die soziale Spaltung in den deutschen Städten wächst und dadurch die Vielfalt abnehme. Gleichzeitig zeigt sie die Ursachen für die unterschiedlichen Entwicklungen zwischen den jeweiligen Städten auf.

74 Städte wurden von 2002 bis 2014 bei dieser Studie untersucht. Dabei zeichnet sich eine soziale sowie eine demografische Spaltung ab. Seit Mitte der 1990er Jahre bis 2004 haben sich die Ärmeren der Bevölkerung immer weiter abgespalten. “In vielen deutschen Städten ballen sich Personen mit Bezug von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II zunehmend in bestimmten Stadtteilen”, hält die Studie ihre Ergebnisse fest [ab Seite I in der Studie]. Wobei die Spaltung insbesondere bei Familien mit Kindern noch stärker ausgeprägt sei. In 36 der untersuchten Städte existieren Quartiere, “in denen mehr als 50 Prozent aller Kinder von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II leben”. Auch hinsichtlich der Demografie existieren weitere Polarisierungen. So zeige es sich, dass sich die 15- bis 29-Jährigen sowie die Generation 65+ in bestimmten Stadtteilen ballen. Wohingegen hinsichtlich der ethnischen Spaltung eine Besserung eingetreten sei, sodass mehr Personen ohne Pass sich in unterschiedlichen Stadtteilen wiederfinden und keine Ballungsräume mehr bilden. “Zusammenfassend beobachten wir, dass sowohl soziale Gruppen – und hier besonders jene mit Kindern – sowie bestimmte Altersgruppen zunehmend seltener Tür an Tür miteinander wohnen”, so das Fazit der Studie.

Die Stadtunterschiede

Unterschiedliche Faktoren erklären, weshalb die Spaltung der Bewohner in manchen Städten stärker ist, als in anderen. Unter anderen sei sie in jenen Städten angestiegen, in denen mehr Familien mit kleinen Kinder (unter sechs Jahren) leben und hiervon seien wiederum insbesondere jene betroffen, in denen eine hohe Dichte an Sozialgesetzbuch-II-Beziehern leben würden.

Auch zeigt sich, dass der soziale Wohnungsbau, nachteilig sein kann. In den Bereichen, wo der Wohnungsbau stattfände, steige die Armut. Denn der Bau finde sich vermehrt in jenen Gebieten wieder, wo bereits arme Menschen leben und dadurch verstärkt sich der Effekt. Dies ist ein Aspekt der beachtet werden sollte. Denn: “Die soziale Spaltung von Städten schreitet dort schneller voran, wo eine bestimmte Schwelle der Armutssegregation bereits überschritten ist.”

Einen positiven Effekt würden Privatschulen haben. In den westdeutschen Städten würden “bessergestellte Eltern” seltener aus benachteiligten Gebieten ziehen, wenn dort die Chance bestünde, dass ihre Kinder auf eine Privatschule gehen. Außerdem wurden keine signifikanten Anhaltspunkte gefunden, dass die Höhe der Mieten einen “verstärkenden Einfluss” auf die soziale Spaltung haben würden.

Die vollständige Studie ist hier abrufbar.

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