Wie schaffen Kommunen urbane Datenräume?

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Prof. Dr. Ina Schieferdecker, von Fraunhofer Fokus, stellt die Studie am Institut in einem separaten Workshop vor. Dabei sei das Papier nur der erste Einstieg. (Foto: BS/Bednarski)

“Die erfolgreiche Verwaltung und Nutzung der Datenbestände in den Kommunen könne die Attraktivität, die Transparenz sowie die Demokratie und das Leben in den Kommunen verbessern”, eröffnet Prof. Dr. Ina Schieferdecker von Fraunhofer FOKUS die Vorstellung der neuen Studie “Urbane Datenräume – Möglichkeiten von Datenaustausch und Zusammenarbeit im urbanen Raum”. Dabei könne die Studie gleichzeitig als erste Umsetzungshilfe dienen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die Studie gefördert, aber sie sei keinesfalls abgeschlossen. Florian Frank, Referatsleiter für Grundsatzfragen aus dem BMBF, sagte bei der Vorstellung: “Wir werden mit den Kommunen gemeinsam das Thema Datenräume verfolgen, sehen wie diese auf die Handlungsempfehlungen reagieren und ihr Feedback nutzen, um diese weiter zu entwickeln.” Die Studie untersuchte die Städte Emden, Bonn, Dortmund und Köln.

Bei der Studie kam heraus, dass es “meist in den Kommunen an einem systematischen Überblick fehlt und datenbasierte Geschäftsmodelle kaum gefördert werden”, so Schieferdecker. Abhilfe könnte ein gemeinsamer offener Plattformkern für die urbanen Daten sein, der kostengünstig entwickelt werden könnte. Außerdem sei bei der technischen Umsetzung eine offene Referenzarchitektur empfehlenswert, wie in der DIN SPEC für Offene Urbane Plattformen 91357 definiert werde. “Schwieriger wird es im Hinblick auf die Rechtslage, da diese mehrdeutig ausfällt, weil eine Vielzahl von divergierenden Schutzrechten und unterschiedliche branchenspezifische Nutzungsrechte existieren”, erläutert die Professorin. In diesem Zusammenhang trete in der Regel die “faktische Verfügungsgewalt” zu Tage. “Deshalb könnte es hilfreich sein, wenn die kommunale IT eine eigene Infrastruktur für Daten besitzt, wodurch die Kommunen mehr Handlungsspielräume bei der Nutzung von Daten gewinnen”, erörterte Schieferdecker. Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

Mögliche Herangehensweise

Den möglichen Nutzen sowie die Herangehensweise erläuterte Jürgen Germies am Beispiel von Emden: “Die Städte besitzen individuelle Probleme, da helfen die Standardlösungen nicht.” Deshalb haben sich in Emden 25 Akteure wie die Volkshochschule, die Hochschule, das Klinikum, aber auch die Stadtwerke, zusammengesetzt und zuerst eine Vision von der Smarten Stadt Emden entwickelt. “All diese Akteure und ihre Daten, bilden dann den urbanen Datenraum von Emden ab. Auf deren Basis dann beispielsweise eine IoT-Plattform entwickelt wird”, fuhr er fort. Insgesamt seien 16 Projekte wie E-Mobilität, intelligenter Verkehrsfluss- und Parkraumsteuerung oder Glasfaserausbau geplant, die Emden bis 2030 digitalisieren sollen.