Zur Bevölkerungswarnung gehört vor allem die Information

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Erläuterte das Warnsystem in der Schweiz: Dr. Olive Wetter vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz. (Foto: BS/Dombrowsky)

“Beim Starkregenereignis in Münster 2014 sind knapp drei Viertel der Bevölkerung nicht gewarnt worden. Und die, die erreicht wurden, fühlten sich zu großen Teilen nicht genügend informiert”, berichtete Prof. Dr. Henning Goersch von der Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften.

Dieses Ergebnis sei nicht nur auf Münster beschränkt. Für den Kommunikationswissenschaftler liegen die Gründe in einem mangelhaften Feedback. “Warnen ist Kommunikation”, so Prof. Goersch. Das beinhalte auch ein Feedback. Zudem seien im Katastrophen- oder Bevölkerungsschutz unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen. Er plädierte deshalb dafür, ein Warnsystem “von der letzten zur ersten Meile zu denken”, sprich vom Menschen her, der gewarnt werden soll und nicht von der Gefahrendetektion oder der technischen Übermittlung ausgehend. Zugleich sollten Warnungen an die Bevölkerung häufiger evaluiert werden, um Defizite aufzuzeigen, so der Wissenschaftler.

Ein Vorgehen, das die Schweiz bereits praktiziert. 2011 und 2017 sind im deutsch-französischen Teil der Schweiz zwei Befragungen genau zu diesem Thema durchgeführt worden, berichtete Dr. Olive Wetter vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS). Vor sieben Jahren sei die Bevölkerung gegenüber Gefahrenlagen sensibilisiert gewesen, fühlte sich in einer solchen aber ebenfalls schlecht informiert. Allerdings wurden die Absender von Warnungen als vertrauenswürdig eingestuft, so der BABS-Mitarbeiter weiter. Die Studie vom vergangenen Jahr bestätigte diesen Trend. Zwar seien die Sensibilität gegenüber Katastrophenrisiken und die Wahrnehmung von Gefahren noch höher als 2011 gewesen, allerdings sei auch das Informationsbedürfnis gestiegen – insbesondere bei technischen Katastrophen, wie z.B Stromausfällen oder Cyber-Angriffen.