KFOR – Ein Einsatz auf der Zielgeraden!

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In der Nacht vom 24. auf den 25. März 1999 kam es zum ersten Kampfeinsatz deutscher Streitkräfte seit dem Zweiten Weltkrieg: Unter dem Decknamen “Operation Allied Force” beteiligten sich Kampfflugzeuge der Luftwaffe vom Typ “Tornado” ECR an der 78 Tage dauernden NATO-Luftoffensive gegen Jugoslawien.

Vor etwas mehr als 19 Jahren, am 10. Juni 1999, verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Resolution 1244 und einen Tag später wurde vom Bundestag der Einsatz der Bundeswehr gebilligt. Die NATO-Sicherheitstruppe Kosovo Force, kurz KFOR, sollte als erste Aufgabe den Abzug der jugoslawischen Truppen und die Entmilitarisierung des Kosovo überwachen sowie dann die Entwicklung des Kosovo zu einem stabilen, demokratischen, multi-ethnischen und friedlichen Land unterstützen. Bundeswehrkräfte, die sich bereits im Rahmen der “Kosovo Verification Mission” (KVM) vor Ort befanden, marschierten am 12. Juni 1999 in das Kosovo ein. Das Mandat umfasste stolze 8.500 Soldatinnen und Soldaten. Der Beginn eines knapp 20-jährigen Engagements, in dem bisher mehrere zehntausende Bundeswehrsoldaten eingesetzt waren.

Zu Beginn der Mission habe ich als junger Oberstleutnant im Führungszentrum der Bundeswehr im BMVg den Operationsplan der NATO bearbeitet und heute habe ich als Abteilungsleiter für Strategie und Einsatz mit die Weichen für die entscheidenden letzten Meter dieser NATO-Mission gestellt.

Mit Blick auf die überwiegend ruhige und stabile Sicherheitslage in der Republik Kosovo bewerte ich diesen Einsatz trotz verbleibenden Konfliktpotenzials als Erfolg der internationalen Gemeinschaft (IG). Die Ermordung des kosovarisch-serbischen Politikers Oliver Ivanovic am 16. Januar 2018 sowie die Ausweisung des Kosovo-Beauftragten der serbischen Regierung Marko Djuric am 26. März 2018 kann man als Lackmustest für die kosovarischen Sicherheitskräfte bezeichnen.

Es gelang der Kosovo Police, die Situation zu kontrollieren und eine Eskalation zu verhindern. Ein Eingreifen von EULEX (Rechtsstaatlichkeitsmission der Europäischen Union) oder KFOR-Kräften war – wie so oft – nicht erforderlich.

Nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo am 17. Februar 2008 blieb KFOR mit Zustimmung der kosovarischen Regierung weiterhin auf Grundlage der UN-Resolution 1244 im Land. Der Auftrag zielte auf den Erhalt der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und die Überwachung des Militärisch-Technischen Übereinkommens – der Entmilitarisierung des Kosovo Protection Corps (KPC). Weitere Aufgabe war die enge Kooperation mit den Missionen der Vereinten Nationen (UNMIK) und der Europäischen Union (EULEX). Heute können wir feststellen, dass wir mit Geduld und Standhaftigkeit bei der Auftragserfüllung sehr weit gekommen sind.

Die letzte Verlängerung des KFOR-Mandats durch den Deutschen Bundestag erfolgte am 14. Juni 2018. Damit können zwar unverändert bis zu 800 Soldatinnen und Soldaten eingesetzt werden, aber realistisch betrachtet wird dies nicht mehr erforderlich sein. Nachdem in diesem Jahr auch der Auftrag der Operational Reserve Force (ORF) zum 1. Juli erfolgreich abgeschlossen wurde, wechselt für uns der Fokus nun auf den Auftrag “Capacity Building” der Kosovo Security Force und Deutschland ist im Kosovo mit der Gestellung eines Generals als Direktor des NATO Advisory and Liaision Team (NALT) bereits sichtbar präsent. Ein nächster wichtiger Meilenstein ist die Übergabe des ehemaligen “Feldlagers Prizren” in eine zivile Nachnutzung.

Nachdem die hoch über der Stadt liegende Liegenschaft knapp zwei Dekaden lang Soldaten aus unterschiedlichsten Nationen beherbergte, soll nun hier ein ca. 30 Hektar großer kosovarisch-deutscher Innovations- und Technologiepark entstehen. Ein spannendes, zukunftsweisendes, aber vor allem Hoffnung und Beispiel gebendes Projekt. Es unterstreicht das erfolgreiche vernetzte und ressortübergreifende Engagement Deutschlands zur Unterstützung des Kosovo eindrucksvoll.

Wir alle dürfen aber auch vor dem Hintergrund der laufenden und künftiger Einsätze nicht vergessen, dass diese Erfolge immer auch eine Schattenseite haben. 27 Bundeswehr-Kameraden ließen in den 19 Jahren des KFOR-Einsatzes ihr Leben. Mit einem sich langsam abzeichnenden erfolgreichen Abschluss der Mission und mit dem Bewahren der in diesem Fall unbezahlbar teuer gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen können wir ihnen am besten gedenken.

Der Einsatz auf dem Balkan hat mich nahezu die Hälfte meiner Dienstzeit begleitet und ich habe erlebt, wie die Streitkräfte an diesem, wie auch den anderen Einsätzen gewachsen sind. Mit Blick zurück bin ich stolz, was wir als Bundeswehr, gerade auch auf dem Balkan, geleistet haben.

 

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