Mehr Geld für Verteidigung – es wird auch dringend benötigt

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In den kommenden Jahren werden in Deutschland wichtige rüstungspolitische Weichen gestellt. Dabei geht es auch um viel Geld. Deshalb stehen zahlreiche in- und ausländische Unternehmen im Wettbewerb zueinander.

Nach bisheriger Planung soll die Einführung des künftigen Taktischen Luftverteidigungssystems (TLVS) ab 2025 beginnen. Die Systemgesamtkosten sollen sich zwischen vier und zehn Milliarden Euro bewegen, wobei der deutsche Anteil mindestens eine Milliarde Euro beträgt.
Für das TLVS stehen zwei Produkte in unmittelbarer Konkurrenz: das Flugabwehr-Raketensystem “Patriot” des US-Herstellers Raytheon und das “Medium Extended Air Defense System” (MEADS), das vom US-Konzern Lockheed Martin zusammen mit MBDA Deutschland und MBDA Italia entwickelt worden ist.

Ab etwa 2025 soll auch die Euro-Drohne von Airbus, Dassault und Leonardo für MALE (“medium-altitude, long-endurance”) verfügbar sein. Als Übergangslösung soll die bewaffnungsfähige “Heron TP” von IAI (Israel Aerospace Industries) und in Kooperation mit Airbus gekauft werden. Aktuell wird dieses Beschaffungsvolumen auf rund 900 Millionen Euro beziffert.
Für den in die Jahre gekommenen Schweren Transporthubschrauber CH-53G wird ein moderner Nachfolger gesucht. Die Kosten für ein Ersatzmodell werden auf ca. vier Milliarden Euro geschätzt.

Airbus Helicopters hat keinen großen Cargo-Hubschrauber im Angebot. Deshalb werden die beiden großen Helikopter-Hersteller aus den Vereinigten Staaten diesen Wettbewerb wohl unter sich ausmachen. Marktverfügbar ist zum einen der CH-47F “Chinook” von Boeing und zum anderen der CH-53K “King Stallion” von Sikorsky.
Als Übergangslösung bis zur vollen Einsatzbereitschaft des deutschen Airbus-Transportflugzeugs vom Typ A400M wird Deutschland sechs C-130J “Super Hercules” von Lockheed Martin beschaffen. Diese zusätzlichen Kosten sollen sich auf ca. 1,1 Milliarden Euro belaufen.
Auch bei den Kampfflugzeugen sind Modernisierungen angesagt. Dies gilt insbesondere für das Mehrzweck-Kampfflugzeug “Tornado”, das in den 1980-er Jahren zum Stückpreis von 30 Millionen D-Mark eingeführt wurde.

Während die deutschen “Tornados” noch bis maximal 2035 fliegen sollen, will Großbritannien seine “Tornados” bereits ab kommendem Jahr ausmustern. Nachfolger in der RAF wird die bereits im Zulauf befindliche F-35A “Lightning II” der 5. Generation von Lockheed Martin.
Auch hierzulande positioniert sich Lockheed Martin für die “Tornado”-Nachfolge mit seiner F-35A. Das BMVg scheint jedoch mittlerweile einen modernisierten Eurofighter zu präferieren, um dann gemeinsam mit Frankreich einen Nachfolger der 6. Generation für den Eurofighter und die “Rafale” zu entwickeln und zu bauen. Im Juli des vergangenen Jahres hatte nämlich der deutsch-französische Ministerrat in Paris das FCAS-Projekt (“Future Combat Air System”) beschlossen. Eingeführt soll dieses System dann ca. zwischen 2035 und 2040 werden. Ausdrücklich sind auch andere europäische Staaten eingeladen, sich an diesem bisher bilateralen Projekt zu beteiligen.
Im Juli dieses Jahres ist es Großbritannien auf der Farnborough Air Show gelungen, die Fachwelt zu überraschen: Erstmals wurde ein Modell im Originalmaßstab des künftigen Kampfflugzeuges “Tempest” der 6. Generation vorgestellt, das zwischen 2025 und 2035 von BAE Systems, Leonardo und MBDA entwickelt werden soll, um die britischen Eurofighter abzulösen. Bereits bis 2025 stehen zwei Milliarden Pfund Sterling für den Anlauf des Programms zur Verfügung.

Die deutsch-französische Panzer-Holding KNDS (KMW + Nexter Defense Systems) hat auf der diesjährigen Rüstungsmesse Eurosatory bei Paris den hybriden Demonstrator des “European Main Battle Tank” (E-MBT) erstmals öffentlich ausgestellt. Das Chassis stammt vom “Leopard 2” von KMW, der Turm – inklusive Ladeautomatik – von Nexters “Leclerc”. Ab etwa 2030 will die Bundeswehr das Projekt MGCS (“Main Ground Combat System”) als Nachfolger für den Kampfpanzer “Leopard 2” realisiert haben. KNDS spekuliert insgesamt auf rund 50 Milliarden Euro für gepanzerte Systeme und Artillerie in Europa bis zur Mitte des Jahrhunderts.

Bei der Marine schließlich steht die Beschaffung von zunächst vier Mehrzweckkampfschiffen (MKS) 180 im Wert von 3,5 Milliarden Euro an. Diese sollen ab 2023 den Seestreitkräften sukzessive zulaufen. Hierbei stehen die German Naval Yards aus Kiel und die niederländischen Damen-Werft im Wettbewerb.