Fraunhofer FKIE präsentierte neueste Entwicklungen

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Die Bundeswehr und die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben von Bund und Ländern stellen seit einiger Zeit mehr und mehr die neuen Bedrohungen aus dem digitalen Raum in ihren Fokus.

Zum ersten April hat sich das Zentrum für Cyber-Sicherheit neu aufgestellt, der CISO der Bundeswehr wurde installiert, und das Zentrum für Cyber-Operation wurde eingerichtet. Für den Inspekteur des Kommando Cyber- und Informationsraum, Generalleutnant Ludwig Leinhos, ist “der Schutz der Cybersicherheit heute ein essentieller Bestandteil” der Verteidigungsstrategie für Deutschland und seine Verbündeten, wie er am Mittwoch in seiner Keynote auf dem Technologieforum des Fraunhofer FKIE erklärte. In Wachtberg bei Bonn wurden im Rahmen des Forums neue Strategien und Technologien zu digitalen Bedrohungsszenarien diskutiert und vorgestellt. Mehr als 300 Besucher setzten sich dabei mit der Frage auseinander, wie sich das Berufsbild des Soldaten durch die digitale Welt ändert und welche Herausforderungen in Zukunft auf die Streitkräfte warten. Auch Fragestellungen der Ethik bei der Arbeit mit autonomen Systemen und Künstlicher Intelligenz (KI) definierte der Inspekteur als zentrale Themenkomplexe. Hier sprach er sich zudem dafür aus, dass “der Mensch ohne Wenn und Aber jederzeit die letzte Entscheidungsgewalt haben muss”. Diese könne und dürfe ihm keine KI jemals abnehmen.

Digitale Einsatzzentrale und Drohnen-Jammer

Im Rahmen der Ausstellung wurde unter anderem eine digitale “Operationszentrale der Zukunft” für Fregatten vorgestellt. In einem großen Panoramadisplay im Inneren der Einsatzzentrale soll so die Außenwelt nach innen geholt werden, um die Besatzung beim Einsatz der Angriffs- und Verteidigungssysteme zu unterstützen. Dazu präsentierte Fraunhofer einen Störsender für Signale der Drohnensteuerung. Da das Militär herkömmliche Funksysteme zum Zünden von Sprengfallen gut stören kann, greifen Anwender dieser Fallen inzwischen häufig auf den besonders robusten Drohnenfunk zurück. Eine Störung dieser Signale sind wichtig, da seit dem zweiten Golfkrieg mehr Soldaten durch diese Art von Sprengfallen gestorben sind als durch konventionelle Kampfhandlungen. Weitere Neuentwicklungen auf dem Technologieforum waren unter anderem ein mobiler Funkpeiler, der mithilfe von Akustiksensoren und Anhand verschiedener Geräusche wie Mündungsknall und Überschallknall zur Lokalisierung feindlicher Schützen eingesetzt werden kann. Zusätzlich wurde ein Robotersystem vorgestellt, mit dem die Roboter verschiedener Nationen nach einem einheitlichen NATO-Standard auf möglichst unkomplizierte Weise miteinander kompatibel gemacht werden sollen.

Beschaffungsvorgaben bleiben problematisch

Im weiteren Gespräch mit dem Behörden Spiegel formulierte nicht nur General Leinhos, sondern auch der Leiter des Fraunhofer FKIE, Prof. Dr. Peter Martini, dass die langwierigen und komplexen Beschaffungsregularien für digitale Systeme schwierig seien. Zum einen sei die digitale Entwicklung häufig zu schnell für lange Ausschreibungs- und Beschaffungsprozesse; zum anderen sei das juristische Fachpersonal für die Vergabethematik aktuell auf wichtige Großprojekte fokussiert, sodass für kleinere, im Alltag aber wichtige Vergabevorgänge Personalengpässe auftreten würden. Zudem seien Produkte aus der Sicherheitsforschung häufig nur für einen begrenzten Anwenderkreis aus BOS oder Streitkräften interessant, dennoch sei aufgrund der Volumina eine öffentliche Ausschreibung nötig, die Ressourcen binde. Eine Ausschreibung könne nur ausfallen, wenn das Produkt ein leistungstechnisches Alleinstellungsmerkmal mit sich bringe, das es von allen anderen Konkurrenzprodukten entscheidend abhebe. Die komplexe Beschaffungssituation werde nicht nur von der Management-Ebene, sondern auch von den Anwendern in den Fachabteilungen als verbesserungswürdig beschrieben.