“19 Prozent stehen nur rum”

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Präsident des Deutschen Städtetages und Oberbürgermeister der Stadt Münster, Markus Lewe, fordert für die Kommunen mehr Geld, um die Verkehrswende voranzutreiben. (Foto: BS/Bednarski)

“Städte leiden unter vier chronischen Grundmängeln: Frische Luft, Zeit, Raum und Geld”, merkt Markus Lewe, Präsident des Deutschen Städtetages und Oberbürgermeister der Stadt Münster an. Um eine Verkehrswende einzuleiten brauche es neben Geld auch mehr Raum für die Einwohner, betonte er auf der 2. Konferenz “Städte als Orte der Verkehrswende” von Agora. Einige Best-Practice-Beispiele wurden dort vorgestellt.

Zwei Milliarden mehr pro Jahr für die nächsten zehn Jahre, fordert der Präsident von der Bundesregierung, damit die Verkehrswende gelingen würde. Gleichzeitig sollen auch die Entflechtungsmittel nach 2019 von den Ländern an die Kommunen fließen. “Wenn man überlegt, dass der öffentliche Raum zu einem nicht unerheblichen Teil von Autos belegt wird – 19 Prozent, stehen rum und werden nicht genutzt. Und häufig werden die benutzt, für zwei bis drei Kilometer Wege. Wir brauchen alternative Wege, um die Bürgerschaft zu begeistern, umzusteigen. Es deutlich zu machen, es ist ein hohes Lebensgefühl”, so Lewe.

Weniger Stickstoffoxid

Auch stellten die drei Städte Potsdam, Bremen und Stuttgart ihre Projekte vor, mit denen sie jeweils eine eigene Verkehrswende einleiten.
In Potsdam wurde die Zeppelinstraße, welche Stickstoffoxid über dem Grenzwert aufwies, umgestaltet. “Nachdem weder die Verflüssigung des Verkehrs, noch dessen Zusammensetzung sinnig erschienen, haben wir beschlossen die Verkehrsmenge zu reduzieren”, erläutert Norman Niehoff, Bereichsleiter für Verkehrsentwicklung der Landeshauptstadt. Dies sei jedoch auf viel Kritik gestoßen und so wurde das Projekt probehalber für sechs Monate umgesetzt: Tempo-30, verlängerter Busspur, Taktverdichtung des ÖPNV mit dem Umland, Ausbau des Park+Ride am Stadteingang sowie eine höhere Taktung der Busse auf der Strecke und ein Radweg waren umgesetzte Maßnahmen. Das Ergebnis sei eine Senkung der Stickstoffoxid-Werte um bis zu sechs Mikrogramm. Wobei, dies gestand er ein, in den Nebenstraßen die Werte um bis zu einem Mikrogramm gestiegen seien. “Aktuell versandet das Projekt. Viele wissen, dass es positiv war, aber es kann nicht im Großen und Ganzen gefeiert werden. Momentan wird eine Verstetigung geprüft”, schloss er dabei ab.

Wo ist der Platz?

Stuttgart hingegen hat verschiedene Projekte in der Umsetzung. Eines davon ist die Neunutzung des Österreich Platzes. “Niemand wusste eigentlich wo dieser Platz liegt, obwohl er eine eigene U-Bahnstation besitzt”, erläutert Hanna Noller von der Universität Stuttgart aus dem Städtebau-Institut. Der Platz wurde wiedergefunden: Er diente als reiner Parkplatz unter einer Autobahn. Mittlerweile wurde er teilweise umfunktioniert. Nun finden dort Straßenchöre statt, Treffen jeglicher Art und Live-Musik. “Dies ist erst einmal alles experimentell. Knapp eineinhalb Jahre kann der Platz nun vielseitig genutzt werden”, so Noller.

Fahrradstraßen einführen

Bremen hingegen setzt stark auf den Radverkehr und etabliert das Fahrradmodellquartier Alte Neustadt. Alte Kopfsteinpflaster werden abgebaut oder aktuell mit Asphalt gefüllt. Gehwege erhalten sogenannte Gehweg-Nasen, damit mehr Platz an Straßenecken herrscht. Zudem werden Hilfen für die Straßenüberquerung eingebaut und ein Fahrrad-Repair-Café soll vor dem Campusgelände entstehen. Abgerundet wird von dem großen Ziel, dass alle Straßen in dem Fahrradquartier zu Fahrradstraßen werden, ähnlich den Fußgängerstraßen, wo Autofahrer mehr Rücksicht nehmen müssen. Sogar ein eigenes Schild soll hierfür eingeführt werden.

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