Kommentar: Die richtige Mischung finden

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Knapp 50 Mio. Euro fehlen laut KfW-Bank allein für die Instandsetzung der Schulen und Schwimmbäder. Politisch unbestritten sind die Investitionen in die Schulgebäude. Anders bei den Schwimmbädern. Sie zählen zu den sogenannten freiwilligen kommunalen Aufgaben. Das macht es jedoch nicht einfacher.

Seit den 1980er-Jahren haben Stadt- und Gemeinderäte entsprechend der konjunkturellen Lage in Infrastrukturprojekte investiert. Nicht immer sind die richtigen Entscheidungen getroffen worden. Aber der lokale Stolz musste oftmals befriedigt werden. Es galt, in jedem Dorf eine Festhalle oder ein Dorfgemeinschaftshaus zu errichten und zu unterhalten. Im Gegenzug wurden kleinere Sanierungsarbeiten bei anderen Einrichtungen zurückgestellt. Das rächt sich heute.

In den letzten zehn bis zwölf Jahren sind zahlreiche Badeanstalten geschlossen worden . Entsprechend laut ist der Ruf nach dem Erhalt der übrigen Frei- und Hallenbäder. Aber ist er bei jedem einzelnen Bad auch gerechtfertigt? Einerseits ist es eine Frage des Geldes. Wenn die Sanierungskosten höher sind als die Kosten für einen Neubau, sollte über diese Alternative nachgedacht werden. Andererseits kommt es auf die regionale Verteilung an. Am Beispiel einer nordhessischen Kommune wird dies deutlich. Diese hat gerade einmal 5.000 Einwohner, verteilt auf neun Ortsteile, aber zwei Schwimmbäder. Dabei sind im Umkreis von 17 Kilometern fünf weitere Frei- und Hallenbäder zu erreichen. Aber: Die Bäder existieren seit über 60 Jahren. Sie sind für die Einwohner ein Stück Heimat. Weshalb sich die Bürger in den 2000er-Jahren per Bürgerentscheid gegen die Schließung eines der beiden Bäder ausgesprochen haben. Die gehören zur regionalen Identität, wenn nicht sogar zur kulturellen Identität. Das wiederum ist der Titel eines Referats in der neuen Heimatabteilung im Bundesinnenministerium (BMI). Das BMI kann nicht nur, sondern muss hier die Städte und Gemeinden unterstützen.

Denn obwohl die Frei- und Hallenbäder zu den freiwilligen Leistungen der Kommunen zählen, gehört das Schwimmen zum festen Fächerkanon der Schulen. Schwimmen ist ein Bestandteil des Bildungsauftrags. Folglich müssen genügend Orte zur Verfügung stehen, damit die Schüler schwimmen lernen können!

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