“Besucher sind das beste Frühwarnsystem”

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Berlin setzt auf ein Mischwald-Programm und hat diesbezüglich zwei Studien veröffentlicht. “Die Berliner lieben ihre Wälder für Erholungszwecke, aber die Wälder bringen noch weitere existentielle Funktionen mit sich”, erläutert Stefan Tidow, Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt. Brandschutz und Grundwasser sind dabei die Schlagwörter, die vor dem Hintergrund der Hitzeperiode an Bedeutung gewonnen haben.

“Der Hitzesommer schärfte das Bewusstsein der Bürger für den Klimawandel, deutlicher als die Sprache der Wissenschaft”, fuhr Tidow fort. Wie wichtig die Wälder sind, zeigte er anhand folgender Zahlen auf: 30 Prozent der Berliner Grundwasserneubildung werde aus den Berlinern Wäldern bzw. der Brunnen in den Wäldern gewonnen.

Aber: Kiefern, wie sie in den Berliner Wäldern mehrheitlich vorzufinden sind, seien für diese Gewinnung nachteilig, so Dr. Klaus Möller vom Umweltvorhaben Berlin Brandenburg (UBB) als Mitarbeiter der Studie “Die Berliner Wälder und ihre Bedeutung für die Ressource Wasser”. Denn Nadelholz benötige ganzjährig Wasser. Wohingegen Laubwälder im Herbst ihre Blätter verlieren und dann bis zum Frühjahr wesentlich weniger Wasser benötigten. Deshalb werde ein Laubwaldanteil von 35 Prozent auf 60 Prozent angestrebt. Dadurch würde 44 Prozent mehr Sickerwasser gewonnen, somit mehr Grundwasser und schließlich mehr Trinkwasser zur Verfügung stünde.

Robuste Mischwälder

“Der Berliner Wald ist zwar unterdurchschnittlich von Bränden betroffen”, betonte Elmar Lakenberg, Leiter der Berliner Forsten. Aber sie seien auch hinsichtlich eines Feuers robuster, weshalb Mischwälder dementsprechend Großbrände unterbinden würden. “Aber der beste Schutz sind die Besucher. Dank Smartphones können diese früh auf einen sich anbahnenden Brand aufmerksam machen, wodurch wir größere verhindern können.” Um die Entstehung von Mischwäldern voranzutreiben, würden deshalb mehr Birken, Buchen und Eichen gepflanzt. Jedoch habe die Hitze die Setzlinge verdorren lassen, weshalb diese neu gesetzt werden müssen.

Eine zweite Studie, “Der Beitrag der Berliner Wälder zum Klimaschutz Berlins”, widmet sich unter anderem dem Thema Kohlenstoffdioxid (CO2) und dessen Neutralisierung bzw. Speicherung. “Circa elf Tonnen CO2 werden in den Berliner Wäldern in den Böden gebunden”, sagte Tidow bei der Vorstellung der Studie. Um jedoch das ausgestoßene Kohlenstoffdioxid der Berliner komplett klimaneutral zu verarbeiten, brauche es 1,8 Mio. Hektar Wald. Berlin sowie die Waldfläche im angrenzenden Brandenburg umfassen nur knapp 28.500 Hektar. “Jedes Jahr werden weitere 335.000 Tonnen CO2 aus der Atmosphäre durch die Berliner Wälder, Böden und als Substitutionsleistungen entzogen”, schloss Dr. Joachim Rock vom Thünen-Institut für Waldökosysteme ab.

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