Transporter für alle Fälle

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In kommunalen Fuhrparks stehen die unterschiedlichsten Fahrzeuge, vom Pkw über den Kleintransporter bis zum Bus. Anders lässt sich die Vielfalt der Aufgaben auch gar nicht erledigen. Aber ist bei derart breit gefächerten Anforderungen der jetzt geforderte Umstieg auf Elektromobilität überhaupt machbar?

Grünflächenamt, Hoch- und Tiefbauamt, Stadtwerke oder Schulamt – die Nutzerliste kommunaler Fahrzeuge ist lang. Alle haben ihre ganz eigenen Anforderungen, sowohl im Hinblick auf die Größe als auch die Ausstattung. Der überwiegende Teil der Fuhrparks der Gebietskörperschaften ist derzeit noch mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet. Das soll sich möglichst bald ändern, sowohl aus Gründen der Luftreinhaltung als auch vor dem Hintergrund der kommunalen Vorbildfunktion. „Die Kommunen sind Multiplikatoren innovativer und nachhaltiger Konzepte und Technologien. Vor Ort kann auch die Elektromobilität im Alltag sichtbar und „erfahrbar“ werden“, sagt Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.

Viele Anforderungen, wenig Angebot

Aber ist das in der Praxis überhaupt leistbar? Denn die Unterschiede sind groß: Während die Stadtreinigung viele unterschiedliche Spezialfahrzeuge braucht, benötigt die Friedhofsverwaltung eher Standardaufbauten wie Kipper und der mobile Monteur für die Schulen wünscht ein Kofferfahrzeug für Werkzeuge und Ersatzteile. Gleichzeitig ist der Markt im Bereich elektrisch angetriebener Nutzfahrzeuge jenseits der Größe eines Pkws sehr begrenzt.

Welche E-Mobile sind im Nutzfahrzeugbereich überhaupt gefragt? Hier sprechen die Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes eine klare Sprache: Die Masse der knapp über drei Millionen in Deutschland zugelassenen Nutzfahrzeuge sind Transporter mit einem zulässigen Gesamtgewicht bis 3,5 Tonnen, nämlich 2,5 Millionen. Die Verteilung in den Fuhrparks der Städte und Gemeinden dürfte ganz ähnlich aussehen. Und genau in diese Klasse fällt der StreetScooter des gleichnamigen Aachener Unternehmens.

Praxistauglich und vielfältig
Deutschlands bislang erfolgreichstes E-Mobilitätsprojekt nahm seinen Anfang mit der Überlegung des Aachener Lehrstuhlinhabers für Produktionsmanagement, Professor Achim Kampker, im Hochlohnland Deutschland einen bezahlbaren Elektrotransporter zu entwickeln. 2014 begann die Partnerschaft mit der Deutsche Post DHL Group, deren hundertprozentige Tochter die StreetScooter GmbH inzwischen ist. Mehr als 7.000 StreetScooter Work haben im Zustelleinsatz inzwischen über 35 Millionen Kilometer zurückgelegt, die Praxistauglichkeit ist damit bewiesen.

Dabei sind die StreetScooter längst nicht mehr auf die Rolle des Paketlieferfahrzeugs beschränkt. Das beweisen die Standardmodelle Work und der etwas größere Work L vielfach. Beide sind ganz nach den individuellen Anforderungen der jeweiligen Kommune konfigurierbar. Die Flexibilität der Modelle liegt in der besonderen Philosophie des Unternehmens begründet. „Wir bauen kein Auto, sondern ein Werkzeug auf Rädern. Die Kunden können ihren StreetScooter individuell zusammenstellen. Also mit Pritsche, mit Box, mit Kipper, ganz nach den jeweiligen Bedürfnissen der Branche. Im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge sind wir so Marktführer geworden“, sagt StreetScooter-CEO Prof. Dr. Achim Kampker.

Kipper oder Box – beide gut

Zwei Beispiele aus der kommunalen Praxis zeigen die Vielseitigkeit des elektrisch angetriebenen Werkzeugs auf Rädern. So setzt das Grünflächenamt der Stadt Bonn fünf StreetScooter ein, vier davon mit Drei-Seiten-Kipper, einer mit Koffer. Die praktischen Erfahrungen sind dabei sehr gut. „Sie sind absolut alltagstauglich und haben genug Reichweite, um die im täglichen Einsatz erforderlichen Strecken zurückzulegen. Auch das Handling bewerten die Fahrerinnen und Fahrer sehr positiv“, sagt der Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan. Die Beschaffung weiterer Fahrzeuge ist geplant, sobald die entsprechenden Förderbescheide vorliegen.

In einem ganz anderen Bereich sind die beiden StreetScooter der Stadtwerke Krefeld (SWK) unterwegs. Sie sind mit einem Kofferaufbau ausgestattet und werden als Werkstattwagen im Straßenbahnbetrieb und als Gerätefahrzeug für Reinigungstrupps an Haltestellen eingesetzt. Die praktischen Erfahrungen sind bisher positiv, vor allem der für ein Elektrofahrzeug große Laderaum kommt gut an. Die SWK kalkulieren mit einer Nutzungsdauer von bis zu zehn Jahren bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometer und mehr pro Fahrzeug.

Auch ökonomisch sinnvoll

Ein Fahrzeug, viele Einsatzmöglichkeiten. Viele Gründe sprechen dafür, einen großen Teil des kommunalen Fuhrparks durch einen sauberen und leisen E-Transporter wie den StreetScooter zu ersetzen. Auch der Kämmerer wird sich dem Umstieg auf Elektromobilität nicht verschließen, denn der Kostenvergleich ist eindeutig: Zum einen fahren die E-Nutzfahrzeuge im Betrieb eindeutig günstiger als Verbrennermodelle: Wartung und Instandhaltung, Kraftstoff- beziehungsweise Stromkosten, Steuer und Versicherung sind hier deutlich niedriger. Zum anderen gibt es bei der Anschaffung zahlreiche Förderprogramme von Bund und Ländern. Nordrhein-Westfalen zum Beispiel bezuschusst den Kaufpreis von elektrisch betriebenen Nutzfahrzeugen für Kommunen mit bis zu 40 Prozent.

Checkliste E-Fahrzeug für Kommunen

Macht der Ersatz eines konventionellen Fahrzeugs durch einen Elektrotransporter Sinn? Wenn die Mehrzahl der folgenden Fragen mit JA zu beantworten ist, auf jeden Fall:

• Liegt die Tagesfahrleistung bei unter 150 Kilometern?
• Sind regelmäßig weniger als 1.000 Kilogramm zu transportieren?
• Fahren Ihre Fahrzeuge selten oder nie mehr als 85 Stundenkilometer?
• Fahren in Ihrem Fahrzeug selten mehr als zwei Personen mit?
• Liegen zwischen zwei Arbeitsschichten mindestens acht Stunden?
• Können die Fahrzeuge über Nacht auf dem Betriebshof geladen werden?
• Verlangen Politik und/oder Gerichte dezidierte Maßnahmen zur Erfüllung des Luftreinhalteplans?

StreetScooter ist auf der IAA Nutzfahrzeuge in Halle 13, Stand 73 vertreten.

Den Gastbeitrag schrieb Kai Ortmann, Freier Journalist, Bonn.

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