Auf dem Marktplatz der Daten

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Wenn Daten der wichtigste Rohstoff der Zukunft sind, dann sind funktionierende Datenmarktplätze die Basis für die Wirtschaft von morgen. Derzeit steuern die digitalen Märkte jedoch auf die Bildung von Oligopolen zu. Zwischen den großen erfolgreichen datensammelnden Plattformanbietern aus USA und Asien kommt aus Europa nur wenig Konkurrenz. Und die hat es zunehmend schwerer gegen die Datenriesen, die ihre Angebote durch Weiterentwicklung oder durch Fusionen zu ganzen Ökosystemen ausbauen. So bietet Suchmaschinenanbieter Google mittlerweile eine Komplettlösung für die Navigation mitsamt Routenplaner für Auto, Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel. Der Onlineversand-Händler Amazon bietet Streamingdienste für Video und Musik. Beide versuchen ihre Sprachassistenten als zentrales Steuerelement für die smarten und zunehmend vernetzten Domizile und Fahrzeuge der Nutzer zu etablieren.

Die Strategie: Nutzer durch häufig kostenlose Angebote binden, eine möglichst breite Palette an digitalen Diensten miteinander verknüpfen und die Hürde zum Wechsel zu anderen Ökosystemen hochhalten. Die Zusammenführung über viele eigene Dienste macht die gesammelten Daten der Nutzer umso wertvoller – sowohl für die stetige Verbesserung und Ausweitung des eigenen Angebots als auch für die zielgerichtete Werbung.

Aus wettbewerbspolitischer Sicht besteht Handlungsbedarf, weil die Märkte zunehmend auf wenige Marktteilnehmer aufgeteilt werden und Neueinsteiger gegen die Ökosysteme nicht konkurrenzfähig sind. In einer Sitzung der Arbeitsgruppe Innovativer Staat der Initiative D21 wurde über Handlungsoptionen der Aufsichtsbehörden diskutiert. Weitgehend Einigkeit herrschte darüber, dass aktive Eingriffe grundsätzlich nötig sein werden, um die Märkte offen für Teilnehmer und langfristig auch für Innovationen zu halten und Missbräuchen vorzubeugen. Angesprochen wurde die Schwierigkeit, dass Verfahren und Untersuchungen der Marktaufsicht in Deutschland und Europa so langwierig seien, dass in den schnelllebigen und dynamischen digitalen Märkten die Konkurrenz im Zweifel schon gestorben sei, bevor Maßnahmen greifen können. Abhilfe könne ein eher präventiver Ansatz bieten, so ein Vorschlag. Statt nur auf Ebene der Einzeldienste zu vergleichen, seien die Ökosysteme als Ganzes zu betrachten. Dann könne beispielsweise der strategische Aufkauf von Unternehmen unterbunden werden, die erst in Zukunft Konkurrenten würden.

Datenmarktplätze im öffentlichen Sektor?

Auch für den digitalen Staat spielen Daten eine zunehmend wichtige Rolle. Um mehr Nutzen aus ihnen ziehen zu können, schlug Prof. Peter Parycek, Leiter des Kompetenzzentrum Öffentliche IT (ÖFIT) vor, den Staat in Zukunft als einen Manager von Datenmarktplätzen verstehen. Ziel sei es dabei, Ressourcen des Staates mit denen beteiligter Stakeholder intelligent zu verknüpfen, um Mehrwerte zu schaffen. Konkret machte Parycek den Ansatz anhand eines Modells für die digitale Abwicklung von Verwaltungsdienstleistungen. “Heute ist der Bürger häufig für den Transport von Daten zuständig – in vielen Fällen sogar in zwei Richtungen”, sagte Parycek. So erforderten alltägliche Vorgänge wie das Mieten einer Wohnung oder der Kauf eines Fahrzeugs eine Herausgabe von Daten zum einen an ein Unternehmen und zum anderen an die zuständige Meldebehörde. Paryceks Vorschlag: “Warum sollte nicht der Verkäufer oder Vermieter mit den ohnehin vorliegenden Daten die Anmeldung von Wohnung oder Kfz veranlassen?”

Der Bürger könnte seine strukturierten Daten aus dem Datensafe seines Bürgerkontos über eine technische Schnittstelle zur digitalen Vertragserstellung dem Unternehmen zukommen lassen und im selben Zuge der automatischen Meldung beim Einwohnermeldeamt oder der Kfz-Zulassungsstelle zustimmen. Eine eigene technische Infrastruktur wäre für dieses Szenario nicht vonnöten, es müssten nur die entsprechenden Schnittstellen in den aktuellen und zukünftigen Projekten mitgeplant werden, erklärte Parycek.

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