BSI befasst sich mit angeblichen Spionage-Chips

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Nach Berichten über Spionage-Chips in Serverhardware chinesischer Hersteller ist nun das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aktiv geworden. Eine Einschätzung des Wahrheitsgehalts der Vorwürfe sei derzeit zwar nicht möglich, die Cyber-Sicherheitsbehörde nehme die Vorwürfe jedoch sehr ernst und prüfe die Berichte. Apple und Amazon habe man um Stellungnahmen gebeten. Auch mit Herstellern, die für den Einsatz in der Bundesverwaltung zugelassen seien, stehe man in Kontakt, um ein Lagebild über mögliche Betroffenheit und Sicherheitsmaßnahmen zu erstellen.

Den Berichten zufolge sollen US-Behörden bereits seit Jahren verdeckt ermitteln, weil winzige Spionage-Chips in Produkten der chinesischen Firma Super Micro eingeschleust worden sein sollen. Dahinter vermute man den chinesischen Militärgeheimdienst. Davon sollen bis zu 30 Unternehmen betroffen sein, namentlich Apple und Amazon. Beide Konzerne dementierten den Verdacht entschieden. Der US-Heimatschutz und die britische Cyber-Sicherheitsbehörde NCSC teilten mit, dass es keinen Grund gebe, an den Dementis zu zweifeln.

Gefährdet wären nicht nur die Unternehmen selbst, sondern womöglich auch deren Kunden, weil Daten aus Cloud-Servern abgezogen werden könnten. Indirekt könnte so auch die deutsche Wirtschaft betroffen sein, wie der Digitalverband Bitkom warnte. Der FDP-Fraktionsvize Michael Theurer sieht sogar die Gefahr gezielter Industriespionage hierzulande und forderte von der Bundesregierung schnelle Aufklärung der Gefährdungslage.

Das BSI hält das beschriebene Szenario durchaus für möglich. Hardwaremanipulationen zu Spionagezwecken seien ein bekanntes Problem. “Chips können heute in sehr kleinen Abmessungen produziert und nahezu unerkannt in vorhandene Schaltungen eingebracht oder versteckte Funktionen direkt in den Schaltplänen berücksichtigt werden”, heißt es aus der Behörde. “Eine Erkennung, sogar mit Mitteln der Röntgentechnik, ist bei gut durchgeführten Manipulationen kaum möglich.” Letztlich sei man auf die vollständige Kontrolle der Lieferkette und Vertrauen in die Hersteller zurückgeworfen.

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