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Jeder Einzelne aufgerufen

“Die Tatsache, dass es mittlerweile einen Kongress braucht, ist erschütternd. Wir sind Jahrzehnte zu Fuß gegangen und nun müssen sich Fußgänger rechtfertigen”, kritisierte Dr. Rena Wandel-Höfer, Architektin und Stadtbaurätin a.D. Saarbrücken, auf der Politischen Abendveranstaltung des Fußverkehrskongresses 2018. Ein exemplarisches kommunales Beispiel stellte dabei die Stadt Wien dar.

“Es ist ungewöhnlich, dass in einem Autoland wie Baden-Württemberg ein grüner Ministerpräsident regiert. Aber dies spiegelt nur das wachsende Bewusstsein für die Probleme eines Autolands wider”, so Winfried Hermann, Verkehrsminister aus Baden-Württemberg. Seit 20 Jahren habe ein Wandel hinsichtlich der Stadtplanung eingesetzt. Aber die alten Strukturen würden weiterhin fortbestehen und seien oft auf Pkws ausgerichtet. “Der Bund müsste meines Erachtens zwingend eine Strategie für den Fußverkehr entwerfen.”

Ideen für eine Strategie

Eine Forderung, der das Umweltbundesamt (UBA) in Teilen nachkam. Dr. Harry Lehmann, Fachbereichsleiter I “Umweltplanung und Nachhaltigkeitsstrategien” vom UBA schlug Grundzüge einer bundesweiten Fußgängerstrategie vor. Hierfür könne beispielsweise die Straßenverkehrsordnung verändert werden, um den Fußgängern mehr Vorrang einzuräumen oder innerorts eine Regelgeschwindigkeit von 30 km/h zu errichten. Zudem könne außerdem eine Öffnungsklausel für die Kommunen etabliert werden, damit diese mehr Gestaltungsspielräume erhalten würden. Das Ziel sei es, bis 2030 die Anzahl der Fußgänger um die Hälfte zu steigern, die tödlichen Fußgängerunfälle um 20 Prozent zu reduzieren und die Barrierefreiheit voranzutreiben.

Hermann vertrat dabei die Position, dass der Bund, die Länder und die Kommunen sich gemeinsam engagieren müssten. Aber: “Wir müssen davon weg kommen, dass die Politik alle Probleme löst. Jeder Einzelne hat eine Entscheidungsmöglichkeit und dies hängt nicht von der Politik ab. Jeder Einzelne und die Bürgerschaft müssen sich engagieren und ihre Stadt mitgestalten”, appellierte er.

Eine lebenswerte Stadt

Wien hat bewusst den Fußverkehr gefördert. 1993 hatte der Autoanteil am Verkehr noch 40 Prozent betragen. Bis 2016 hat sich dieser um 13 Prozent verringert. Als ein Erfolgsprojekt bewertete Rüdiger Maresch, Landtagsabgeordneter in Wien, das 365 Euro- Ticket für den ÖPNV, welches mit zum Umstieg animiert habe. Die Zahl der Verkäufe habe sich von 280.000 auf 780.000 pro Jahr gesteigert. Zudem sei ein flächendeckendes Tempo-30-Limit in der Stadt eingeführt worden. Insgesamt würden 77 Prozent der Wiener zu Fuß gehen und dies 26 Minuten am Tag. Zudem seien die Flaniermeilen ausgebaut worden, die sich durch Trinkbrunnen, Gehsteigverbreiterungen und genügend Sitzmöglichkeiten – ohne Konsumzwang – auszeichnen würden.

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