CIR als wichtiger Teil einer gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge

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Die Digitalisierung ist das Megathema der Zukunft. Der technische Fortschritt ermöglicht Verbesserungen in allen Bereichen des Lebens und der Gesellschaft, so auch für die Bundeswehr. Viele alltägliche Dinge sind einfacher und schneller geworden, es sind aber auch Herausforderungen und Gefahren entstanden, vor denen wir uns schützen müssen. Viele Staaten und Unternehmen betrachten die Risiken aus dem Cyberraum als eine der größten, wenn nicht sogar die größte Bedrohung der nächsten Jahre und Jahrzehnte. Der Schutz vor diesen Gefahren ist daher von elementarer Bedeutung für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft.

Der neue Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum (CIR) der Bundeswehr ist als Reaktion auf diese Entwicklungen vor gut anderthalb Jahren im April 2017 aufgestellt worden. Bereits existierende Einheiten mit entsprechender Expertise wurden gebündelt, vorhandenes Know-how wurde und wird weiter ausgebaut. Etabliert haben wir bereits ein eigenes Lagezentrum für die Dimension CIR im Kommando CIR. Durch Fusion existierender Teillagen von Relevanz für die Dimension CIR werden Mehrwerte und Synergien generiert. Dabei werden durch die Analysten sowohl strukturierte als auch unstrukturierte Daten verarbeitet. Die so gewonnenen Erkenntnisse stellen wir Nutzern in der Bundeswehr und auch anderen Behörden zur Verfügung. Darüber hinaus haben wir das Zentrum Cybersicherheit der Bundeswehr weiter personell mit entsprechender Fachexpertise gestärkt. Zum 1. April 2018 haben wir das Zentrum Cyber-Operationen aufgestellt, 2019 folgt das Zentrum Softwarekompetenz der Bundeswehr. Zusammenfassend lässt sich sagen: Wir sind unserem selbstgesteckten Ziel, den CIR mit all seinen Facetten ganzheitlich zu denken, bereits ein gutes Stück näher gekommen.

Die Digitalisierung hat auch gravierende Auswirkungen auf denkbare militärische Szenarien. Alle Experten sind sich einig: Klassische militärische Auseinandersetzungen zwischen Industrienationen werden auch in Zukunft die Ausnahme sein. CIR-Operationen – eigenständig oder unterstützend – gewinnen weiter an Bedeutung. Bereits heute werden staatliche und innerstaatliche Konflikte mehr und mehr durch Propaganda und Desinformation beeinflusst. Das zukünftige Kriegsbild wird im Kern von Hybridität geprägt sein, die von der Intensität bewusst unterhalb der Schwelle bleibt, die erforderlich ist, um sie als bewaffneten Angriff einstufen zu können. Die Gefahren betreffen Staaten, Wirtschaftsunternehmen und Privatpersonen gleichermaßen. Militärische Gewalt dient in diesem Szenario eher als Drohpotenzial in der Hinterhand.

Hybride Strategien nutzen die Nahtstellen von Zuständigkeiten, wie bspw. der inneren und äußeren Sicherheit, für ihre Ziele aus. Ein enger Schulterschluss und Austausch im nationalen Rahmen ist daher zwingend erforderlich. Hierfür wurde bereits 2011, unter Federführung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, ein erstes Forum für die Zusammenarbeit staatlicher Stellen im Cyber- und Informationsraum geschaffen, das Nationale Cyber-Abwehrzentrum. Dieses wird aktuell weiterentwickelt und soll als operationelles Zentrum für Cyber-Abwehr in Deutschland unter Einbindung aller wichtigen Akteure ausgebaut werden. Der Organisationsbereich CIR bringt sich hier als Vertreter der Bundeswehr aktiv ein; u.a. stellen wir die Informationen zum neuen Lagebild CIR der Bundeswehr zur Verfügung.

Ein enger Austausch ist auch auf internationaler Ebene zwingend erforderlich, denn: Der CIR macht nicht an Staatsgrenzen halt. Zudem müssen verbindliche und international gültige rechtliche Rahmenbedingungen für den Cyber-Raum geschaffen werden. Dabei gilt es, insbesondere bei Waffensystemen auch ethische Aspekte zu berücksichtigen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit neuen Technologien ist zwingend notwendig. Nicht alles, was technisch möglich ist, sollte auch realisiert und legitimiert werden.

Weitere wichtige Voraussetzungen für einen sicheren Cyber- und Informationsraum sind zum einen das Etablieren von hohen Sicherheitsstandards bei der Entwicklung der entsprechenden Technik und Software – “Security by Design” ist leider längst noch nicht die Regel. Zum anderen ist der “Human Factor” entscheidend. Menschen müssen sensibel mit Daten umgehen und Sicherheitsregeln im Umgang mit neuen Technologien befolgen. Die Schaffung einer Cyber Awareness bei allen Angehörigen der Bundeswehr und die Entwicklung einer Cyber-Sicherheitskultur sind daher wichtige Aufgaben in unserer Organisation. Auch unser Berufsbild wird sich verändern.

Wir stehen vor großen Herausforderungen. Wir müssen uns den neuen Gegebenheiten und auch den daraus resultierenden militärischen Szenaren stellen und uns entsprechend vorbereiten. Fakt ist: Nur gemeinsam können wir die Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Bedrohungen aus dem Cyber- und Informationsraum, gewährleisten – eine Voraussetzung für die Zukunft moderner Gesellschaften. Der Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum wird einen maßgeblichen Beitrag zu dieser wichtigen gesamtstaatlichen Aufgabe leisten und dabei mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen!

Dieser Gastbeitrag stammt von Generalleutnant Ludwig Leinhos, Inspekteur Cyber- und Informationsraum (CIR) der Bundeswehr.

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