Enhancing Multinational Air Power

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Generalleutnant Ingo Gerhartz (Foto: Bundeswehr)

Für die deutsche Luftwaffe ist Multinationalität ein bestimmendes Element. Sie ist für uns seit jeher das Fundament, auf dem wir bauen. Mehr noch: Nur multinationale Zusammenarbeit schafft Interoperabilität und nur diese garantiert die Abschreckung durch das Bündnis. Multinationalität ist für die Luftwaffe der konsequente Weg zum gemeinsamen Erfolg: Striving to strengthen Allied Air Power.

Das europäische Lufttransportkommando in Eindhoven, die Aufstellung der Multinational Multi-Role Tanker Transport Fleet, die Unterstellung unserer Flugabwehrraketengruppe 61 unter ein niederländisches Kommando und der Betrieb von AWACS-Flugzeugen sind konkret sichtbare Beispiele unserer internationalen Vernetzung.

Um auch den künftigen Herausforderungen mit Erfolg zu begegnen, müssen wir gemeinsam wichtige Schritte vollziehen und unsere multinationale Kooperation weiter vorantreiben.
Wesentliche Treiber der multinationalen Ausrichtung sind hierbei:

  •  eine sicherheitspolitische Lage, bei der angesichts des internationalen Terrorismus und hybrider Konfliktformen keine Lösungen auf nationaler Ebene erzielt werden können;
  • begrenzte Ressourcen aller Mitgliedstaaten in EU und NATO, die eine intelligente und effiziente Vernetzung erfordern;
  • die Notwendigkeit der engen Zusammenarbeit oder “interoperability” in der integrierten NATO-Luftverteidigung;
  • technische Trends und Innovationen, die wir im multinationalen Rahmen diskutieren und aufgreifen müssen: Nur im engen internationalen Austausch werden wir Themen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Automatisierung erfolgreich besetzen.
    Alle Bündnispartner in NATO und EU sind aufgerufen, die Einsatzbereitschaft zu erhöhen, um in Szenarien der Landes- und Bündnisverteidigung bestehen zu können.
    Jede Nation muss hierfür zuallererst selbst Sorge tragen. Wirkungsvoll werden wir Schlagkraft und Glaubwürdigkeit nur gemeinsam stärken können.

Ein aktuelles Beispiel hierfür ist das im September in London verabschiedete Eurofighter Interoperability Enhancement Program. Royal Air Force und Luftwaffe werden zukünftig in der Ausbildung unserer Kampfflugzeugführer, im Austausch von Einsatztaktiken und in der technisch-logistischen Betreuung unseres gemeinsamen Waffensystems Eurofighter, noch enger zusammenarbeiten. Darüber hinaus planen wir für die Zukunft ein gemeinsames deutsch-britisches NATO Air Policing an der Ostflanke des Bündnisses. Im gemeinsamen Einsatz werden wir Synergien freisetzen und gleichzeitig die Schlagkraft im Bündnis erhöhen. Das verstehen wir konkret unter “Allied Air Power”.

Aufbauend auf dem Europäischen Lufttransportkommando (EATC) als gelungenes Beispiel einer spürbaren Verbesserung im Lufttransport, denken wir über den Aufbau einer Multinational Air Transport Unit mit zehn deutschen A400M im Rahmen des Framework Nation Concept nach. Hier bieten wir unseren NATO- und EU- Partnern eine Zusammenarbeit im Bereich Lufttransport bereits ab 2019 an – konkret, messbar, zum beidseitigen Vorteil und erneut zur Steigerung der Schlagkraft im Bündnis. Auch die mit Frankreich vereinbarte gemeinsame Nutzung von C-130J “Hercules” in Evreux zeigt, wie schnell spürbare Effekte erzielt werden können, wenn befreundete Nationen gemeinsam agieren.

Die deutsche Initiative zum Aufbau einer Multinational Air Group (MAG) definiert den Anteil der Luftstreitkräfte im Rahmen größerer Einsatzverbände in Szenarien der Landes- und Bündnisverteidigung. Hierdurch wird der Grundstein für eine bessere Verfügbarkeit von aufeinander abgestimmten Fähigkeiten gelegt. Deutschland ist Anlehnungspartner für zahlreiche andere europäische Staaten, um durch Intensivierung der Zusammenarbeit unsere Interoperabilität zu steigern. Wir werden unseren Beitrag in der VJTF 2023 international ausrichten und unseren Partnern bereits bei den von uns organisierten MAGDAYs die Gelegenheit geben, Verfahren und Abläufe mit uns zusammen zu trainieren. Insbesondere das Jahr 2019 ist hierbei für die Luftwaffe entscheidend.

Auch bei Zukunftsprojekten im Bereich der Luftwaffenrüstung folgen wir konsequent einer multinationalen Ausrichtung. So wurde im Rahmen des Deutsch-Französischen Ministerrats im Juli 2017 erklärt, die Kampfflugzeuge Eurofighter und Rafale durch eine gemeinsame Entwicklung eines Next Generation Weapon System zu ersetzen. Gerade bei unseren Überlegungen zur Nachfolge unserer fliegenden Waffensysteme, haben wir neben unseren Anforderungen an die Einsatzbereitschaft und Leistungsfähigkeit die Multinationalität fest im Blick.

Bei allen Zukunftsprojekten steht die größte Herausforderung jedoch zu Beginn: Die entscheidende Basis ist der Wille aller Beteiligten. Multinationalität ist unsere Antwort auf die Frage, welcher Weg angesichts der Herausforderungen unserer Zeit der richtige ist. Multinationale, flexibel einsetzbare und einsatzbereite Luftstreitkräfte bleiben auch künftig eine verlässliche Antwort in einer unsicheren Welt.

Generalleutnant Ingo Gerhartz, Inspekteur Luftwaffe, hat den Gastbeitrag geschrieben.

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