Digitalisierung: “Mit gutem Beispiel voran”

0
2327
Oft verblasst die Langzeitmotivation nach einem Impuls. Aber im Hinblick auf den Wettbewerb scheint sich der Digitalisierungstrend weiter fortzusetzen. Foto: (Foto: BS/Bednarski)

Ein Jahr nach dem “Digitale Stadt”-Wettbewerb zeigen einige der ehemaligen teilnehmenden Städte ihren Wandel auf. Sie nutzen die Aufbruchsstimmung, die durch den Wettbewerb ausgelöst wurde, um ihre Kommune auf unterschiedliche Weise zu digitalisieren und die nächsten Schritte zu gehen. Eine Unterstützung zur digitalen Stadt kann dabei die richtige Strategie oder der Chief Digital Officer (CDO) sein.

“Wir haben eine Digitalagentur gegründet, die zwar keine eigenen Projekte umsetzt, aber alle entscheidenden Akteure miteinander vernetzt”, erläutert Nicole Huber, Stadtdirektorin der Stadt Heidelberg. Ferner aber, fehle das digitale Fundament. “Ich erhalte Briefe von Eltern, dass deren Kinder lieber in den Schulen bleiben, weil es dort schnelles Internet gibt, als nach Hause zu kommen”, erläutert sie.

Wie wichtig dies sein kann, unterstreicht Frank Baranowski, Oberbürgermeister von der digitalen Modellstadt Gelsenkirchen: “Der Ausbau der Glasfaserinfrastruktur war ein echter Fund und eine kluge Entscheidung, die die digitale Stadt eingeleitet hat. In Deutschland müssen wir uns über die Glasfaser als Standard verständigen.”

In Darmstadt würde die “gesamte Stadt, Gesellschaft und Wirtschaft sich nun intensiv mit der Digitalisierung beschäftigen, um aktiv zu handeln und es nicht passiv geschehen zu lassen”, so Jochen Partsch, Oberbürgermeister der Stadt. Gleichzeitig würden Basistechnologien entwickelt, um die verschiedenen Anwendungen realisieren zu können wie beispielsweise Long-Range-WLan (LORA-WLan), Sensoren für die Verkehrssteuerung oder WLan im ÖPNV.

In Paderborn wurde extra ein “Digitalboard” gegründet, um alle Landkreise, Universitäten, Handwerker zu vernetzen und gemeinsam das Thema zu erschließen. “Auch Konkurrenten arbeiten zusammen, wie im Einzelhandel oder bei den Krankenhäusern. Wichtig ist, dass die Verwaltungsspitze zu 100 Prozent dahintersteht”, betont der Paderborner Bürgermeister Michael Dreier.

Chief Digital Officer als Wegbereiter?

Der CDO kann eine Stadt dabei auf ihrem digitalen Weg weiterbringen. Peter Adelskamp, CDO von Düsseldorf, erläutert den Grund: “Der Chief Digital Officer ist ein Gestalter, der mehr macht, als nur die Projekte umzusetzen. Er bringt auch Ideen ein, an die die Verwaltung vielleicht nicht gedacht hat.” Er müsse sich auch immer überlegen, was die Verwaltung umsetzen könne und was im Bereich des Möglichen sei. Sein Resümee: “Es braucht in jeder Kommune einen Treiber oder Kümmerer. Dies kann ein CDO oder auch ein digitaler Lotse sein.”

Christian Pfromm, CDO von Hamburg, sieht in der Rolle eine Vorbildfunktion: “Es gab Jahrzehnte keine Fehlerkultur in den Verwaltungen. Man kann als Chief Digital Officer dies mit gutem Beispiel vorleben. Man muss lernen, mit Fehlern umzugehen, wenn sie passieren.” Anderen Kommunen rät er auf der Smart Country Convention, “Eitelkeiten zu vermeiden, indem alles selbst gemacht wird.” Wichtiger sei es, Kooperationen und Netzwerke aufzubauen. Sie würden zwar Risiken mit sich bringen, aber auch einen hohen Mehrwert bedeuten

.
“Im Endeffekt ist die Technik in den seltensten Fällen das Problem. Es gilt eher die Verwaltung durch die Technik umzugestalten und diese zu implementieren”, pointiert es Victoria Hasenkamp aus der Stadt Soest aus dem Projektbüro digitale Modellregion.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here