“Der Cyber War ist schon lange Realität”

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Um gegen die Investitionen fremder Mächte im Cyber-War bestehen zu können, müsse die öffentliche Verwaltung in Europa offener gegenüber neuen Sicherheits-Technologien sein, so die Forderung Jan Lindners (Panda Security). (Foto: BS)

Auf der Berliner Sicherheitskonferenz des Behörden Spiegel warf Jan Lindner einen Blick auf die Cyber-Sicherheitslage in Europa. Der Vice President Northern Continental Europe bei Panda Security, stellte klar, dass man über das Stadium latenter Gefahren längst hinaus sei. Nach einer Phase von mehr Gemeinsamkeit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sei die Sicherheitslage auch aufgrund erstarkender nationalistischer und antidemokratischer Tendenzen so angespannt, wie lange nicht mehr.

Der Angriff auf unsere Werte erfolge aber nicht mehr nur mit Hilfe von Waffen und Armeen, so Lindner. “Der Angriff passiert im Verborgenen und in perfider Weise unter Missbrauch unserer eigenen IT-Infrastrukturen. Der Cyber War ist schon lange Realität.”

Das digitale Arsenal für Diebstahl, Erpressung, Populismus, Spionage und Sabotage stammte dabei nicht nur von Kriminellen und Unternehmen. “Ein Heer von IT-Spezialisten in den USA, China, Russland, Israel und Nordkorea entwickeln Waffen für den Cyber-Krieg”, betonte Lindner. Wo so viele Menschen involviert seien, gingen auch immer wieder Technologien in unbefugte Hände über. Ein Beispiel sei die Ransomware WannaCry, die mithilfe gestohlener CIA-Technologie entwickelt wurde.

Ziele von Angreifern im Cyber-Krieg sei heute nicht immer der militärische Gefechtsstand, sondern das einfache Büro und mobile Smartphones, Laptops und Tablet. In der günstigen Standard-IT-Infrastruktur hat der moderne Angreifer ein riesiges Schlachtfeld für sich entdeckt, das sich nicht so einfach verteidigen lässt”, so Lindner.

Schnellere Pferde reichen nicht

Das größte Problem für die Gewährleistung eines hohen Schutzniveaus sieht der Sicherheitsexperte im verzögerten Einsatz neuer Technologien. So versperre sich die öffentliche Verwaltung teilweise noch gegen Cloud-basierte IT-Sicherheitssysteme. Die Vorbehalte seien oft aber pauschal und unbegründet. Die Situation verglich Lindner mit der Zeit, in der Dampfwagen und Automobile den Straßenverkehr revolutionierten. England hatte den Red Flag Act erlassen, der vorschrieb, dass jedem Auto eine Person voranzugehen habe, die eine rote Flagge schwenkt und in ein Horn bläst. “Dadurch wurde die Automobilindustrie in England für Jahrzehnte zurückgeworfen”, sagte Linder.

Später begannen Kriminelle dann, immer häufiger Autos zu nutzen, um den Londoner Polizisten auf ihren Pferden davonzufahren. “Im Londoner Parlament diskutierte man damals aber nicht über die notwendige Motorisierung der Polizei”, so Lindner, “sondern über die Beschaffung schnellerer Pferde.” Ähnliche Diskussionen, nur eben im IT-Security-Umfeld, habe man in den letzten Jahren erleben müssen. Lindners Forderung daher: “Wir müssen die Abwehrhaltung gegenüber neuen Technologien überwinden und zur Innovationskraft zurückfinden – so wie in vielen anderen Bereichen außerhalb der IT schon vorgelebt.”

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