Erosion des westlichen Verteidigungsvorsprungs?

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Prof. Jürgen Beyerer (Vorsitzender der Fraunhofer Gruppe für Verteidigung und Sicherheit) Fraunhofer IOSB), Ron Cook (Managing Director von L3 Technologies UK), Dr. Thomas H. Killon (NATO-Hauptquartier) und Vizeadmiral Arie Jan de Waard (Rüstungsdirektor im Verteidigungsministerium der Niederlande) diskutieren über die Zukunft der Verteidigung und deren Ausgestaltung. (Foto: BS/Bednarski)

China und Russland steigern ihre Militärausgaben, um ihre Streitkräfte technologisch auszubauen, wodurch aber insbesondere die europäischen Länder ins Hintertreffen geraten könnten. “Ob wir besorgt sein sollten, wegen der schwächelnden westlichen Verteidigungsstärke und dem erstarken von Russland und China ist schwer einzuschätzen”, äußert sich Prof. Dr. Jürgen Beyerer, Vorsitzender der Fraunhofer Gruppe für Verteidigung und Sicherheit am Fraunhofer IOSB. Das aber die Digitalisierung insbesondere ihre Chancen mit sich bringt, wurde auf der Berliner Sicherheitskonferenz (BSC) deutlich.

Es würden seit Jahren große Unterschiede zwischen den Etats der westlichen Welt verglichen zu denen Russlands oder Chinas existieren, fuhr er fort. Die Sorge wegen dieser Asymmetrie könne auch unser Motor sein, so der Wissenschaftler. “Wir haben unsere demokratischen Werte und Welt, die uns für Desinformationen verwundbar machen und Entscheidungen verzögern.” Aber diese Probleme können gelöst werden: “Wir können die flexiblere Denkweise der zivilen Gesellschaften miteinbringen, um Lösungen zu generieren. Außerdem müssen wir unseren erwarteten Vorteil durch die Digitalisierung nutzen, ihn festigen und die Verwundbarkeiten hinsichtlich Cyber-Krieg und Cyber-Detektion schließen”, so sein Appell.

Aber hierfür müsste investiert werden. “Militärische Investitionen hinken den wirtschaftlichen Investitionen heutzutage hinterher”, erläutert Dr. Thomas H. Killon, Chief Scientist vom Nato-Hauptquartier. Er sieht deshalb auch als Treiber der technologischen Zukunft die kleinen- und mittelständischen Unternehmen (KMU). “Heutzutage entscheidet die Soft- und Hardware – also die Computerindustrie. Ich glaube es existieren mehr Möglichkeiten für diese Unternehmen durch die Entwicklung von Software und Algorithmen sowie neuen Herangehensweisen, die dann vom kommerziellen Markt auf militärische Anwendungen übertragen werden können. Die Barrieren sind weniger geworden”, äußert sich Killon. Er verweist dabei auf die jetzigen Smartphones, die teilweise leistungsfähiger als die meisten Heimrechner sind und eine breite Kompatibilität besitzen beispielsweise hinsichtlich der Apps.

Einen weiteren Aspekt greift Vizeadmiral Arie Jan de Waard, Rüstungsdirektor im niederländischen Verteidigungsministerium, auf: “Das größte Problem hinsichtlich der Regierung und Verwaltung ist die Bürokratie und die fehlende Geschwindigkeit. Außerdem müssen wir es zulassen, dass die Menschen Fehler machen und daraus lernen können.”

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