Plädoyer für mehr Demokratie

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Das 100-jährige Jubiläum des Deutschen Beamtenbundes (dbb beamtenbund und tarifunion) wurde mit einem Festakt in Berlin begangen, wo neben dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der Bundesvorsitze des dbb, Ulrich Silberbach, zugegen war. Die wechselvolle Geschichte des deutschen Traditionsverbandes, der seit dem 4. Dezember 1918 eine der “tragenden Säulen” des deutschen Berufsbeamtentums darstellt, klang in den Ansprachen an.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der die Festrede hielt, kam auf den “hoffnungsvollen Aufbruch der ersten parlamentarischen Demokratie” Weimars und den “Irrweg in die Unrechtsherrschaft der Nationalsozialisten” zu sprechen. Unisono hob er die bedeutsamen Zäsuren der im Werden begriffenen Bundesrepublik Deutschland hervor. Über Jahrzehnte habe sie ihr Dasein in der deutsch-deutschen Teilung, unter dem Eisernen Vorhang, fristen müssen. Die deutsche als auch die europäische Einigung seien Schlüsselfaktoren “der Demokratiegeschichte” des dbb gewesen. Steinmeier bezeichnete dessen Existenz als “historisches Glück” für Deutschland und Europa.

Blick in die Zukunft

Neben aller Reminiszenz wurde aber auch kritisch Bilanz gezogen und der Blick nach vorne gewagt. Der dbb-Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach warb für eine “zeitgemäße Modernisierung des Berufsbeamtentums.” Er forderte vom Staat “unabhängig von Statusfragen” mehr in die Digitalisierung zu investieren und sprach in diesem Zusammenhang von der notwendigen Genese einer “Bundesrepublik 2.0”.
Bundespräsident Steinmeier mahnte an, dass Deutschlands Verwaltungen bei moderner IT-Ausstattung noch nachbessern müssen. Außerdem seien zu wenig Frauen in den Amtsstuben als Führungskräfte beschäftigt. Und Ostdeutsche stünden vergleichsweise selten an den Spitzen ostdeutscher Behörden. Trotz des Fortschrittsoptimismus, den die Digitalisierung der Arbeit mit sich bringt, appellierte Steinmeier an einen maßvollen Umgang mit den neuen Technologien: “Statt Algorithmen sollen Menschen die letzte Entscheidung treffen.”

Versorgung geht vor Wettbewerb

Silberbach forderte die Sicherung der Sozialsysteme für das deutsche Beamtentum ein: “Wir wollen ein klares Bekenntnis: Gleich- und hochwertige Versorgung geht vor Wettbewerb.” Es sei seine Aufgabe als Bundesvorsitzender mit seinem Verband dafür zu kämpfen, dass sich der “öffentliche Dienst weiterhin als attraktiver Arbeitgeber” positionieren könne. Denn das Berufsbeamtentum sei “sinnstiftend”, ferner “lebendige Demokratie” sowie “wichtiger Teil eines Großen und Ganzen” zum Dienst der Bürgergesellschaft Deutschlands.

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