Verteidigung digital

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Dr. Reinhard Brandl (MdB, CSU) sieht die Bundeswehr in herausgehobener Rolle für die Cyber-Sicherheitsarchitektur. (Foto:BS/Gómez)

“Die Bundeswehr wird immer mehr zu einer digitalen Armee”, so Dr. Reinhard Brandl (CSU), Mitglied im Haushalts- und im Verteidigungsausschuss des Bundestages. Das betrifft aber nicht nur Steuerungssysteme in Fahrzeugen und Ausrüstung, sondern auch Basisinfrastrukturen für Kommunikation Fuhrparkmanagement sowie Versorgung und Einsatzplanung. Die Dimension Cyber- und Informationsraum sei heute außerdem Bestandteil aller Konflikte, sei es in Form von Angriffen auf Kritische Infrastrukturen oder von gezielter Stimmungsmache über Medien.

Die Bundeswehr, so Brandl auf einem Parlamentarischen Frühstück des Behörden Spiegel in Berlin, müsse daher einerseits ihre eigenen Systeme vor Angriffen schützen und andererseits Antworten auf die neuen Bedrohungslagen finden.

“Ein Großteil der Verwaltungs-IT des Bundes liegt bei der Bundeswehr”, betonte Brandl, “ebenso aber auch ein Großteil des Know-hows.” Darum plädierte der Abgeordnete für eine starke Einbindung im angestrebten Nationalen Cyber-Abwehrzentrum Plus, das nicht nur Lagebilder entwickeln, sondern auch Cyber-Vorfälle mit Relevanz für die nationale Sicherheit zentral bearbeiten soll. Zwar sehe er keinen Streitkräfteeinsatz im Friedensfall, jedoch sollte die vorhandene Expertise abgerufen werden. Brandl: “Ich könnte mir vorstellen, dass Soldaten ins Abwehrzentrum versetzt werden und dort dann nicht im Auftrag der Bundeswehr agieren.”

Eines der aktuellen Top-Themen im Bereich der Digitalisierung ist Künstliche Intelligenz (KI). Dass es dabei keineswegs um einen übertriebenen Hype, sondern um ein ernstzunehmendes Thema geht, machte Wolfgang Taubert, Leiter inhaltlich-strategische Steuerung BWI im Bundesverteidigungsministerium deutlich. Algorithmen und Methoden seien schon lange gut erforscht, mittlerweile würden aber auch die nötige Rechenleistung sowie Massendaten als Grundlage für den praktischen Einsatz zur Verfügung stehen. Auch die Bundeswehr setze schon KI-Systeme ein.

Sieht in der Künstlichen Intelligenz die Chance, die schiere Masse an Cyber-Angriffen trotz Personalmangels handhabbar zu machen: Hans-Peter Bauer (McAfee). (Foto: BS/Gómez)

Einen besonders großen Gewinn könnten die selbstlernenden Systeme bei der automatisierten Abwehr von Cyber-Angriffen einbringen – nicht nur bei Streitkräften und Sicherheitsbehörden, sondern in der öffentlichen Verwaltung allgemein. Den Ansatz erklärte Hans-Peter Bauer, Vice President Central Europe bei McAfee: Bei einem hohen Automatisierungsgrad könnten technische und vor allem die raren personellen Ressourcen besser auf die Bearbeitung der hochgradig spezialisierten Angriffe konzentriert werden. Dort sei der Mensch sei nach wie vor unverzichtbar. Zwar könne KI besser und schneller Anomalien erkennen, jedoch verfüge sie nicht über Phantasie und Intuition.

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