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Interview: Globales Know-how souverän nutzen

Deutschland will im Wettbewerb der Technologietreiber nicht weiter ins Hintertreffen geraten. Mehr nationale Souveränität im Digitalen sei aber kein Widerspruch zur Nutzung globalen Know-hows, wie Frank Giessen, Head of Government Affairs bei Symantec Deutschland, im Behörden Spiegel-Interview betont. Mit Benjamin Stiebel sprach er über das Potenzial des Forschungs- und Wirtschaftsstandorts Deutschland und über Zusammenarbeit für eine sichere Gestaltung der digitalen Welt.

Behörden Spiegel: Symantec hat kürzlich in Saarbrücken ein Forschungslabor gegründet. Woran forschen Sie dort?

Giessen: Das neue Forschungslabor ist im CISPA Helmholtz-Zentrum i. G. (Center for IT-Security, Privacy and Accountability) angesiedelt und stärkt Symantecs globale Forschungsorganisation Symantec Research Labs (SRL). SRL ist innerhalb Symantec eine eigenständige Abteilung, die ehrgeizige Projekte mit langfristigen Implikationen für eine Gesellschaft übernommen hat, die zunehmend online lebt. Aufgrund dieser Verlagerung konzentriert sich Symantec einerseits auf Technologien, die den Verbrauchern mehr Sicherheit und Kontrolle über ihre Online-Leben einräumen und andererseits auf Technologien, die einen erstklassigen Schutz für Unternehmensdaten bieten, die zunehmend gewinnorientiert genutzt werden.

Behörden Spiegel: Können Sie Beispiele nennen?

Giessen: Der Forschungsschwerpunkt ist funktionierender Datenschutz. Das ist das bestimmende Thema dieser Generation! Wir als Verbraucher hinterlassen kontinuierlich Online-Fußabdrücke, die auf unsere eigene Identität zurückgehen und sie kompromittieren. Wir befinden uns an einem Punkt in der Geschichte, an dem eine ernsthafte und unkontrollierte Bedrohung für die eigene Identität und Privatsphäre besteht. Als einer der Marktführer in der Cyber-Sicherheitsbranche fühlen wir uns immens verantwortlich, unseren Kunden dabei zu helfen, ihre Identität zu schützen, sie vor ruchlosen Akteuren zu verteidigen und ihnen mehr Macht über ihre eigenen Informationen und deren Nutzung zu geben.

Behörden Spiegel: Was hat Sie bewogen, nach Deutschland, ins Saarland zu gehen?

Giessen: Aus dem CISPA in Saarbrücken wird bis zum Jahresende das 19. Helmholtz-Zentrum in Deutschland entstehen. Es wird das erste Helmholtz-Zentrum für IT-Sicherheit sein. Die Helmholtz-Gemeinschaft beschäftigt bundesweit rund 39.000 Mitarbeiter und hat ein jährliches Forschungsbudget von 4,5 Milliarden Euro. Die Zentren verfolgen Forschungsziele des Staates, um die Lebensgrundlagen der Menschen zu erhalten und zu verbessern.

Im 19. Helmholtz-Zentrum sollen mittelfristig rund 500 internationale Wissenschaftler tätig sein, der Jahresetat beträgt 50 Millionen Euro. Das sind hervorragende Voraussetzungen. Dazu kommt der exzellente Ruf des Standorts Saarbrücken in der Software-Branche sowie die starke Unterstützung der politischen Institutionen im Saarland.

Was Deutschland betrifft, so ist es hinsichtlich des Bruttoinlandsprodukts die größte Volkswirtschaft Europas und die viertgrößte weltweit. Und Deutschland rangiert laut Weltwirtschaftsforum unter den fünf wettbewerbsfähigsten Ländern der Welt.

Die Unternehmen in Deutschland und die Bundesregierung haben den Stellenwert der Digitalisierung erkannt. Wer in Produktion, Vertrieb oder Produktentwicklung digitale Projekte wagt, hat gute Chancen, damit sein Wachstum nachhaltig zu steigern. Bis zu 126 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung könnten Deutschlands Unternehmen bis 2025 durch konsequente Digitalisierung erzielen, so eine Angabe der Unternehmensberatung McKinsey. Mit diesen Potenzialen ist der Wirtschaftsstandort Deutschland für uns von zentraler Bedeutung.

Behörden Spiegel: Trotz der hohen Wirtschaftskraft ist Deutschland genau wie Europa insgesamt bei Basistechnologien aber von Herstellern aus den USA und Asien abhängig, auch in sicherheitskritischen Bereichen. Entsprechend gibt es regelmäßig Forderungen nach digitaler Souveränität. Ist das der richtige Weg?

Giessen: Mit der Digitalisierung droht ein immer größerer Teil der Wertschöpfung außerhalb Deutschlands und Europas stattzufinden – sei es bei Dienstleistungen, in der Automobilbranche oder bei internetfähigen Geräten, die unser alltägliches Leben zunehmend bestimmen werden. Das hat Folgen nicht nur auf die Wirtschaftskraft, sondern auch auf die Möglichkeiten, die digitale Zukunft mitzugestalten.

Die Regierungsparteien der Groko verschreiben sich deshalb im Koalitionsvertrag der Wahrung und Rückgewinnung technologischer Souveränität. Schon der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel forderte eine digitale Vision für Europa. Ziel sei es, dass Deutschland und Europa Innovationen anführt, in allen wichtigen Bereichen der digitalen Ökonomie – etwa Industrie 4.0, intelligente Dienstleistungen und Big Data. Damit würde es Deutschland schaffen, in einer globalisierten Welt Standards zu setzen, Marktführerschaft zu erreichen und zugleich seine digitale Souveränität zu sichern.

Dieser Ansatz ist aufgrund der Digitalisierung und der damit begonnenen und bevorstehenden Veränderung der Märkte nachvollziehbar und richtig.

Behörden Spiegel: Wie kann digitale Souveränität im Hinblick auf IT-Sicherheit erreicht werden?

Giessen: Es kann nicht darum gehen, in Zukunft alle Basistechnologien in allen Bereichen selbst zu entwickeln, um die volle Kontrolle zu erhalten. Das wird nicht funktionieren. Auch wenn Deutschland und Europa in einigen Bereichen führend werden, braucht es das globale Know-how, um die Digitalisierung zu stemmen. Souveränität kann man aber dadurch erreichen, dass man die Technologien versteht und sich in die Lage versetzt, bei ihrer Entwicklung Einfluss zu nehmen und sich im Einsatz Selbststeuerungsmöglichkeiten zu bewahren. Dazu müssen sich aber auch alle Akteure befähigen: Wirtschaft, Politik und Bürger.

Behörden Spiegel: Einflussmöglichkeiten wird es aber ohne Entgegenkommen der anderen Länder und der Unternehmen kaum geben können, oder?

Giessen: Es braucht hier sicherlich mehr Transparenz und mehr Vertrauen zum gegenseitigen Vorteil. Ein gutes Beispiel, wie man hier vorankommen kann, ist die Charter of Trust, die auf Initiative von Siemens ins Leben gerufen wurde. Zu den Mitgliedern gehören global agierende Industriekonzerne und IT-Hersteller sowie mit dem TÜV Süd auch einer der größten Zertifizierer. Ziel ist es, ein weltweites Netzwerk bedeutender Akteure zu schaffen, um sich über grundlegende Prinzipien einer sicheren digitalen Welt zu verständigen. Ganz konkret sollen z. B. sicherheitsrelevante Standards für IoT-Geräte definiert werden.

Behörden Spiegel: Sehen Sie als amerikanischer IT-Security-Hersteller für sich auch Partizipationsmöglichkeiten, wenn Deutschland und Europa nach digitaler Souveränität streben?

Giessen: Diese Entwicklung ist sicherlich nicht aufzuhalten und sich als ausländisches Unternehmen dagegen zu sperren, wäre kontraproduktiv. Als Symantec fragen wir uns also durchaus, wie wir teilhaben können. Unser größter Schatz sind unsere Daten. Als einer der Marktführer in der Cyber-Sicherheitsbranche mit Millionen Kunden verfügen wir über eine der größten zivilen Schadcode-Datenbanken der Welt. Symantec verwendet eine offene Architektur, d. h. durch offene Programmierschnittstellen besteht die Möglichkeit, Bedrohungsdaten gemeinsam zu nutzen und mit anderen Anbietern zusammenzuarbeiten. Daher haben kleinere Unternehmen auch die Möglichkeit, Daten über die Plattform zu erhalten und mit größeren Anbietern zusammenzuarbeiten und somit größere Kunden zu erreichen.

Start-ups, die in Deutschland innovative Geschäftsmodelle im Bereich Cyber-Sicherheit auf den Weg bringen wollen, könnten von diesem Wissen enorm profitieren. Wir stellen diesen Unternehmen unsere Daten gegen Gebühren zur Verfügung. Darüber hinaus bietet Symantec für kleinere Unternehmen im Bereich Cyber-Sicherheit Finanzierungsmöglichkeiten an. So können wir Venture-Capital für Start-ups bereitstellen.

Eine Win-win-Situation – nicht nur für uns und die jungen Unternehmen, sondern auch für die deutsche Politik, die sich mehr nationale Expertise in der Cyber-Sicherheit wünscht.

 

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