DIVSI zum neuen Jahr aufgelöst

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Noch im November hatten DIVSI-Direktor Matthias Kammer (r.) und die Wissenschaftliche Leiterin des Instituts, Joanna Schmölz, (m.) gemeinsam mit Familienministerin Franziska Giffey (l.) die neueste Studie zum Umgang der Generation U25 mit dem Internet vorgestellt. Einen Monat später wurde das Institut nun aufgelöst. (Foto: DIVSI/Stefan Zeitz)

Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) ist mit dem Jahreswechsel aufgelöst worden. Das im Jahr 2011 von der Deutschen Post gegründete und seitdem von selber Stelle finanzierte, ansonsten aber unabhängig agierende Institut, das laut seinem Direktor Matthias Kammer den Auftrag hatte, “die vielfältig auftauchenden Fragen nach der Lebenswirklichkeit der Menschen im digitalen Zeitalter” zu untersuchen, sowie “über die Ergebnisse einen breit gefächerten Diskurs” anzustoßen, wurde für das neue Jahr überraschend nicht weiter finanziell von dem Bonner Unternehmen unterstützt.

Somit musste das in Hamburg ansässige DIVSI wenige Tage nach Veröffentlichung seiner letzten Studie die Arbeit einstellen. Die Auflösung kam offenbar auch für die Mitarbeiter des DIVSI selbst überraschend. So kommentierte Jürgen Selonke, Chefredakteur des instituteigenen Magazins, den Abschied mit dem Fazit: “… 7, 8, 9 – aus, Ende und Feierabend. Ein Knockout, der viele überrascht hat.” Auch Direktor Kammer zog ein Fazit, in dem er die “mir anvertraute Aufgabe, ein solches Institut zu leiten”, als “überaus reizvoll” darstellt: “Ich habe es stets als großartige Chance begriffen, ein so wichtiges Instrument letztlich im Interesse unserer Zivilgesellschaft aufbauen zu dürfen. Jetzt, 2018, ist das traurige Schlusskapitel eingeleitet.”

In einem inhaltlichen Rückblick legte Kammer den Fokus vor allem auf die Internet-Milieus des DIVSI, die in der ersten Studie 2012 etabliert und 2016 aktualisiert worden waren. Diese seien zu einer “Kernmarke” des Instituts geworden: “Diese Unterscheidung in sieben Milieus von Internetfernen Verunsicherten bis hin zu Digital Souveränen eröffnete einen neuen Blick auf die differenzierte Lebenswirklichkeit der in Deutschland lebenden Menschen im aufkommenden digitalen Zeitalter.” Anhand dieser Milieugruppen untersuchte das Institut verschiedene Altersklassen auf ihre digitalen Kompetenzen und Defizite.

Die Deutsche Post hatte das Institut zuletzt mit rund einer Million Euro pro Jahr finanziert. Die Schirmherrschaft über das DIVSI übernahm zu Beginn Joachim Gauck, der diese nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten an Altbundespräsident Roman Herzog abgab. Nach dessen Tod übernahm Gauck – nun selbst Altbundespräsident – erneut die Schirmherrschaft.