Neujahrsempfang in Sankt Augustin

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Zum Neujahrsempfang der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin konnten rund 450 Gäste begrüßt werden. (Foto: BS/Pressestelle Bundespolizei NRW)

Der im Mai scheidende Präsident der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin, Wolfgang Wurm, ließ beim Neujahrsempfang noch einmal das Jahr 2018 Revue passieren und befand: es habe so viele Großeinsätze wie selten zuvor gegeben. In diesem Zusammenhang seien insbesondere die beiden Großflughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn zu nennen. Es gebe aber noch zahlreiche andere Brennpunkte. Dazu gehörten unter anderem die Hauptbahnhöfe in Köln, Essen und Düsseldorf, so Wurm. Die Zusammenarbeit mit der Landespolizei habe hervorragend funktioniert und sei bei Großlagen geradezu vorbildlich.

In Erinnerung geblieben ist allen Beteiligten, auch den 450 Vertretern der Sicherheits-Community an diesem Abend, jedoch insbesondere der verhinderte Rizin-Anschlag in Köln-Chorweiler. Dies war wohl für alle Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2018 das Ereignis und die größte Herausforderung. Verhindert werden konnte dieser in Planung befindliche Anschlag mit einem biologischen Kampfstoff nur durch geheimdienstliche Voraufklärung und den Einsatz von Landes- und Bundespolizei sowie von Expertenteams von Feuerwehren, Katastrophenschutz und dem Robert-Koch-Institut aus Berlin. Wäre dieser Anschlag nicht verhindert worden, hätte es eine gigantische Katastrophe gegeben. Das ist allen Sicherheitsverantwortlichen bekannt, von der Öffentlichkeit jedoch weitestgehend nicht wahrgenommen worden. Rizin lässt sich mit einer im Internet befindlichen Rezeptur aus frei zugänglichen Mitteln erzeugen. Die Wirkungen wären womöglich für Hunderte, wenn nicht Tausende Personen tödlich gewesen. Damit wäre eine neue Form des Terrorismus erreicht worden.

Alle Sondereinheiten zusammengefasst

Der Präsident der Bundespolizeidirektion elf, der ehemalige Kommandeur der GSG9, Olaf Lindner, führte dazu aus, dass mit einem terroristischen Angriff mit chemischen oder biologischen Waffen zu rechnen sei. Daher habe die Bundespolizei alle Sondereinheiten, über die sie verfüge, in seiner Direktion zusammengefasst. Die Schlagkraft der Anti-Terror-Bekämpfung werde damit zumindest in der Bundespolizei konzentriert und verstärkt. Zur Direktion elf gehören neben den Sky Marshalls, den Kräften zur Sicherheit der deutschen Botschaften im Ausland, der GSG9 sowie der Fliegergruppe auch die Spezialisten der Sprengstoffdekontamination und -beseitigung.

Gerade in diesem Zusammenhang ergäben sich aber neue Herausforderungen. Denn es sei immer öfter festzustellen, dass die Attentäter, die teils Kriegserfahrung aus den Kampfgebieten des IS mitbringen und immer professioneller würden, komplexere Sprengmittel entwickeln würden. Daher habe seine Direktion neben ihrer Aufgabe der Bündelung aller Spezialkräfte der Bundespolizei zur Terrorismusbekämpfung drei neue Themenfelder definiert, so Lindner. Dazu gehöre die “großtaktische Medizin”. Dies bedeutet, dass die Einsatzkräfte in einem Terrorfall dafür ausgebildet sein müssten, massenhaft Verletzte zu versorgen, eigene Kräfte medizinisch zu betreuen, aber im polizeilichen Sinne letztlich auch die Attentäter medizinisch zu versorgen.

Spezielle Einheit für Drohnen

Des Weiteren habe man eine Sondereinheit gebildet, die sich dem Thema Drohnen widme. Hier gelte es zum einen Technologien einzusetzen, die eine Drohnenabwehr ermöglichen. Zum anderen brauche es aber auch eine Drohnenbekämpfung und -forensik. Letzteres meint die Auswertung der Daten und Aufnahmen der abgefangenen Drohne. Damit rückt die Drohnenbekämpfung auch in den Vordergrund der Terrorismusprävention. Das dritte Thema einer Sondereinheit bei der Direktion elf ist ein Spezialkommando, das bisher traditionell unter dem Thema “Entschärfung” lief. Die einzelnen Bundespolizeidirektionen verfügen hier über Kapazitäten, die nun gebündelt werden sollen. Die Mitarbeiter sollen insbesondere darin geschult werden, Sprengsätze zu entschärfen, die eventuell chemische oder biologische Stoffe zur Entzündung bringen sollen. Das sei eine extreme Herausforderung, so Lindner. Dazu würden mittlerweile ausgesuchte Beamte der GSG9 und anderer Spezialeinheiten beim Robert-Koch-Institut in Berlin geschult.

Es hat sich in einigen Fällen herausgestellt, dass die Einsatzleiter und -kräfte zurückschrecken, wenn die Vermutung besteht, es handle sich bei dem Sprengsatz um eine Entzündung biologischer oder chemischer Waffen. Da gäbe es häufig zu viel Zurückhaltung und Rückzugsgefechte, meinte Lindner. Dem könne man nur begegnen, wenn man in den Spezialkräften einzelne Personen dafür ausbilde, auch solche Sprengsätze zu entschärfen. Dies gehe nicht ohne Unterstützung von Wissenschaftlern. Ein enormes Risiko für die Einsatzkräfte bestehe darin, herkömmliche Analysetools zu verwenden. Diese seien häufig ungenau und könnten zu falschen Schlussfolgerungen führen.

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