Digitaler Nachholbedarf

0
1242
Der Weg zu einer Smart City ist für viele deutsche Kommunen noch ein weiter. (Foto: ITU Pictures, CC BY 2.0, www.flickr.com)

Deutsche Städte und Gemeinden haben auf dem Weg zu Smart Cities beziehungsweise Smart Regions noch viel vor sich. Die Ergebnisse des “Smart City Readiness Check” vom Innovators Club des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) und von TÜV Rheinland zeigen einen unterschiedlichen Umsetzungsstand digitaler Lösungen in den Kommunen.

Die 500 größten Städte und Kommunen in Deutschland wurden in die Umfrage einbezogen und zu den Schwerpunktthemen digitale Infrastruktur, eGovernance, Mobilität und Energie befragt. Im Bereich der digitalen Infrastruktur lassen sich zwar zunehmend Tendenzen zur Verbesserung von Angeboten ablesen, dennoch werden viele staatliche Fördermöglichkeiten für den Netzausbau nicht genutzt. Fast jede fünfte Kommune gibt dem DStGB zufolge an, noch über keine flächendeckende Versorgung mit einer leistungsstraken Breitbandinfrastruktur zu verfügen. Und mehr als jede dritte von ihnen nehme nicht an bundesweiten Programmen teil, die den Breitbandausbau fördern.

“Wenn eine Kommune die Fördergelder nicht abruft, ist möglicherweise das Förderverfahren zu kompliziert. Dabei zahlen sich Investitionen in die digitale Infrastruktur auf die Dauer aus“, betont Gürkan Ünlü, Leiter der Geschäftsentwicklung bei TÜV Rheinland Consulting sowie Leiter des Corporate Center of Excellence Data Analytics bei der TÜV Rheinland AG. “Schließlich entscheidet eine gute digitale Infrastruktur aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen immer häufiger darüber, wie attraktiv ein Standort ist.”

Auch im Bereich von Online-Verwaltungsleistungen treten viele Kommunen auf der Stelle. Rund 30 Prozent von ihnen geben an, dass die eigene Kommune wenig oder keine digitalen Dienstleistungen als Service für die Bevölkerung anbietet – etwa die Beantragung von Pässen oder verschiedenen Ausweisen. Besonders Kommunen mit weniger als 50.000 Einwohnern hinken hier hinterher. Auch für Unternehmen stellen fehlende gewerbliche Online-Services ein Problem dar. “Für Start-up-Unternehmen und kleine Gewerbe ist die kommunale Verwaltung oft ein Erlebnis der ganz analogen Art”, beschreibt Alexander Handschuh, Sprecher des Deutschen Städte und Gemeindebundes und Leiter des Innovators Club. “Dies macht es für engagierte Gründer unnötig kompliziert, sich mit einem Unternehmen in einer der betroffenen Kommunen niederzulassen. Gerade innovative Unternehmen lassen sich dort nieder, wo man ‚digital‘ spricht. Insofern wirkt sich das Fehlen derartiger Angebote auf die Standortqualität aus.”

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here