Zukunft der Pflege

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Durch die Digitalisierung und Alterung der Gesellschaft ist der Pflegeberuf einem Wandel unterworfen. (Foto: Alexander Raths, www.fotolia.com)

Man hat es mit verschiedenen Herausforderungen in der Pflege zu tun. Insofern sollte es auch erlaubt sein, den Status Quo zu betrachten, ohne dass es am Blick in die Zukunft mangelt. Fakt ist, in allen Bereichen vom Pflegedienst, in den Krankenhäusern bis hin zur Kurzzeitpflege mangelt es an Personal. Auf politischer Ebene, in den Pflegeeinrichtungen und –Organisationen sowie bei Unterstützern der Einrichtungen wird nach Lösungen gesucht. Auch die Krankenkassen sind aktiv, um Lösungsansätze bemüht. Und über allem thront das allseits bemühte Wort: „Digitalisierung“.

Die Zahlen in Deutschland sprechen für sich: Laut Statista in der Prognose des BMG/Statistischen Bundesamtes könnte sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland bis zum Jahr 2030 auf rund 4,07 Millionen erhöhen, der Anteil der 80Jährigen in der Bevölkerung läge dann bei 6,2 Mio.

Damit einher gehen zahlreiche Fragen nach den Leistungsarten und Pflegestufen. Nach der Pflegereform liegen auch hier einige Daten vor, mit denen man Prognosen erstellen kann.
2025 könnte sich demnach die Zahl der in Heimen versorgten Pflegebedürftigen deutschlandweit auf rund 1,05 Millionen Menschen belaufen. Beim allgemeinen Fachkräftemangel ist der Bereich der Pflegekräfte klarer Spitzenreiter. Es fehlen schon jetzt lt. Deutschem Pflegerat knapp 100.000 zusätzliche Stellen. Der prognostizierte Bedarf an Pflegekräften in Deutschland 2025 wird voraussichtlich bei 940.000 Pflegekräften liegen.
Wenn man sich diesen Zahlen vorbehaltlos widmet, wird klar: die vorhandenen Pflege-Einrichtungen, stationäre und ambulante Strukturen müssen sich als Arbeitgeber entsprechend positionieren. Laut Barmer Gesundheitsreport 2018 fehlen Bus- und Trambahnfahrer an durchschnittlich 33 Tagen im Jahr durch Krankschreibung und nahezu genauso oft fallen Beschäftigte in der Altenpflege aus, gleich danach folgen die Krankenpflegeberufe. In Zeiten des Personalmangels in der Pflege müsse besonders hier näher hingeschaut werden, fordern die Krankenkassen.

(© BDO/DKI)

Zudem steht weiterhin die Frage im Raum, wie man neue Mitarbeiter rekrutiert. Beim Zukunftsdialog Gesunde Pflege von BDO und MOOVE wird klar auf das Betriebliche Gesundheitsmanagement gesetzt. Es ist weitere Bewegung in den Markt gekommen, denn seit dem 1. Januar 2019 wirkt das neue Gesetz (PpsG- Pflegepersonalstärkungsgesetz), dass es den Krankenkassen nun erlaubt, auch im Pflegemarkt etwas für die Mitarbeiter zu tun. Digitalisierungsansätze ermöglichen hier zum Beispiel auch einen Zugang zu schwer erreichbaren Gruppen zu schaffen, wie zum Beispiel der ambulanten Pflege. Allerdings ist es damit nicht getan, denn hier müssen verschiedene Instrumente zum Einsatz kommen.
Im bislang umfangreichsten Krankenhausmonitor von DKI und BDO wurden fast 350 Krankenhäuser und Kliniken zum Stand der betrieblichen Unterstützung der Mitarbeiter im Pflegebereich befragt. Es geht darum Massnahmen einzusetzen, die mitarbeiterorientiert wirken. Laut Prof. Dr. Volker Nürnberg, der die Hintergründe zum Zukunftsdialog Pflege erläuterte, stellt es sich so dar. „Früher hieß es immer, der Kunde ist König. Im Gesundheitsbereich ist die Sache so bzw. sie muss sich dahin entwickeln, dass wir sagen: Der Mitarbeiter ist König und sollte sich auch so positionieren können, damit er die Patienten, also die Kunden des Gesundheitssystems bestmöglich betreuen kann.“

Anzahl der Pflegebedürftigen und über 80 Jährigen in Deutschland von 2017 bis 2060 in Mio.
Quelle BMG, Statistisches Bundesamt, Statista

Dr. Henssler, Leiter BGM Konzeption beim deutschen BGM-Marktführer MOOVE verweist auf zusätzliche 70 Millionen Euro, die den Gesundheits- und Pflegereinrichtungen durch das PpsG ab 2019 zur Verfügung stehen: „Die gesetzlichen Krankenkassen müssen ab 2019 erstmals Gelder bereitstellen, die die Kliniken und Pflegeeinrichtungen für die Unterstützung ihrer Belegschaft anfordern können. Bei einem Gesamtbudget von rund 70 Mio. € und 1,6 Mio. Pflegekräften sind das mehr als 40 € pro Pflegekraft und Jahr“, so Henssler.

Gret Beccard (freie Journalistin für Wirtschaft und Technologiethemen D/A/CH) hat den Gastbeitrag verfasst.

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