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Start Finanzen Verschiedene Methoden erforderlich

Verschiedene Methoden erforderlich

Um Betrugsfälle effektiv erkennen und aufdecken zu können, müssen verschiedene Ansätze verfolgt werden. Neben aufmerksamen Mitarbeitern in den Finanz- und Sicherheitsbehörden ist auch technische Unterstützung notwendig. Es müssten automatisiert große Datenmengen analysiert werden. Dafür brauche es Predictive Analytics-Werkzeuge, die möglichst großen Datenmengen mit vielen Variablen berücksichtigen und in die Auswertung einbeziehen.

Das betonte Dr. Martin Setnicka, Leiter des Predictive Analytics Competence Centers des österreichischen Bundesministeriums für Finanzen. Zudem erläuterte er unterschiedliche Analytics-Ansätze. Zum einen gebe es die Möglichkeit des überwachten Lernens, wo Daten für die Analyse klassifiziert werden. Zum anderen sind auch Clusteranalysen (unüberwachtes Lernen) möglich. Effiziente Betrugserkennung ist eine Kombination verschiedener komplementärer Methoden, so Setnicka in Berlin. Eines hätten alle Predictive Analytics-Methoden jedoch gemein: ihr Resultat seien immer nur bestimmte Wahrscheinlichkeiten. Absolute Sicherheit gebe es nie. Das gelte auch für die Risikoanalyse von Betrieben im Hinblick auf mögliche Steuerbetrugsdelikte, wie sie in Österreich durchgeführt werden. Auch die Tatsache, dass Daten aus der gesamten Alpenrepublik, und nicht nur aus einzelnen Bundesländern, in diesen Predictive Analytics-Ansatz einbezogen würden, ändere daran nichts. Allerdings betonte Setnicka: “Der Einsatz von Predictive Analytics- und Advanced Analytics-Methoden hat zu deutlichen Performance-Erhöhungen in der österreichischen Steuerverwaltung geführt.”

Belgischer Zoll nutzt Predictive Analytics

Auch in Belgien sind Predictive Analytics-Methoden bei den Behörden im Einsatz, wie Dierk Op’t Eynde erläuterte. So nutze etwa der Zoll derartige Ansätze zur Risikoanalyse von Containern an See- und Flughäfen, berichtete der Senior Advisor Strategic Support beim Föderalen Öffentlichen Dienst Finanzen. Große Bedeutung habe in Belgien zudem die Bestimmung des Bankrottrisikos. Dieses werde für jedes Unternehmen im Land mit Blick auf die kommenden zwei Jahre bestimmt. Des Weiteren berichtete Op’t Eynde im Rahmen eines Parlamentarischen Abends des Behörden Spiegel, dass Belgien in der Vergangenheit große Probleme mit sogenannten Umsatzsteuerkarussells gehabt habe. Inzwischen sei dies kaum noch der Fall. Einen erheblichen Beitrag dazu geleistet habe eine wirksame Betrugsbekämpfung. Die entsprechenden Methoden und Verfahren müssten aber fortlaufend optimiert werden. Außerdem sollte der Fokus der zuständigen Behörden auf Hochrisikofällen liegen.

Dierk Op’t Eynde, Senior Advisor Strategic Support beim Föderalen Öffentlichen Dienst Finanzen Belgiens, ging auf Analytics-Anwendungen in seinem Land ein. (Foto: BS/Dombrowsky)

Betrugsdreieck vorgestellt

Den Bedingungen und Faktoren, die Betrugshandlungen begünstigten, widmete sich schließlich die Rechtsanwältin Dr. Stefanie Lejeune. Die ehemalige Staatssekretärin machte deutlich, dass in diesem Zusammenhang zwischen täterspezifischen und situationsgebundenen beziehungsweise systemimmanenten Aspekten unterschieden werden kann. Außerdem erläuterte sie das sogenannte Betrugsdreieck. Ein Delinquent müsse erstens einen Anreiz verspüren zu betrügen. Folglich brauche er eine Motivation. Zweitens muss sich die Person in einer Organisationsstruktur befinden, die den Betrug zulässt. Mit anderen Worten: Es braucht eine Gelegenheit. Und drittens müsse der Betrüger die Folgen seiner Tat mit dem eigenen Unrechtsbewusstsein vereinbaren können (Rechtfertigung).

Anreize für Betrugshandlungen könnten unter anderem finanzielle Probleme, Notlagen sowie soziales Status- und Karrierestreben sein. Gelegenheiten stellen laut Lejeune Gruppenzwang, Leistungsdruck, Überforderung und strukturelle und organisationsbedingte Kontroll- und Definitionsdefizite dar. Auch die Führungskultur, die in einem Unternehmen herrsche, sei entscheidend. “Wer einen streng hierarchischen Umgangston pflegt, eine unduldsame Fehlerkultur präferiert und wertschätzende Partizipation sowie Eigenverantwortung kritisch beäugt, wird längerfristig genau das Umfeld schaffen, das Normverletzungen befördert, statt zurückzudrängen.” Mögliche Rechtfertigungen seien ein subjektives Ungerechtigkeitsempfinden oder der Wunsch nach Rache, schloss Lejeune.

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