Öffentlicher Dienst grundsätzlich geschätzt

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Der feine Unterschied zwischen Ansehen und Vertrauenswürdigkeit ist bei manchen Institutionen und Gruppierungen des Öffentlichen Dienstes feststellbar – jedoch marginal. Mit am besten schneiden in aktuellen Umfragen die Polizeibeamten ab. 78 Prozent der Deutschen vertrauen den Ordnungshütern. (Foto: cocoparisienne, CC0, https://pixabay.com/)

Hört man im Alltag davon, dass eine Person oder Gruppe hohes Ansehen genießt, würden die meisten Menschen wohl gleichzeitig davon ausgehen, dass dies ebenfalls eine hohe Vertrauenswürdigkeit miteinschließt. Während die beiden Begrifflichkeiten häufig auch tatsächlich gleichwertige Ergebnisse in Ansehen und Vertrauen verzeichnen können, zeigt eine Gegenüberstellung von ansonsten ähnlich aufgebauten Studien allerdings feine, aber durchaus wichtige Unterschiede in bestimmten Feldern.

Ähnliches gilt auch für Differenzen bei Untersuchungen zum Image von Institutionen und einzelnen Mitarbeitergruppen eben dieser Institutionen. Dies zeigt ein Vergleich zweier Studien mit ähnlicher, aber leicht unterschiedlicher Schwerpunktsetzung, die beide vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt wurden. Das Berliner Institut hatte im vergangenen Sommer für den DBB Beamtenbund und Tarifunion deren Jahresumfrage erstellt, die sich mit dem Ansehen des Öffentlichen Dienstes und seinen Mitarbeitergruppen in der Bevölkerung der Bundesrepublik auseinandersetzt. Die zweite Studie erstellte Forsa um den Jahreswechsel herum für das Trendbarometer von RTL und n-tv. In dieser wurde im Kontrast zum DBB nicht das Vertrauen in die Berufsgruppen abgefragt, sondern das Ansehen der übergeordneten Institutionen. Während die Kölner Mediengruppe also nach dem Vertrauen in die “abstrakten” Institutionen (z. B. “Kommunale Unternehmen”) fragte, ging es dem DBB um das Ansehen konkreter Mitarbeitergruppen (z. B. “Beamter”).
Polizei vorn, Bundeswehr gespalten

Spitzenreiter in Sachen Vertrauen ist im Bereich des Öffentlichen Dienstes in beiden Studien die Polizei: Bei 78 Prozent der Deutschen genießt der Freund und Helfer in blauer Uniform ein hohes Ansehen und sogar 87 Prozent der Bundesbürger setzen der Institution Polizei Vertrauen entgegen. Eine besonders hohe Diskrepanz gibt es dagegen beim uniformierten Gegenstück für äußere Sicherheit, der Bundeswehr: Während die Soldaten des Landes mit 66 Prozent von zwei Dritteln der Bevölkerung besonders respektiert werden, liegt die allgemeine Vertrauenswürdigkeit der deutschen Truppe bei lediglich 40 Prozent – eine Differenz von 26 Prozentpunkten zwischen politischer Institution und ihren Mitgliedern.

Punktlandungen erreichen beide Studien vor allem im Bereich der Bildung. So sind Hochschulprofessoren laut der DBB-Studie mit 74 Prozent hoch angesehen, eine Zahl, deren Wert auch mit der Vertrauenswürdigkeit der dazugehörigen Institutionen übereinstimmt, denn den deutschen Universitäten vertrauen insgesamt sogar 77 Prozent der Befragten des RTL/n-tv-Trendbarometers. Bei den Lehrern kommen Vertrauen und Ansehen sich noch näher, denn den Schulen des Landes vertrauen 53 Prozent, während Studienräte auf einen Prozentpunkt mehr kommen (54 Prozent).

Beamte arbeiten sich langsam aus dem Tief

Eine Reihe von Abweichungen zwischen Berufsklasse und Personengruppe, wenn auch um den Vertrauenswert herum, gibt es bei den kommunalen Unternehmen, die im Trendbarometer auf eine grundsätzliche Vertrauenswürdigkeit von 66 Prozent kommen. Gruppenbezogen gibt es in den Kommunen der Republik allerdings nicht nur eine einzelne Personengruppe, sondern eine ganze Reihe verschiedener Berufe, deren Mitglieder jeweils unterschiedlich wahrgenommen werden. So besitzen Müllmänner und -frauen mit 75 Prozent das höchste Ansehen in der Bevölkerung, gefolgt von Klärwerksmitarbeitern (67 Prozent) und Förstern (62 Prozent). Deutlich schlechter schneiden vor allem Beamte/-innen ab. Diese Gruppe sitzt zwar immer weniger in den kommunalen Unternehmen und kann sich im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt und im Vergleich zu 2007 sogar um zwölf Prozent verbessern, dennoch kommen sie lediglich auf ein Ansehen von 39 Prozent. Unbeliebter als die Beamten in Behörden und Rathäusern sind nur noch Steuerbeamte, die mit 31 Prozent noch einmal acht Prozent darunter liegen und von weniger als einem Drittel der Deutschen ein hohes Ansehen verzeichnen können. Gleichzeitig gibt es allerdings auch bestimmte Beamtengruppen, die deutlich beliebter sind, wie bei den bereits beschriebenen Hochschulprofessoren und Lehrern, aber auch im Bereich des Justizvollzugs. So sind 63 Prozent aller Befragten zufrieden mit den Justizvollzugsbeamten in Deutschland, während die Vertrauenswürdigkeit der Institution Gefängnis gar nicht erhoben wurde.

Unter dem Strich trennen die Bürger also in den meisten Fällen bei Ansehen und Vertrauenswürdigkeit nur marginal zwischen Institution und berufsausübenden Menschengruppen. Es gibt jedoch auch bestimmte Fälle, in denen ganz besonders zwischen Individuen und Institutionen unterschieden wird.

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